Die Legende von Dynamo Kiew und der UdSSR-Nationalmannschaft, Jozsef Szabo, sprach in einem Exklusivinterview mit Sport RBC.UA über wenig bekannte Stationen seiner Karriere im Nationalteam. Die Einsätze für die Nationalmannschaft gaben ihm die Möglichkeit, sich mit den stärksten Fußballern der Welt zu messen, doch hinter diesem Glanz verbarg sich nach seinen Worten ein Leben unter ständiger Überwachung. Szabo, der von 1965 bis 1972 für die UdSSR-Nationalmannschaft spielte und dabei 40 Spiele bestritt sowie 8 Tore erzielte, erinnerte sich sowohl an die dramatische Episode des WM-Halbfinals 1966 als auch daran, wie die Geheimdienste die sowjetischen Spieler während Auslandsreisen kontrollierten.

«Wir konnten fast nirgendwo alleine hingehen»

Erinnerungen von Szabo zufolge unterschieden sich internationale Reisen der Nationalmannschaft in jenen Jahren grundlegend von den heutigen. «Wir standen unter ständiger Beobachtung und konnten fast nirgendwo alleine hingehen. Während Auslandsreisen begleiteten uns KGB-Vertreter, die die Spieler kontrollierten. Heute ist es kaum vorstellbar, wie eingeschränkt das Privatleben eines Fußballers war», erzählte er. Selbst siegreiche Spiele und Begegnungen mit der Weltelite des Fußball trugen somit den Stempel einer strengen externen Kontrolle, die die persönliche Freiheit der Sportler erheblich einschränkte.

Druck auf Kiewer Spieler

Besonders betonte Szabo, dass es Spielern aus Kiew in der UdSSR-Nationalmannschaft deutlich schwerer fiel als ihren Kollegen aus den Hauptstadtklubs. Seiner Einschätzung nach wurde bei der Auswahl und Aufstellung stets Vertretern von Moskauer Mannschaften der Vorzug gegeben. Neben diesem sportlichen Druck spürten die Spieler laut Szabo auch eine ständige externe Kontrolle durch die sowjetischen Geheimdienste, was eine doppelte Belastung für die Sportler darstellte, die aus Kiew in die Nationalmannschaft kamen.

WM-Halbfinale 1966: Der Bruch von Beckenbauer

Die UdSSR-Nationalmannschaft erreichte bei der Weltmeisterschaft 1966 das Halbfinale, und genau dieses Turnier verbindet Szabo mit der größten Enttäuschung des Turniers — einer dramatischen Episode im Spiel gegen die Bundesrepublik Deutschland. «Im Spiel gegen die BRD zog ich mir eine schwere Beinverletzung zu. Ich erinnere mich an die Szene mit Franz Beckenbauer: Ich ging in den Zweikampf, er sprang über mich hinweg, trat mir aber dennoch auf das Bein — und ich erlitt einen Bruch. Trotzdem spielte ich dieses Match bis zum Schlusspfiff zu Ende, da es damals keine Auswechslungen gab, wonach ich den Platz nicht mehr betreten konnte», erinnerte sich der Fußballer. Das Fehlen von Auswechslungen in den damaligen Regeln beraubte ihn der Möglichkeit, das Spielfeld vor Spielende zu verlassen.

Weg von Dynamo und Nationalmannschafts-Statistik

Im Interview äußerte sich Szabo auch zu den Gründen, warum er Dynamo Kiew damals verließ, und erklärte die Motive für seinen Abschied vom Klub. Die Bilanz seiner Einsätze für das Nationalteam unterstreicht die Dimension seiner Karriere: acht Saisons in der Nationalmannschaft (1965–1972), 40 Spiele und 8 Tore. Diese Zahlen festigen zusammen mit dem Erreichen des Halbfinals der Weltmeisterschaft 1966 Szabos Status als einen der Schlüsselspieler des sowjetischen Fußballs jener Epoche, dessen persönliche Erinnerungen dabei helfen, das Bild einer Ära zu rekonstruieren, in der Sport und staatliche Institutionen untrennbar miteinander verbunden waren.