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title: "«In Israel finden Wahlen in den Pausen zwischen dem Alarm statt»: Israels Vizebotschafterin in der Ukraine über die Koalitionskrise, Bestechung und Parallelen zu Kiew"
description: "Die stellvertretende israelische Botschafterin in der Ukraine, Mila Tsur, erklärte in einem Interview mit RBC-Ukraine, warum Tel Aviv unter Konfliktbedingungen Wahlen abhalten kann, Kiew hingegen noch nicht, und betonte, dass eine Operation gegen den Iran von der Sicherheit und nicht von der Koalitionskrise abhängt."
date: 2026-10-30T10:54:45.309Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/israel-wahlen-koalition-interview-vizebotschafterin-mila-tsur
tags: [israel, elections, netanyahu, coalition, ukraine, iran, diplomacy, mila-tsur]
author: "Marina Sliwenko"
publisher: "XAB.info"
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# «In Israel finden Wahlen in den Pausen zwischen dem Alarm statt»: Israels Vizebotschafterin in der Ukraine über die Koalitionskrise, Bestechung und Parallelen zu Kiew

![Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu vor dem Hintergrund der israelischen Flagge und Militärcollagen](https://xab.info/media/2026/10/30/izrail-vybory-koalitsiya-intervyu-zamposla-mila-tsur/izrail-vybory-koalitsiya-intervyu-zamposla-mila-tsur-1.webp)

## Kernpunkte

- Weder Netanjahus Block noch die zionistische Opposition errangen eine Mehrheit in der Knesset; eine langwierige Koalitionskrise steht bevor
- Israels Vizebotschafterin Mila Tsur erklärte den Unterschied zur Ukraine: Israel hat Pausen in den Kämpfen und die meisten Flüchtlinge sind zurückgekehrt
- Die Untersuchung zur ausländisch finanzierten Bestechung arabischer Wähler wird das Ergebnis laut der Diplomatin nicht beeinflussen
- Eine Operation gegen den Iran hänge von der Sicherheit und nicht von den Wahlergebnissen ab, so Tsur
- Israel plant keine Vermittlung bei den Friedensverhandlungen bezüglich der Ukraine

Die Ergebnisse der israelischen Parlamentswahlen vom Oktober 2026 gaben keinem der großen politischen Lager die Möglichkeit, eine Mehrheit in der Knesset zu bilden. Weder der Block um den amtierenden Premierminister Benjamin Netanjahu noch die vereinte zionistische Opposition überschritten die erforderliche Stimmhürde. Es steht ein langwieriger Koalitionsverhandlungsprozess bevor, der nach Einschätzung von Beobachtern entweder in der Bildung einer brüchigen Regierung oder in der Ansetzung von Neuwahlen enden könnte. Vor diesem Hintergrund äußerte sich die stellvertretende israelische Botschafterin in der Ukraine, Mila Tsur, in einem Interview mit RBC-Ukraine zu den Wahlergebnissen, den regionalen Sicherheitsperspektiven und dem Stand der bilateralen Beziehungen zu Kiew.

### Warum Israel wählen kann, die Ukraine aber noch nicht

Im ukrainischen öffentlichen Diskurs wird Israel oft als Beispiel für einen Staat genannt, der trotz permanenter externer Bedrohungen und aktiver Kampfhandlungen die Fähigkeit bewahrt, demokratische Verfahren durchzuführen. Mila Tsur räumte ein, dass die Parallelen verständlich seien, wies jedoch auf einen wesentlichen Unterschied in der Konfliktintensität hin. «In Israel ist sie normalerweise sehr hoch, aber von kurzer Dauer, gefolgt von langen Perioden ruhigerer Zeiten. Selbst jetzt befinden wir uns formal in einem gewissen Kriegszustand mit dem Iran und anderen, aber Wahlen können normal abgehalten werden, weil es gerade ruhig ist. Es gibt keine täglichen Alarme und Warnungen», erklärte die Diplomatin. Ihrer Ansicht nach ist die Situation in der Ukraine grundlegend anders: Der Krieg hat einen kontinuierlichen Charakter, und das Ausmaß der Binnenvertriebenen macht eine Stimmabgabe an der Frontlinie und in den besetzten Gebieten unmöglich. In Israel hingegen sind die meisten Bürger, die ihre Häuser nach dem 7. Oktober 2023 verlassen hatten, bereits in ihre Gemeinden zurückgekehrt; eine Ausnahme bilden lediglich kleine Grenzortschaften, deren Bewohner noch immer vertrieben sind, wobei die Wahlkommission für sie jedoch ein eigenes Abstimmungsverfahren eingerichtet hat.

### Koalitionskrise ohne Bedrohung durch systemische Instabilität

Auf die Frage nach den Risiken einer langwierigen Periode ohne gebildete Regierung betonte Tsur, dass in Israel ein stabiler Mechanismus zur Machtübergabe etabliert ist: Solange keine neue Regierung bestätigt ist, leiten das amtierende Kabinett und der geschäftsführende Premierminister die alltäglichen Geschäfte des Landes weiter. «Für Israel sind solche langwierigen Koalitionsverhandlungen nichts Neues, und wir müssen nicht erst lernen, wie man damit umgeht», erklärte die Vizebotschafterin. Sie fügte hinzu, dass mehrere aufeinanderfolgende Wahlzyklen ebenfalls keine Neuheit für das israelische politische System seien und dies letztlich bereits zur Bildung einer recht stabilen Regierung geführt habe, die eine volle Amtszeit absolvierte. Gleichzeitig räumte die Diplomatin ein, dass Wiederholungswahlen wirtschaftliche Kosten verursachen — am Wahltag wird in Israel ein Feiertag ausgerufen, um die Wahlbeteiligung zu stimulieren —, und äußerte die Hoffnung, dass das Land einen neuen Zyklus vermeiden kann.

