Am Dienstag, dem 27. Oktober 2026, fanden in Israel reguläre Parlamentswahlen statt. Zum Zeitpunkt der abendlichen Auszählung stehen die endgültigen Wahlergebnisse noch nicht fest, doch es wurde bereits ein Schlüsselwert registriert, den Analysten als historisch bezeichnen: Die Wahlbeteiligung erreichte ein 27-Jahres-Hoch. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf Daten von The Times of Israel und der israelischen Zentralen Wahlkommission (ZWK).

Rekordwahlbeteiligung: 77,7% gegenüber 70,6% im Jahr 2022

Nach Angaben der israelischen Zentralen Wahlkommission betrug die Wahlbeteiligung um 22:00 Uhr Ortszeit 77,7%. Zum Vergleich: Zum gleichen Zeitpunkt der Auszählung bei den Wahlen 2022 lag der Wert bei 70,6%. Damit übertrifft die aktuelle Beteiligung nicht nur die des Vorjahres – sie ist der höchste Wert zum Zeitpunkt der Wahllokalschließungen seit 1999. Dies bedeutet, dass die israelische Wählerschaft ein stetiges Wachstum der politischen Aktivität verzeichnet, was an sich einen spürbaren Wandel in einem Land darstellt, in dem die Wahlbeteiligung im letzten Jahrzehnt stabil im Bereich von 60–70% lag.

Warum die Zahlen noch steigen könnten

The Times of Israel betont, dass die registrierten 77,7% praktisch endgültig, aber nicht absolut sind. Gemäß dem israelischen Wahlrecht schließen die Wahllokale um 22:00 Uhr, jedoch wird die Stimmabgabe in den Lokalen, in denen zum Schließungszeitpunkt noch Schlangen standen, so lange fortgesetzt, bis alle wartenden Wähler ihre Stimme abgegeben haben. Das bedeutet, dass einige Bürger nach der formellen Schließung abgestimmt haben und die endgültige Beteiligung nach Abschluss der Auszählung etwas höher als 77,7% ausfallen könnte. Dennoch steht die Größenordnung der Zahlen fest: Es handelt sich um einen Rekord, der seit fast drei Jahrzehnten nicht gebrochen wurde.

Nachwahlbefragungen: Eisenkots Opposition liegt um zwei Sitze vorn

Aktualisierten Daten mehrerer Exit Polls zufolge erhält der Oppositionsblock unter der Führung von Gadi Eisenkot 52 Sitze in der neuen Knesset mit insgesamt 120 Sitzen. Der regierungsnahe Block unter der Führung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu errang denselben Daten zufolge 50 Sitze. Zwei Parteien der israelischen Araber, die traditionell nie Regierungskoalitionen eingehen, erhalten zusammen 18 Sitze. Die Summe dieser drei Blöcke (52 + 50 + 18) ergibt 120 Mandate und deckt damit die Zusammensetzung der neuen Knesset vollständig ab.

Netanjahus Chancen: Mehr Stimmen – mehr Hebel

Gleichzeitig verzeichnen die Exit Polls ein wichtiges Detail: Netanjahus Likud-Partei erhält für sich genommen etwas mehr Stimmen als Eisenkots Jaschar-Partei. Dies gibt dem amtierenden Premierminister ein Argument an die Hand, den Auftrag zur Regierungsbildung zu beanspruchen, der nach israelischem Recht üblicherweise dem Führer der stimmenstärksten Partei erteilt wird. Wie Beobachter jedoch anmerken, dürfte die Bildung einer stabilen Mehrheit in der neuen Knesset unwahrscheinlich sein, sollten die Wahlergebnisse tatsächlich den Exit Polls entsprechen: Keiner der beiden Hauptblöcke verfügt über die für eine Regierungsbildung erforderlichen 61 Sitze.

Die offizielle Auszählung beginnt erst

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung sind die offiziellen Wahlergebnisse noch nicht veröffentlicht: Auf der Website der israelischen Zentralen Wahlkommission gibt es noch keine Daten zur Sitzverteilung. Die offizielle Auszählung der Stimmen hat gerade erst begonnen, und die endgültigen Zahlen können von den Exit Polls abweichen. Daher wird sich in den kommenden Tagen entscheiden, wer genau die Regierungsbildung anleitet und ob es gelingt, in der neuen Knesset eine arbeitsfähige Mehrheit zusammenzubringen.