Laut einer aktuellen Studie der Firma mUp Research sind die Hauptwerkzeuge der italienischen Betrüger gefälschte Callcenter und Phishing-E-Mails, in denen die Namen der Opfer direkt genannt werden. Ziel des Angriffs ist es, persönliche Daten zu stehlen, Geld von Konten abzubuchen oder die Geschädigten dazu zu zwingen, Mittel selbst zu überweisen. Als Vorwand geben die Täter angebliche „Vertragsverletzungen“ an, etwa überfällige Zahlungen für Nebenkosten, und erzeugen beim Gesprächspartner ein Gefühl der Dringlichkeit und die Notwendigkeit, sofort zu handeln.
Betrugsmethoden: von Anrufen bis zu Messenger-Diensten
Am häufigsten geben sich die Betrüger als Mitarbeiter von Strom- oder Gasversorgungsunternehmen aus. Sie setzen die Opfer mit Androhungen eines sofortigen Serviceabschaltens unter Druck und verschicken gefälschte Nachrichten über beliebte Apps – Zalo, WhatsApp – sowie per SMS. Infolgedessen leisten die Geschädigten Zahlungen über inoffizielle Kanäle, die de facto in die Taschen der Betrüger fließen, oder geben persönliche Informationen preis. Ein weiterer Zweig der Masche ist mit Händlern verbunden, die Waren mit Lieferung nach Hause anbieten, sowie mit Personen, die sich als große Anbieter wie Enel Energia ausgeben: Kunden werden durch Täuschung dazu gebracht, Verträge über „günstige“, aber betrügerische Strom- oder Gaslieferungen zu unterschreiben, wobei die Täter echtes Geld erhalten.
Wer ist in der Risikogruppe
Bemerkenswert ist, dass die Menschen im Alter von 35 bis 44 Jahren am stärksten von solchen Schemata betroffen sind – genau diese Altersgruppe wird am häufigsten Opfer. Experten zufolge ist der entscheidende psychologische Hebel hier das Wunsch nach Einsparungen: Ein auf den ersten Blick attraktives Angebot lockt den Verbraucher leicht in die Falle. Luigi Gabriele, Präsident der Nichtregierungsorganisation Consumerismo, betonte in einem Interview mit ilsole24ore, dass die Betrugsschemata immer ausgefeilter werden und gezielt die finanziell schwierigsten Perioden ausnutzen – einschließlich des Bedürfnisses von Familien, angesichts von Stromausfällen und steigenden Preisen zu sparen.
Widersprüchliche Daten
In öffentlichen Formulierungen tauchen verschiedene Zahlen auf, die auf den ersten Blick wie ein Widerspruch aussehen. Die Schlagzeile einiger Publikationen besagt, dass „mehr als 2,9 Millionen Menschen“ Opfer von Stromrechnungs-Betrug wurden. Gleichzeitig operiert der Generaldirektor von Facile.it, Maurizio Pescarini, mit einer anderen Grundgröße: Nach seinen Angaben wurden 2023 4 Millionen Menschen Opfer, und im folgenden Jahr sank die Zahl dieser Fälle um 27 %. Mathematisch stimmen diese Daten überein: Eine Senkung um 27 % von 4 Millionen ergibt etwa 2,9 Millionen, es geht also um verschiedene Bezugsjahre und nicht um sich ausschließende Schätzungen. Dennoch sind die genaue Zählmethodik und der Zeitraum, auf den sich jede Zahl bezieht, in den Primärquellen nicht vollständig offengelegt, was bei der Interpretation zu berücksichtigen ist.
Reaktion der Behörden und neue Regeln
Um gegen diese Art von Betrug vorzugehen, haben die italienischen Behörden die Regulierung verschärft. Ab 2025 reicht ein einfaches Telefonat nicht mehr aus, um einen Vertrag über die Lieferung von Strom oder Gas abzuschließen: Der Kunde muss den Erhalt eines schriftlichen Dokuments mit den vollständigen Vertragsbedingungen bestätigen – entweder in Papierform oder auf einem anderen zuverlässigen Datenträger. Im August 2025 begann auch die italienische Regulierungsbehörde für Telekommunikation (Agcom) mit der Blockierung von Anrufen aus dem Ausland, in denen Anzeichen von Betrug entdeckt wurden; nach vorläufigen Daten wurden 43 Millionen solcher Anrufe gefiltert und blockiert. Experten raten Verbrauchern zusätzlich, die Identität der Personen zu überprüfen, die Zahlungen entgegennehmen, kein Bargeld an ungebetene „Gäste“ zu übergeben, die von Haus zu Haus gehen, und keine Lieferpunkt-Codes (POD/PDR) an ungeprüfte Personen weiterzugeben.
Globaler Kontext
Der italienische Fall fügt sich in einen breiteren weltweiten Trend ein. Laut Daten der Firma Cybersecurity Ventures wird der prognostizierte Schaden durch Cyberkriminalität weltweit bis 2026 auf etwa 10,8 Billionen Dollar steigen, wobei die Betrugsschemata immer ausgefeilter und komplexer werden. Dies unterstreicht, dass das Problem auch bei sinkenden Einzelindikatoren in einem bestimmten Land systemisch bleibt und eine Kombination aus technologischen Maßnahmen, regulatorischen Beschränkungen und der Steigerung der finanziellen Bildung der Verbraucher erfordert.