---
title: "Irdische Bakterien vermehren sich unter Marsbedingungen: 180-Tage-Experiment wirft neues Licht auf die Bewohnbarkeit des Roten Planeten"
description: "Forscher der University of Florida hielten Haloferax volcanii-Bakterien 180 Tage lang unter Bedingungen, die die Marsumgebung imitieren. Die Mikroben überlebten nicht nur, sondern vermehrten sich auch, indem sie alternative Energiewege und Biofilm-Schutz entwickelten."
date: 2026-11-06T17:20:04.795Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/irdische-bakterien-vermehren-sich-unter-marsbedingungen
tags: [mars, bacteria, extremophiles, space-research, university-of-florida, haloferax-volcanii, astrobiology]
author: "Alexander Buran"
publisher: "XAB.info"
---

# Irdische Bakterien vermehren sich unter Marsbedingungen: 180-Tage-Experiment wirft neues Licht auf die Bewohnbarkeit des Roten Planeten

![Wissenschaftler im Labor betrachten mikroskopische Bakterien auf einem Monitor unter simulierten Marsbedingungen](https://xab.info/media/2026/11/06/zemnye-bakterii-razmnozilis-v-usloviyakh-marsa-eksperiment-universiteta-floridy/zemnye-bakterii-razmnozilis-v-usloviyakh-marsa-eksperiment-universiteta-floridy-1.webp)

## Kernpunkte

- Haloferax volcanii-Bakterien überlebten in einem 180-Tage-Experiment nicht nur, sondern vermehrten sich unter marsähnlichen Umweltbedingungen
- Mikroben wechselten zu marsspezifischen Chemikalien statt Sauerstoff und schützten sich durch Biofilme vor Austrocknung
- Das Experiment wurde bei 21°C durchgeführt, während die Durchschnittstemperatur auf dem Mars bei ca. -60°C liegt, was eine zentrale Einschränkung darstellt
- Wissenschaftler bereiten eine neue Testreihe bei niedrigeren Temperaturen und Drücken vor

Ein Forscherteam der University of Florida unter der Leitung von Dr. Adam Robinson hat zusammen mit Kollegen des Naturhistorischen Museums von Los Angeles die Ergebnisse eines 180-tägigen Experiments veröffentlicht, das unsere Vorstellungen über die Bewohnbarkeit des Mars grundlegend verändern könnte. In hermetischen Kammern, die die extremen Faktoren des Roten Planeten nachbilden, haben salzliebende Bakterien der Art *Haloferax volcanii* nicht nur überlebt — sie begannen sich aktiv zu vermehren, wenn auch deutlich langsamer als unter natürlichen Bedingungen. Die Arbeit wurde auf dem Preprint-Server bioRxiv veröffentlicht und fand bereits Beachtung in internationalen wissenschaftlichen Medien, darunter New Scientist.

### Das Experiment: Alle Gefahrenfaktoren gleichzeitig

Der wesentliche Unterschied dieser Studie zu früheren Laborarbeiten liegt in der Methodik: Die Wissenschaftler schalteten alle Marsextreme gleichzeitig und nicht nacheinander ein. In der Natur kommen *Haloferax volcanii* in extrem salzhaltigen Gewässern vor — dem Toten Meer, dem Großen Salzsee in den USA und ähnlichen hypersalinen Umgebungen. Im Experiment wurden Mikroorganismenkulturen in versiegelte Kammern gegeben, die eine Kombination von Bedingungen nachbildeten, wie sie für die Marsumgebung typisch sind: hohe Salzkonzentration, spezifische chemische Zusammensetzung und Sauerstoffmangel im gewohnten Format irdischer Aerobier. Erst die gleichzeitige Einwirkung aller Faktoren lieferte ein realistischeres Bild davon, was mit Mikroben in den unterirdischen Schichten des Roten Planeten geschehen könnte.

### Wie sich Bakterien anpassten: Biofilme und alternative „Atmung“

Während der sechsmonatigen Beobachtung stellte sich heraus, dass die Mikroorganismen nicht nur lebensfähig blieben, sondern sich weiter teilten. Um Energie zu gewinnen, wechselten die Bakterien zur Nutzung marsspezifischer Chemikalien anstelle von Sauerstoff — sie nutzten also anaerobe Stoffwechselwege, die für Extremophile typisch sind. Um sich vor Austrocknung in einer Umgebung zu schützen, in der flüssiges Wasser schnell verdunstet, schlossen sich die Kolonien zu Biofilmen zusammen — dichten Zellansammlungen, die von einer schützenden Schleimschicht bedeckt sind. Nach 180 Tagen in der Extremkammer verloren die Kolonien praktisch kein inneres Wasser, was auf die hohe Effizienz dieser Überlebensstrategie hinweist.

### Einschränkungen: 21 Grad versus minus 60

Die Autoren der Studie betonen, dass die gewonnenen Ergebnisse keinen direkten Beweis für Leben auf dem Mars darstellen. Die Labortests wurden bei 21 Grad Celsius durchgeführt, während die Durchschnittstemperatur an der Oberfläche des Roten Planeten bei etwa minus 60 Grad liegt. Zudem modellierte das Experiment Bedingungen, die hypothetisch in flachen unterirdischen Salzwasserreservoirs existieren könnten — solchen, die noch nicht entdeckt wurden, deren Existenz aber nicht ausgeschlossen ist. Die Wissenschaftler merken zudem an, dass potenzielle marsianische Mikroorganismen, falls sie sich über Milliarden von Jahren auf dem Planeten entwickelt haben, eine deutlich höhere Resistenz gegen Extrembedingungen aufweisen müssten als die im Experiment verwendeten irdischen Pendants.

