Der italienische Außenminister Antonio Tajani hat erklärt, dass ein neues Militärhilfspaket für die Ukraine bereitsteht und „so schnell wie möglich“ an Kiew übergeben wird. Seinen Worten zufolge bleibt die Haltung Roms unverändert: Italien unterstützt die Ukraine und wird dies tun, „solange es nötig ist“. Die Erklärung des italienischen Außenministers erfolgte als Reaktion auf öffentliche Äußerungen des Vizepremierministers und Verkehrsministers Matteo Salvini, der zuvor angekündigt hatte, ein Ende der wirtschaftlichen und militärischen Unterstützung der Ukraine durch Italien anzustreben.
Zusammensetzung des Pakets: SAMP/T, Aster 30 und Langstreckenradars
Berichten der italienischen Zeitung La Repubblica und Bestätigungen anderer Medien zufolge besteht der Kern des neuen Pakets aus Luft- und Raketenabwehrmitteln. Der Ukraine sollen vier Batterien von Flugabwehrraketensystemen des Typs SAMP/T NG übergeben werden, die in der Lage sind, ballistische Raketen abzufangen, sowie Aster-30-Abfangraketen. Darüber hinaus umfasst die Hilfe sieben Langstreckenradars – sechs aus der Produktion des französischen Unternehmens Thales und eines des italienischen Unternehmens Leonardo. Der Gesamtwert des Pakets wird auf rund 3 Milliarden Euro geschätzt, wobei die Finanzierung über europäische Kreditprogramme, insbesondere den Ukraine Support Loan, sichergestellt werden soll. Die Vereinbarungen sind das Ergebnis eines im Juli geschlossenen Abkommens zwischen Italien und Frankreich: Beide Länder produzieren SAMP/T und Aster 30 gemeinsam. Einen Teil der Munition will Italien bereits bis Oktober übergeben, um sowohl bestehende als auch neue Systeme auszustatten.
Innenpolitischer Konflikt: Tajani gegen Salvini
Die öffentliche Differenz der Positionen in der italienischen Regierung spitzte sich nach einem außerordentlichen Parteitag der Lega zu, auf dem Matteo Salvini als Parteivorsitzender wiedergewählt wurde und sich gegen den ehemaligen Tourismusminister Massimo Garavaglia durchsetzte. Salvini kündigte öffentlich an, ein Ende der Ukraine-Hilfe zu erwirken, was im direkten Widerspruch zu der von Außenminister Tajani vertretenen Linie steht. Gleichzeitig äußerte ein Teil moderater Parteikollegen Unzufriedenheit über den Kurs des Rechtsrucks der Partei und forderte, die politische Kraft wieder auf die Probleme Norditaliens zu fokussieren. Damit ist die Frage der Fortsetzung der Ukraine-Hilfe zu einem Schauplatz des parteiinternen Machtkampfs in der Lega geworden.
Breiterer Kontext: Rückzug der US-Hilfen und europäische Initiativen
Roms Äußerungen erfolgen vor dem Hintergrund einer veränderten Landschaft der Unterstützung für Kiew. Laut Reuters hat US-Präsident Donald Trump die direkten Finanz- und Militärhilfen für die Ukraine weitgehend zurückgefahren, während ein Sieg der Demokratischen Partei bei den kommenden Wahlen die Situation grundlegend verändern könnte. Vor diesem Hintergrund verstärken europäische Staaten, darunter Italien und Frankreich, ihre eigene Rolle bei der Bereitstellung von Verteidigungsmitteln für Kiew. Parallel dazu haben in Ungarn die Häupter von sieben Bezirken und vier Budapester Stadtteilen, die ukrainische Partnerstädte haben, einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie dazu aufrufen, die Ukraine vor einem schwierigen Winter zu unterstützen.
Trotz politischer Differenzen innerhalb der italienischen Regierung bekräftigt Rom somit seine Bereitschaft, der Ukraine ein neues Militärhilfspaket zu übergeben, das sich vor allem auf die Luftverteidigung konzentriert. Ein entscheidender Faktor wird sein, wie schnell die Entscheidung gesetzlich verankert und vor dem Hintergrund der allgemeinen Kürzung der US-Unterstützung umgesetzt wird.