In Brüssel entfaltete sich eine angespannte diplomatische Debatte im Zusammenhang mit personellen Umstrukturierungen in Kiew. Die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, kommentierte erstmals öffentlich die Situation rund um die Bildung eines neuen Ministerrats der Ukraine. Ihre Erklärung gab sie am 13. Juli während einer Sitzung des Rates der EU für Außenangelegenheiten ab.
Ausgleich zwischen Souveränität und Dialog
Kallas begann mit der Feststellung eines offensichtlichen Faktums: Die Zusammenstellung einer Regierung ist eine innere politische Angelegenheit eines souveränen Staates. Unterstrich jedoch die Bedeutung der Aufrechterhaltung des Dialogs, betonte die Leiterin der europäischen Diplomatie, dass es für Brüssel von kritischer Wichtigkeit sei, seine Partner in Kiew nicht zu verlieren. „Für uns ist es natürlich wichtig, unsere Gesprächspartner nicht zu verlieren, damit wir unsere Arbeit fortsetzen können', erläuterte sie.
Voraussetzung für die EU-Erweiterung
Trotz der Achtung vor den innerstaatlichen Prozessen stellte Kallas eine harte Bedingung auf. Vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse warnte sie die ukrainischen Behörden: Die Fortsetzung der Reformen bleibt für die Europäische Union Priorität Nummer eins. Laut der Diplomatin hängt die Fortschreibung der Agenda zur EU-Erweiterung direkt davon ab, wie effektiv die Ukraine die notwendigen Transformationen auf ihrer Seite vorantreibt.
Wer wird den neuen Ministerrat leiten?
Anlass für die Kommentare in Brüssel waren die aktiven Prozesse in Kiew. Am 12. Juli diskutierte Präsident Wolodymyr Selenskyj mit der amtierenden Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko über die Aktualisierung der Regierungszusammensetzung. Laut Quellenangaben gilt Serhij Korezkyj, der derzeit den Posten des Chefs von „Naftogaz' innehat, als Hauptkandidat für das Amt des Regierungschefs.
Insider berichten, dass Korezkyj, der das Angebot, dieses Amt zu übernehmen, zuvor abgelehnt hatte, schließlich zugestimmt hat, den Ministerrat zu leiten. Es wird erwartet, dass einige der amtierenden Minister ihre Ämter behalten werden, jedoch sind Änderungen in der Regierungsstruktur möglich, einschließlich der Aufteilung einzelner Ministerien.