Am 18. August 2026 endete die langwierige Personalie im Verteidigungsministerium der Ukraine. Präsident Wolodymyr Selenskyj reichte im Parlament (Werchowna Rada) einen Vorschlag zur Ernennung von Jewgeni Chmara zum Verteidigungsminister ein. Die Abstimmung, die bereits morgen, am 19. August, stattfinden soll, markiert das Ende eines Monats, der im Modus „amtierender Minister“ nach dem Rücktritt von Mychajlo Fedorow verbracht wurde. Die Entscheidung, Chmara zu ernennen, war das Ergebnis komplexer politischer Kompromisse und des Versuchs, die Situation in der Schlüsselbehörde angesichts des andauernden Konflikts zu stabilisieren.

Rücktritt von Fedorow und Personalkrise

Die Situation mit der Leitung des Verteidigungsministeriums spitzte sich Mitte Juli zu, als Präsident Selenskyj eine umfassende Neubesetzung des Kabinetts der Minister ankündigte. Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko trat mit ihrer Regierung zurück, und der Leiter von „Naftogaz“, Serhij Korezkyj, wurde zum Regierungschef ernannt. Doch im Mittelpunkt der Intrige stand gerade der Posten des Verteidigungsministers. Mychajlo Fedorow, der dieses Amt innehatte, geriet in einen Konflikt mit dem Kommando der Streitkräfte, insbesondere mit dem Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj.

Laut Präsident war genau dieser Konflikt der Grund für Fedorows Rücktritt. Der ehemalige Minister bestätigte selbst, dass er den Wechsel des Oberbefehlshabers vorgeschlagen hatte, doch Syrskyj erklärte, von keinen Meinungsverschiedenheiten zu wissen. Nach Fedorows Rücktritt begannen vor dem Franko-Theater in Kiew Proteste, bei denen die Teilnehmer seine Rückkehr auf den Posten und den Rücktritt von Syrskyj forderten. Selenskyj ersetzte daraufhin den Oberbefehlshaber durch Mychajlo Drapatyj, kehrte Fedorow jedoch nicht auf den Posten des Ministers zurück.

Die Kandidatur von Jewgeni Chmara: Warum er?

Als klar wurde, dass Fedorow nicht mehr Verteidigungsminister sein würde, wurde die Kandidatur des damaligen Innenministers Ihor Klymenko geprüft. Er lehnte dieses Amt jedoch ab und wurde Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats (NSWR). Schließlich wählte Selenskyj Jewgeni Chmara, der zu dieser Zeit amtierender Chef des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU) war. Da eine Ernennung des Ministers ohne Zustimmung des Parlaments nicht möglich ist, wurde Chmara zunächst zum amtierenden Leiter des Verteidigungsministeriums.

Laut Quellen in der Rada fiel die Entscheidung für Chmara nicht leicht. Im Umfeld des Präsidenten gab es die Idee, ihn noch einige Zeit im Status „amtierend“ zu belassen, um angesichts der Proteste keine unnötige Aufmerksamkeit auf Personalfragen zu lenken. Doch in der Banowa (Präsidentenamt) entschied man sich, diese Angelegenheit formell abzuschließen. Abgeordnete der Fraktion „Diener des Volkes“ merken an, dass „niemand anderes ernannt werden kann“, und Chmara, obwohl er in einer anderen Struktur diente, schnellt sich schnell in die Angelegenheiten des Ministeriums ein.

Widersprüchliche Daten

Es gibt Uneinigkeit über die Aussichten auf die Ernennung Chmaras. Einerseits prognostizieren Quellen im zuständigen Ausschuss der Rada, dass Stimmen für seine Ernennung gefunden werden. Andererseits werden in der Rada Bedenken geäußert, dass die Abstimmung aufgrund der anhaltenden Proteste und der Forderungen nach der Rückkehr von Fedorow möglicherweise nicht zustande kommt. Darüber hinaus stellt sich eine juristische Frage: Chmara ist ein Militärangehöriger, und gemäß dem Gesetz muss der Leiter des Verteidigungsministeriums ein Zivilist sein. Wie genau diese Frage gelöst werden soll, ist derzeit unklar.

Das Team von Chmara: Was wird sich im Verteidigungsministerium ändern?

Die vollständige Zusammensetzung des Teams des neuen Ministers ist noch unbekannt, doch Gesprächspartner im zuständigen Ausschuss der Rada sind der Meinung, dass es keine radikalen Änderungen geben wird. Ein Teil der Leute wird aus dem vorherigen Team von Mychajlo Fedorow bleiben. Andere informierte Quellen bestätigen diese Informationen. Laut Abgeordneten gibt es im Allgemeinen gute Bewertungen über Chmara als Spezialist und Mensch. Sein Hauptmerkmal ist die Integrität, und von niemandem aus der SBU wurden jemals schlechte Worte über ihn geäußert.

Fazit und Perspektiven

Die Ernennung von Jewgeni Chmara zum Verteidigungsminister wird ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung der Situation in der ukrainischen Regierung sein. Trotz Widersprüchen und Protesten wurde die Entscheidung über seine Ernennung nach langen Konsultationen und Kompromissen getroffen. Es bleibt abzuwarten, wie die Abstimmung in der Rada verlaufen wird und welche Änderungen in der Struktur des Verteidigungsministeriums stattfinden werden.