### Wählerbestechung und der ausländische Faktor

Während des Interviews wurde die Frage der Untersuchung über eine mögliche Bestechung arabischer Wähler mit ausländischen Geldern angesprochen, in die die Türkei und Katar verwickelt sind. Laut Tsur gibt diese Untersuchung den Behörden Grund zur Besorgnis, sie ist nach ihrer Einschätzung jedoch nicht in der Lage, das finale Wahlergebnis zu beeinflussen. Die Diplomatin nannte keine konkreten Zahlen oder Details des Falles und beschränkte sich auf die Feststellung, dass der Prozess im Gange ist und das allgemeine Bild der Stimmabgabe nicht verändert.

### Operation gegen den Iran: Sicherheit geht vor Kalender

Als Antwort auf die Frage, ob die Wahlergebnisse und die Phase der Koalitionskrise die Entscheidung über eine neue Militäroperation gegen den Iran beeinflussen könnten, trennte Mila Tsur diese Ebenen klar voneinander: «Eine Operation gegen den Iran hängt von der Sicherheit ab, nicht von Wahlen.» Ihrer Ansicht nach ist eine Schwächung des iranischen Regimes objektiv von Vorteil für die Ukraine, da Teheran einer der Lieferanten von Technologie und Waffen für Russland ist. Somit verknüpfte die Diplomatin die regionale Sicherheit im Nahen Osten mit den Interessen Kiews, ohne sich in Details möglicher Szenarien zu vertiefen.

### Beziehungen zur Ukraine: Partnerschaft ohne Vermittlung

Die Vizebotschafterin wies darauf hin, dass die bilateralen Beziehungen zwischen Israel und Ukraine weiter gestärkt werden: Tel Aviv leistet Hilfe beim Bau von Schutzräumen und bei der Entwicklung der Energieinfrastruktur. Auf die Frage nach einer möglichen Rolle Israels als Vermittler bei Friedensverhandlungen erklärte Tsur gleichzeitig, dass Israel nicht plane, eine solche Funktion zu übernehmen. Im Kontext der Erörterung des Besuchs von Wolodymyr Selenskyj in Israel betonte die Diplomatin, dass die Kontakte auf höchster Ebene fortgesetzt werden, das Format der Interaktion jedoch bilateral bleibt und kein Mandat zur allgemeinen Konfliktregelung übernimmt.

## Faktencheck und Quellen

- [Повлияют ли выборы в Израиле на начало новой войны с Ираном: блиц с зампосла Милой Цур](https://www.rbc.ua/ukr/news/chi-vibori-izrayili-vplinut-pochatok-novoyi-1793356701.html) - Primärquelle: Interview mit der stellvertretenden israelischen Botschafterin in der Ukraine, Mila Tsur. Enthält direkte Zitate zu allen Themenblöcken des Artikels. Wahlergebnisse (Fehlen einer Mehrheit) werden im Vorspann der Quelle genannt.

## Häufige Fragen

### Warum kann die Ukraine nach Ansicht der israelischen Vizebotschafterin noch keine Wahlen abhalten, Israel aber schon?

Mila Tsur begründete dies mit dem Unterschied in der Konfliktintensität: In Israel werden Phasen aktiver Kampfhandlungen durch lange Pausen ohne tägliche Alarme abgelöst, und die meisten vertriebenen Bürger sind bereits in ihre Häuser zurückgekehrt. In der Ukraine ist der Krieg kontinuierlich, das Ausmaß der Vertreibung ist viel größer und eine Stimmabgabe an der Front sowie in den besetzten Gebieten ist unmöglich.

### Wird die Untersuchung zur Wählerbestechung die Wahlergebnisse in Israel beeinflussen?

Nach Einschätzung von Mila Tsur bereitet die Untersuchung über eine mögliche Bestechung arabischer Wähler mit ausländischen Geldern den Behörden Sorge, wird jedoch keinen Einfluss auf die Wahlergebnisse haben.

### Hängt die Entscheidung über eine Operation gegen den Iran von den Wahlergebnissen ab?

Nein, erklärte Tsur: Eine Operation gegen den Iran hängt von der Sicherheit ab, nicht von Wahlen. Sie wies zudem darauf hin, dass eine Schwächung des Irans aufgrund von Teherans Unterstützung für Russland vorteilhaft für die Ukraine ist.

### Wird Israel als Vermittler bei Friedensverhandlungen über die Ukraine auftreten?

Nein, Israel plant nicht, die Rolle des Vermittlers bei Friedensgesprächen zu übernehmen, erklärte die Vizebotschafterin. Gleichzeitig vertiefen sich die bilateralen Beziehungen: Tel Aviv unterstützt Kiew in den Bereichen Schutzräume und Energie.