Der US-Vizepräsident JD Vance hat in einem Interview mit dem Fernsehsender Fox News eine beispiellos offene Aussage über die Divergenz der Interessen von Washington und Jerusalem in der Iran-Frage gemacht. Laut ihm haben die beiden Verbündeten zwar viele gemeinsame Ziele, es gibt jedoch Situationen, in denen ihre Ansätze diametral entgegengesetzt sind.
Hauptpriorität – Atomabkommen
Vance hat die Hauptaufgabe der amerikanischen Verwaltung klar definiert: Die Verhinderung der Entwicklung von Atomwaffen durch den Iran. „Die USA und Israel haben viele gemeinsame Interessen. Es gibt aber auch Situationen, in denen unsere Interessen auseinandergehen', betonte der Vizepräsident.
Aus Sicht Washingtons wurden in den letzten anderthalb Jahren alle notwendigen Voraussetzungen für eine langfristige Lösung der Atomfrage geschaffen. Vance gab zu, dass dieser Ansatz der israelischen Seite nicht gefallen könnte, bestand jedoch darauf, dass er den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten entspricht.
„Israel mag das mögen oder nicht, aber wir glauben, dass es im Interesse der Vereinigten Staaten ist. Und wir werden diesen Weg weiterverfolgen, denn genau dafür wurde der Präsident gewählt', erklärte er.
Konflikt vor dem Hintergrund von Verhandlungen
Vances Aussage erfolgte vor dem Hintergrund einer Verschärfung der Lage in der Region. Am späten Abend des 7. Juni führte der Iran erstmals seit April eine Serie von Raketenangriffen gegen Israel durch. Laut Quellen wurden mindestens drei Wellen von Raketen gestartet, von denen etwa zehn abgefangen wurden. Opfer durch direkte Treffer wurden nicht registriert.
Sofort nach dem Angriff kontaktierte Präsident Trump den Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Der Chef des Weißen Hauses forderte die israelische Führung auf, von einer Vergeltungsaktion abzusehen, und versicherte, dass die Verhandlungen mit Teheran im Endspurt seien. Israel ignorierte diese Bitte jedoch.
Vergeltungsschlag und neue Bedrohungen
Am Morgen des 8. Juni griff die israelische Luftwaffe Raketenwerfer und Objekte der militärischen Infrastruktur im Iran an. Noch am selben Tag kündigte Teheran den Abschluss aktiver Operationen gegen Israel an. Die Erklärung der iranischen Seite enthielt jedoch eine Warnung: Sollte Israel militärische Aktionen im Libanon fortsetzen, würden „härtere und zerstörerischere Maßnahmen' folgen.
So wird die Divergenz der Strategien von Washington und Jerusalem immer offensichtlicher. Während die USA auf eine diplomatische Beendigung der Atomkrise hinarbeiten, besteht Israel weiterhin auf einer militärischen Antwort auf Sicherheitsbedrohungen.