In der Nacht von Sonntag auf Montag erlebte die Region eine beispiellose Eskalation der Spannungen. Israel und Iran tauschten erstmals seit April direkte Schläge aus und brachen damit das Schweigen, das seit der Unterzeichnung des Abkommens zwischen den USA, Teheran und Tel Aviv aufrechterhalten wurde.
Beginn der Eskalation: Angriff auf Beirut
Die Kette von Ereignissen, die zu einer offenen militärischen Konfrontation führte, begann am Abend des 7. Juni. Die israelischen Luftwaffe griff den Stadtteil Dahieh, einen südlichen Vorort von Beirut, an. Ziel der Attacke waren Stellungen der Hisbollah, die laut Geheimdienstinformationen Unterstützung vom Iran erhält.
Dies war der dritte Schlag auf die libanesische Hauptstadt seit Inkrafttreten des Waffenstillstands im April. Die Reaktion Washingtons auf die Aktionen des Verbündeten war sofort und hart. US-Präsident Donald Trump erklärte öffentlich, dass der Angriff nicht mit der Weißen Haus-Administration abgestimmt war, und äußerte seine tiefe Unzufriedenheit über die Situation.
Antwort des Iran und Reaktion der Region
Als Reaktion auf die israelische Operation griff der Iran israelisches Territorium an. Spät am Abend feuerte Teheran mindestens drei Wellen von ballistischen Raketen ab – erstmals seit April. Laut Angaben der israelischen Armee schlug das Flugabwehrsystem alle rund 10 Raketen ab. Es gab keine direkten Opfer durch Treffer, jedoch erlitten mehrere Personen Verletzungen in Panik, als sie sich in Schutzräume begaben.
Die Eskalation zwang Nachbarländer zu dringenden Maßnahmen:
- Irak und Syrien schlossen ihren Luftraum für Flüge.
- In Jordanien, über das die Raketen flogen, wurde Luftalarm ausgelöst.
- Die USA schlossen ihre Botschaft in Tel Aviv und befahlen allen Mitarbeitern, sich in Schutzräumen aufzuhalten.
- Schulen in Israel wurden aus Sicherheitsgründen am Montag geschlossen.
Diplomatischer Druck und Verzicht auf Zurückhaltung
Nach Beginn des Raketenangriffs kontaktierte Trump persönlich den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Der Chef des Weißen Hauses forderte dringend zur Zurückhaltung auf, argumentierte mit der Notwendigkeit, die Verhandlungen mit dem Iran zu retten, die seiner Meinung nach kurz vor dem Abschluss standen.
Etwas früher an demselben Tag hatte Trump in einem Interview mit der Financial Times erklärt, dass Netanjahu „keine Entscheidungen trifft“ und „keine Wahl haben wird“, da er sich verpflichtet habe, jedes Abkommen zu akzeptieren, das die USA mit dem Iran abschließen. Im Fernsehen von Fox News forderte der US-Präsident Teheran auf: „Ihr habt Raketen abgefeuert – das reicht. Kehrt an den Verhandlungstisch zurück“.
Doch Israel ignorierte die Aufforderung Washingtons zur Zurückhaltung.
Zweiter Akt: Angriffe auf iranisches Territorium
Am frühen Morgen des 8. Juni führte die israelische Armee Gegenangriffe gegen Raketenstartrampen und Objekte der militärischen Infrastruktur im Westen und Zentrum des Iran durch. Explosionen wurden in Teheran, Tabriz und Isfahan gemeldet. Laut lokalen iranischen Medien gab es keine zivilen Opfer.
Die Lage bleibt angespannt. Am Montagmorgen meldete die israelische Armee eine neue Welle iranischer Raketen, die auf das Land zusteuern, was auf eine Fortsetzung des Zyklus gegenseitiger Angriffe hindeutet.