Im Gazastreifen hat erneut eine gewaltige Explosion die Kräfteverhältnisse in der Führung von Hamas verändert. Bei einem präzisen Luftschlag der israelischen Luftwaffe am Dienstag, dem 26. Mai, wurde Mohammed Odeh getötet – einer der wichtigsten Kommandeure des militärischen Flügels der Gruppe und laut IDF einer der Hauptarchitekten der tragischen Ereignisse vom 7. Oktober.

Angriff zur Stoßzeit

Der Angriff ereignete sich im Herzen der Stadt Gaza, in einem Gebiet, das zu diesem Zeitpunkt von Menschen überfüllt war. Am Vorabend des muslimischen Festes Eid al-Adha waren die Straßen voller Einwohner, die sich auf das Fest vorbereiteten. Nach Augenzeugenberichten trafen fast gleichzeitig mindestens fünf Raketen das Gebäude „Al-Qayali“. Der Treffer traf die oberen Etagen, wo sich laut Geheimdienstinformationen Odehs Versteck befand.

Die Situation verschlimmerte sich dadurch, dass Rettungskräfte lange Zeit nicht zum Katastrophengebiet vordringen konnten, wegen der massiven Zerstörungen und dichten Staus. Dabei kamen mindestens drei Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Zu den Toten gehörten, nach Angaben von Angehörigen und lokalen Quellen, die Ehefrau und der erwachsene Sohn des Kommandanten, der später im Krankenhaus starb.

Methodische Jagd

Israelische Militärs und der Sicherheitsdienst „Schin Bet“ bestätigten, dass sie die Bewegungen Odehs seit mehreren Monaten überwachten. „Odeh war für die Ermordung, Entführung und Verletzung vieler israelischer Bürger und IDF-Soldaten verantwortlich“, so die Israelischen Verteidigungskräfte. Dies ist bereits die zweite Liquidierung dieser Art in den letzten zwei Wochen: zuvor wurde auf ähnliche Weise sein Vorgänger, Izz ad-Din al-Haddad, getötet.

Im Rahmen derselben Operation wurde auch ein benachbartes Haus angegriffen, das einem weiteren hochrangigen Hamas-Mitglied gehörte, das an dem Angriff von 2023 beteiligt war. Die Gruppe hat den Tod Odehs offiziell nicht bestätigt, doch die tatsächlichen Daten und Zeugenaussagen aus dem Inneren deuten auf das Gegenteil hin.

Der Preis der Zerstörung

Während am Boden weiterhin gezielte Schläge stattfinden, wird in Washington eine neue Strategie entwickelt. Der Friedensrat unter Präsident Trump bereitet einen 15-Punkte-Plan vor, der auf die vollständige Entwaffnung der Hamas abzielt. Im Weißen Haus ist man überzeugt: Ohne diese Bedingung ist eine Wiederherstellung des Gazastreifens unmöglich.

Allerdings ist das Ausmaß der Zerstörung erschreckend. Laut Schätzungen der EU, der UNO und der Weltbank werden mindestens 71,4 Milliarden Dollar benötigt, um die Infrastruktur in Gaza wiederherzustellen. Der Prozess wird mindestens zehn Jahre dauern – und das nur unter der Voraussetzung, dass die Kampfhandlungen eingestellt werden.