Die Verhandlungen der Europäischen Union über das 21. Sanktionspaket gegen Russland sind mit einer schweren internen Krise konfrontiert. Die Mitgliedstaaten können sich über Schlüsselpunkte nicht einigen, darunter die Einführung von Beschränkungen gegen den Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill, und die Verschärfung der Kontrollen über die russische Flotte.
Das Problem mit dem Patriarchen: Die Position Roms und Bulgariens
Wie drei EU-Diplomaten bestätigen, hat sich Italien offiziell Bulgarien angeschlossen, um Bedenken hinsichtlich der Pläne für Sanktionen gegen Patriarch Kirill zu äußern. Zuvor hatte die Leiterin des diplomatischen Ressorts der EU, Kaja Kallas, vorgeschlagen, ein Visumverbot für den russischen religiösen Führer in das Paket aufzunehmen, den sie als „Gehilfen“ Wladimir Putins bezeichnet.
Der Vatikan ist jedoch kategorisch gegen einen solchen Schritt. Laut Quellen gehen die Bedenken der italienischen Seite direkt vom Vatikan aus. Der Vatikan äußert ernste Besorgnis über die Einführung von Sanktionen gegen den Führer einer der größten christlichen Konfessionen der Welt, obwohl der Patriarch die umfassende Invasion in der Ukraine wiederholt unterstützt und gerechtfertigt hat.
Bulgarien ist seinerseits bereit, ein Veto gegen das gesamte neue Sanktionspaket einzulegen, falls der Punkt über Beschränkungen für den Patriarchen angenommen wird. Gleichzeitig ändert sich die Situation in Ungarn: Die neue Regierung des Landes hat die Unterstützung für Sanktionen gegen Kirill erklärt, im Gegensatz zum ehemaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der sich zuvor für dessen Schutz eingesetzt hatte.
Uneinigkeit über das Ölpreisdeckel und die Flotte
Neben der religiösen Frage diskutieren die EU-Diplomaten den Vorschlag, das Preisdeckel für russisches Öl auf dem aktuellen Niveau von 44 Dollar pro Barrel einzufrieren. Auch hier sind jedoch ernsthafte Uneinigkeiten entstanden.
Gegen diesen Schritt wenden sich Griechenland, Malta und Zypern. Diese Länder verfügen über einen bedeutenden Schifffahrtssektor, der aktiv russische Schiffe bedient. Zuvor hatten Griechenland und Malta bereits Vorschläge für ein Verbot der Erbringung von Seeverkehrsdiensten für russische Schiffe abgelehnt, aus Angst vor negativen Auswirkungen auf ihre eigene Wirtschaft.
Die Frage der Kombattanten
Ein weiterer Streitpunkt war der Vorschlag, den Einreiseverbot für ehemalige russische Kombattanten in die EU zu verbieten. Laut Diplomaten haben Frankreich und Italien Bedenken bezüglich dieses Punktes geäußert, was erneut die einstimmige Annahme des Maßnahmenpakets gefährdet.