### Kontext: Von „Viking“ zu den unterirdischen Schichten

Das Interesse an der Möglichkeit von Leben auf dem Mars ist nicht neu. Bereits 1976 unternahm die amerikanische Sonde Viking 1 das erste direkte Experiment zur Suche nach außerirdischem Leben: Das Labeled Release-Instrument gab flüssige Nährstoffe mit einer radioaktiven Markierung in das Marsregolith und registrierte die Gasfreisetzung. Ursprünglich wurde das Ergebnis als Bestätigung biologischer Aktivität gewertet, doch spätere Analysen zeigten, dass die Reaktion rein chemischer Natur war. Lange Zeit kam die wissenschaftliche Gemeinschaft zu dem Schluss, dass die Marsoberfläche aufgrund von Trockenheit, intensiver ultravioletter Strahlung und niedrigem Luftdruck unbewohnbar ist. Jüngste Studien haben den Fokus jedoch von der Oberfläche auf die unterirdischen Schichten verlagert, wo sich rechnerisch Bedingungen erhalten haben könnten, die einen aktiven Stoffwechsel ermöglichen.

### Wie es weitergeht: Neue Tests bei extremer Kälte

Derzeit bereitet das Team der University de Florida eine neue Serie von Experimenten bei noch niedrigeren Temperaturen und Drücken vor, um die Laborbedingungen den realen Marsverhältnissen anzunähern. Sollten die Bakterien auch unter diesen Bedingungen ihre Vermehrungsfähigkeit behalten, wird das Argument, dass die unterirdische Schicht des Roten Planeten einen aktiven Stoffwechsel unterstützen kann, deutlich überzeugender. Für Mars-Erforschungsmissionen bedeutet dies, dass bei der Suche nach Lebensspuren nicht offene Oberflächenbereiche Priorität haben sollten, sondern Zonen, in denen unter einer Eiskruste oder in Salzablagerungen ein flüssiges Medium erhalten sein könnte.

## Faktencheck und Quellen

- [Жизнь может скрываться под поверхностью Марса: как земные микробы выдержали экстремальные условия](https://www.rbc.ua/ukr/news/zhittya-mozhe-hovatisya-pid-poverhneyu-marsa-1793977018.html) - Primärquelle: 180-Tage-Experiment, Haloferax volcanii, Biofilme, 21°C Temperatur, Vorbereitung neuer Tests
- [Есть ли жизнь на Марсе прямо сейчас? Земные экстремофилы доказали способность активно расти под ...](https://www.ixbt.com/live/science/est-li-zhizn-na-marse-pryamo-seychas-zemnye-ekstremofily-dokazali-sposobnost-aktivno-rasti-pod-poverhnostyu-marsa.html) - Bestätigt Viking-1-Kontext (1976), Fokusverlagerung auf unterirdische Schichten, Beteiligung des Natural History Museum of Los Angeles County
- [На Марсе прямо сейчас может существовать жизнь](https://charter97.org/ru/news/2026/8/11/694374/) - Bestätigt bioRxiv-Veröffentlichung, Berichterstattung im New Scientist, Hypothese unterirdischer Salzwasserreservoirs
- [На Марсе нашли лед, где может скрываться жизнь](https://charter97.org/ru/news/2026/10/2/700462/) - Zusätzlicher Kontext: Wassereis in der nördlichen Polarregion als potenzielle Umgebung für Mikroorganismen

## Häufige Fragen

### Haben Wissenschaftler Leben auf dem Mars nachgewiesen?

Nein. Die Autoren der Studie betonen ausdrücklich, dass die Ergebnisse kein direkter Beweis für Leben auf dem Mars sind. Das Experiment zeigte, dass irdische Extremophile in der Lage sind, unter Bedingungen zu überleben und sich zu vermehren, die hypothetisch in den unterirdischen Schichten des Planeten existieren könnten.

### Bei welcher Temperatur wurde das Experiment durchgeführt und wie verhält sich das zu echten Marsbedingungen?

Labortests wurden bei 21 Grad Celsius durchgeführt, während die Durchschnittstemperatur auf dem Mars bei etwa minus 60 Grad liegt. Dies ist eine wesentliche Einschränkung, die Wissenschaftler in einer neuen Testreihe bei niedrigeren Temperaturen und Drücken adressieren wollen.

### Warum ausgerechnet Haloferax volcanii?

Diese Bakterien leben von Natur aus in hypersalinen Gewässern — dem Toten Meer, dem Großen Salzsee und ähnlichen Umgebungen. Ihre Resistenz gegen extreme Salinität und ihre Fähigkeit zum anaeroben Stoffwechsel machen sie zu den nächstgelegenen irdischen Analoga hypothetischer marsianischer Mikroorganismen, die in salzigen unterirdischen Reservoirs leben könnten.

### Was ist neu an der Methodik im Vergleich zu früheren Experimenten?

Der Hauptunterschied liegt in der gleichzeitigen Anwendung aller gefährlichen Marsekto-Faktoren anstelle von Einzelbetrachtungen. Dies ermöglichte ein realistischeres Bild der kombinierten Umwelteinflüsse auf Mikroorganismen.