In Jerusalem wächst die Besorgnis: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte, dass das Land gezwungen sein könnte, sich dem Iran allein zu stellen – ohne Unterstützung der USA. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf The Jerusalem Post.

„Wir können ohne Amerika zuschlagen'

Am Dienstag gab Netanyahu in einer Sitzung des Sicherheitskabinetts zu: „Möglicherweise müssen wir ohne amerikanische Unterstützung zuschlagen, trotz aller damit verbundenen Kosten'. Nach seinen Worten strebt Israel ein solches Szenario nicht an, ist aber darauf vorbereitet.

Die Besorgnis wird durch die Haltung des US-Präsidenten Donald Trump ausgelöst, der, wie berichtet wird, eine israelische Antwort auf iranische Angriffe nicht direkt abgelehnt hat, aber die Notwendigkeit einer „abgewogenen Reaktion' betont hat. In einem Telefonat teilte Trump Netanyahu zudem mit, dass Washington „nahe an einer Einigung' mit Teheran im Rahmen eines Friedensabkommens sei.

Der Schlag gegen den Iran wurde bereits geführt – aber das Ausmaß wurde reduziert

Noch am selben Abend führte die israelische Armee (Tzahal) Angriffe auf mehrere iranische Ziele durch: Radarsysteme, Flugabwehrbatterien, Rüstungsproduktionsstätten und ein Petrochemie-Werk. Dies war eine Antwort auf den Raketenbeschuss des Nordens Israels.

Ursprünglich war jedoch eine weit größere Operation geplant – mit Beteiligung von rund 50 Flugzeugen. Nach dem Gespräch zwischen Trump und Netanyahu wurde das Ausmaß erheblich reduziert. Grund dafür war die Aussage des US-Präsidenten, dass Teheran eine Nachricht über eine Waffenruhe gesendet habe, sowie seine offensichtliche Ablehnung eines großangelegten Angriffs.

Diplomatie versus Sicherheit

Washington erwartet bereits Anfang der Woche Fortschritte in den Verhandlungen mit dem Iran. Trump erklärte Journalisten, dass das Abkommen „innerhalb der nächsten zwei bis drei Tage' unterzeichnet werden könnte, obwohl er enttäuscht sei, keinen direkten Kontakt zum obersten Führer des Irans, Mojtaba Chamenei, herstellen zu können.

In Israel herrscht hingegen Skepsis. Bei einer sonntäglichen Kabinettssitzung erklärte der Chef des Generalstabs der Israelischen Verteidigungskräfte, Eyal Zamir: Die Militärs betrachten praktisch jedes Abkommen mit Teheran als schlecht.

Warnung aus dem Weißen Haus

US-Vizepräsident JD Vance betonte in einem Interview mit Fox News: Israel mag das Abkommen selbst mögen, aber nicht, dass es den Interessen Washingtons entspricht. Und im Telefonat warnte Trump Netanyahu direkt: Wenn die Angriffe Jerusalems zu einem Vollkrieg eskalieren, könnte Israel allein gegen die Iraner stehen bleiben.

Daher steht Israel vor einer schwierigen Entscheidung: innerhalb der diplomatischen Beschränkungen der USA handeln oder eigenständige Schritte unternehmen und das Risiko der Isolation eingehen. Die Entscheidung, die in Jerusalem getroffen wird, könnte den Verlauf der regionalen Politik für Jahre bestimmen.