Das US-Justizministerium hat harte Maßnahmen gegen Journalisten der New York Times eingeleitet. Vier Reportern des Blattes wurden Vorladungen zugestellt, die sie auffordern, vor Gericht zu erscheinen und auszusagen. Anlass für das Verfahren ist eine Veröffentlichung über Sicherheitsprobleme des neuen Präsidentenflugzeugs, das den legendären Boeing 747-400 ersetzen soll.
Skandal um das neue Flugzeug Air Force One
Im Zentrum des Konflikts steht ein Artikel, den die NYT diese Woche veröffentlicht hat. Die Journalisten berichteten, dass der US-Geheimdienst (Secret Service) Präsident Donald Trump dringend empfohlen habe, nach dem NATO-Gipfel aus der Türkei mit dem alten, bewährten Flugzeug zurückzukehren. Der Grund dafür ist, dass das neue Flugzeug – ein Boeing 747-8, der vom katarischen Regierung gespendet wurde – nicht über einige kritisch wichtige Schutzsysteme verfügt, die das Vorgängerflugzeug hatte. Insbesondere fehlt ein Raketenabwehrsystem.
Die Entscheidung, auf das neue Flugzeug zu verzichten, fiel vor dem Hintergrund beunruhigender Meldungen aus Israel. Dort wurde der amerikanische Führer vor einem iranischen Komplott gewarnt, das auf seinen Mord abzielte, was die Frage des Schutzes des Flugzeugs zu einer Frage von Leben und Tod machte.
Wer wurde ins Visier genommen?
Laut Informationen des Blattes erhielten vier Journalisten der New York Times eine Vorladung vor Gericht: Julian Barnes, Eric Lipton, Tyler Pager und Eric Schmitt. Das Dokument wurde von dem US-Staatsanwalt in Manhattan, Jay Clayton, ausgestellt, den Donald Trump kürzlich als Direktor der Nationalen Nachrichtendienste vorgeschlagen hat.
In den Vorladungen selbst finden sich nur wenige Details. Den Journalisten wird lediglich mitgeteilt, dass von ihnen Aussagen „im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Verstoß gegen das Bundesstrafrecht“ verlangt werden.
Offizielle Position der Behörden
In der Präsidentenverwaltung versuchte man, die Position der Journalisten zu diskreditieren. Der Vertreter des Weißen Hauses, Steven Cheng, kritisierte die Reporter für solche Artikel und bestritt kategorisch, dass es irgendwelche Bedenken hinsichtlich der Sicherheit des neuen Flugzeugs gäbe.
Derweil kommentierte Emily Covington, die Pressesprecherin des US-Justizministeriums, die Situation und erklärte, dass „nicht die Journalisten das Ziel sind, sondern diejenigen, die geheime Informationen offenbaren“. Sie erinnerte daran, dass der Artikel in der NYT auf anonymen Quellen basierte.
„Wir schätzen und würdigen die wichtige Rolle, die die Presse in diesem Land spielt, aber das Justizministerium spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, um sicherzustellen, dass Menschen, denen Staatsgeheimnisse anvertraut wurden, diese Informationen ordnungsgemäß verwenden. Wir verstehen, dass hier immer eine natürliche Spannung bestehen kann, aber wir werden das Gesetz nicht ignorieren“, betonte Covington.
Eskalation des Konflikts: Krieg gegen die Medien
Dieses Ereignis ereignet sich vor dem Hintergrund einer allgemeinen Verschärfung des Drucks der Trump-Administration auf die Medien während seiner zweiten Amtszeit. Der Präsident persönlich hat Klagen gegen mehrere Zeitungen eingereicht, darunter die New York Times, wegen Artikeln, die er als inakzeptabel erachtete.
Im September 2025 verklagte Trump die NYT, vier ihrer Reporter und den Verlag Penguin Random House wegen Verleumdung und Desinformation. Die Klage wurde wegen eines Leitartikels vor den Wahlen 2024 eingereicht, in dem behauptet wurde, Trump sei für das Amt ungeeignet, sowie wegen des Buches „Happy Loser“. Dafür forderte er eine Entschädigung von 15 Milliarden Dollar.
Ende 2025 wurde eine ähnliche Klage gegen die BBC wegen des Dokumentarfilms „Panorama“ eingereicht, in dem, so die Ansicht der Administration, die Version der Rede des Präsidenten verzerrt wurde. Auch auf der Website des Weißen Hauses wurde eine spezielle Sektion eingerichtet, in der die Administration die Medien öffentlich für „Voreingenommenheit“ und Verzerrung von Fakten kritisiert.