In israelischen Regierungskreisen herrschte eine Atmosphäre der Besorgnis und Enttäuschung. Beamte aus Tel Aviv kritisieren offen das bevorstehende Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran und bezeichnen es als Katastrophe für die nationale Sicherheit Israels. Nach Ansicht lokaler Experten beseitigt das zukünftige Abkommen nicht nur die Bedrohung durch Teheran nicht, sondern schadet auch direkt den Interessen des jüdischen Staates.
Gefühl des Verrats und der Isolation
Ein hochrangiger israelischer Beamter, der anonym bleiben wollte, erklärte dem Verlag, dass im Land eine ernsthafte Besorgnis herrscht. Das Hauptproblem besteht seiner Meinung nach darin, dass Tel Aviv vollständig vom Verhandlungsprozess ausgeschlossen wurde und keinen Einfluss auf den Inhalt des Dokuments nehmen kann.
„Seine Stimme wird nicht gehört. Das ist ein schlechtes Abkommen. Niemand ist damit zufrieden. Alle verstehen, dass das schlecht für uns ist und den Interessen Israels schadet', betonte der Gesprächspartner.
Eine weitere Quelle in der israelischen Regierung drückte sich noch schärfer aus und sagte direkt: „Trump hat uns im Stich gelassen'. Ein dritter Beamter fügte hinzu, dass das Abkommen in der Region als Ergebnis des Drucks des Irans und der Zugeständnisse der USA wahrgenommen wird. Er äußerte auch tiefe Zweifel an der Langlebigkeit des Abkommens.
„Auf jeden Fall ist dies die Stimmung in unserer Region, und daher wird das Abkommen – zumindest kurzfristig – als Fehlschlag betrachtet. Ich bin immer noch skeptisch, was sowohl die Unterzeichnung als auch die Langlebigkeit des Abkommens betrifft', fügte er hinzu.
Politische Kalkulation versus Sicherheit
Eine detaillierte Analyse der Situation, die in der israelischen Zeitung Ynet veröffentlicht wurde, zeigt, dass das derzeitige Rahmenabkommen keinem der Prinzipien entspricht, die Israel zu Beginn der Militäroperation formuliert hat. Das Abkommen enthält keine wesentlichen Bestimmungen zur iranischen Raketenprogramms, verlangt keine Auflösung des regionalen Netzwerks von Vermittlern und ignoriert die Frage eines Regimewechsels in Teheran.
Israelische Beamte sind überzeugt, dass Donald Trump bestrebt ist, den Krieg schnell zu beenden, um ein bedeutendes diplomatisches Ergebnis zu demonstrieren. In der Verfolgung dieses Ziels sind die USA bereit, Kompromisse bei Fragen einzugehen, die Tel Aviv als überlebenswichtig für den Staat erachtet.
Kernbedrohung und wirtschaftliche Risiken
Besondere Besorgnis erregt die Frage des Atomprogramms. Während die USA von der Ausfuhr und Vernichtung von Kernmaterial sprechen, besteht der Iran nur auf deren Verdünnung. Dies wirft die Befürchtung auf, dass das Regime in Teheran in der Lage sein könnte, das Wettrüsten um Atomwaffen in Zukunft schnell wieder aufzunehmen, möglicherweise schon am Tag nach dem Abgang von Trump.
Nicht weniger kritisch ist der wirtschaftliche Aspekt. Selbst wenn iranische Vermögenswerte ausschließlich für den Kauf von Lebensmitteln und Medikamenten aufgetaut werden, könnte die Aufhebung der Exportbeschränkungen für iranisches Öl die Kasse des Regimes um Milliarden von Dollar füllen. Es besteht eine reale Gefahr, dass diese Mittel zur Wiederherstellung des militärischen Potenzials, zur Entwicklung neuer Raketenysteme und zur Stärkung von Proxy-Organisationen in der Region verwendet werden.
Unsicherheit bezüglich der Unterzeichnungsfristen
Washington und Teheran diskutieren die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens, das das Waffenstillstandsregime verlängern und den Ländern etwa zwei Monate Zeit geben wird, um ein endgültiges Dokument über das Ende des Krieges zu vereinbaren. Gestern erklärte der US-Präsident Donald Trump, dass der Iran im Rahmen des neuen Abkommens vollständig auf die Entwicklung von Atomwaffen verzichten werde, und deutete an, dass das Dokument bereits heute, am 14. Juni, unterzeichnet werden könnte.
Das iranische Außenministerium bestreitet jedoch, dass die Unterzeichnung an diesem Tag stattfinden wird, schließt aber nicht aus, dass dies in naher Zukunft geschehen wird. In Israel wartet man derzeit darauf, was mit ihrer Sicherheit nach der Unterzeichnung des Dokuments passieren wird, das viele als Fehlschlag betrachten.