Die Situation rund um das iranische Atomprogramm hat sich drastisch verschärft. In den letzten Wochen hat Teheran beispiellose Maßnahmen ergriffen, um seine Bestände an hochangereichertem Uran zu schützen. Laut Quellen, die mit dem US-Nachrichtendienst vertraut sind, ist der Zugang zu etwa einer halben Tonne strategischen Materials deutlich schwieriger und gefährlicher geworden als noch vor einem Monat.
Iranische Fachleute haben die Tunnel, die zu den Lagern führen, einstürzen lassen und die Eingänge vermint. Selbst für die Iraner selbst würde die Entnahme des Urans nun umfangreiche Entminungsarbeiten und den Einsatz schwerer Baumaschinen erfordern.
Scheitern der Pläne und neue Bedrohungen
Diese Aktionen stellen ernsthafte Hindernisse für die Umsetzung eines Abkommens dar, das die Verwaltung von Donald Trump vorbereitet. Gemäß dem Plan sollte der Iran angereichertes Uran an die Vereinigten Staaten übergeben. Das Material sollte vor Ort zerstört und anschließend aus dem Land verbracht werden.
Die neuen Befestigungen machen die Erfüllung dieser Bedingungen jedoch extrem schwierig. Es stellt sich die berechtigte Frage: Wer wird sich nun der gefährlichen Aufgabe annehmen, Uran aus Trümmern und Minenfeldern zu bergen?
Scott Roker, der von 2017 bis 2021 das Büro für die Beschlagnahme von Kernmaterial des US-Nationalen Büros für nukleare Sicherheit leitete, kommentierte die Situation: „Wenn diese Meldung wahr ist, wird dies die Beschlagnahme von hochangereichertem Uran definitiv erschweren“.
Risiko des Kontrollverlusts
Experten befürchten, dass, wenn die Verhandlungsführer vom Iran verlangen, das gesamte Uran an einem Ort zur Beschlagnahme zusammenzuführen, Teheran behaupten könnte, dass ein Teil des Materials nicht mehr zurückgewonnen werden kann. Dies würde ein Vertrauensvakuum zwischen den Parteien schaffen.
„Wir hätten nicht die volle Gewissheit, dass der Iran keinen Zugang dazu in der Zukunft behält', so Roker.
Die internationale Gemeinschaft geht davon aus, dass der Großteil der Bestände in den eingestürzten Tunneln des Atomkomplexes Isfahan im Landesinneren liegt, wobei ein Teil des Materials auch an anderen Standorten gelagert sein könnte.
Voraussetzungen des Konflikts
Die Spannungen haben sich schrittweise aufgebaut. Mitte Mai bereiteten die US-Militärs bereits eine Operation zur Beschlagnahme des Materials vor, hielten diese jedoch für zu riskant. Seitdem hat der Iran, der mögliche Aktionen der USA vorausahnte, die potenziellen Lagerorte für Uran zusätzlich befestigt. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump öffentlich angedeutet, er könnte den Truppen befehlen, dieses Material zu beschlagnahmen.
Die Situation wird durch widersprüchliche Aussagen verschärft. Beamte der USA und des Irans liefern unterschiedliche Versionen einer vorläufigen Vereinbarung. Ein Entwurf des Abkommens war am Freitag in eine halbamtliche iranische Agentur gelangt, was eine wütende Reaktion von Trump in den sozialen Medien auslöste.
Gleichzeitig diskutiert Washington weiterhin die Bedingungen, unter denen dem Iran eingefrorene Mittel zurückgegeben werden könnten. Es geht um einen schrittweisen Ansatz: Lockerung des Sanktionsdrucks im Austausch gegen konkrete Schritte Teherans. Zuvor wurde ein Szenario diskutiert, bei dem zunächst eine vorläufige Vereinbarung geschlossen und erst danach die Frage des Atomprogramms behandelt wird, um den Parteien Zeit für die Vorbereitung komplexerer Vereinbarungen zu geben.