Kanada bereitet einen weitreichenden Wandel in ihrer Außenpolitik vor, der auf den indo-pazifischen Raum abzielt. In diesem Jahr plant Ottawa, Kriegsschiffe in asiatische Gewässer zu entsenden, und zwar im Rahmen zweier separater Missionen. Diese Entscheidung ist Teil einer Strategie zur Vertiefung der militärischen Beziehungen zu regionalen Verbündeten und zur Diversifizierung der Handelspartner.
Doppelte Strategie: Übungen und Diplomatie
Der kanadische Verteidigungsminister David McGuinty bestätigte während eines Besuchs in Tokio die Pläne zur Stärkung der Präsenz in der Region. Kanadische Kriegsschiffe sollen im August und November eintreffen, um gemeinsame Übungen durchzuführen. Die Visitenprogramme beinhalten Hafenanläufe in Japan.
Die militärischen Manöver sind jedoch nur ein Teil des Gesamtbildes. McGuinty betonte, dass Ottawa bestrebt ist, engere Handelsbeziehungen mit China aufzubauen, dabei aber einen disziplinierten Ansatz in den bilateralen Beziehungen beizubehalten. „Wir stärken unsere Präsenz hier mit Japan, Südkorea und den Philippinen. Aber wir steuern unsere Beziehungen zu China ebenfalls – diszipliniert“, so der Minister.
Technologischer Verbund mit Tokio
Parallel zur militärischen Präsenz entwickelt Kanada aktiv den Rüstungshandel. McGuinty leitete eine Delegation, die aus 175 Organisationen und rund 300 Vertretern bestand, mit dem Ziel, Verträge abzuschließen. Bereits am 25. Juni ist die Unterzeichnung von drei Kooperationsabkommen im Verteidigungsbereich zwischen japanischen und kanadischen Unternehmen geplant.
Die Zusammenarbeit wird sich auf Spitzentechnologien konzentrieren. Laut dem Minister planen die Parteien, an Projekten im Bereich Künstliche Intelligenz, Quantentechnologie, Kryptografie sowie Ingenieurwesen und maritimen Systemen zu arbeiten. „Wir haben hier langjährige Beziehungen, aber wir wollen sie tiefer und breiter ausbauen“, so McGuinty.
Abkehr von der Abhängigkeit von den USA
Die Stärkung der Beziehungen zu Asien erfolgt vor dem Hintergrund einer Neubewertung der kanadischen Strategie gegenüber dem traditionellen Partner USA. Experten stellen fest, dass die instabilen Beziehungen zu Washington nach der Rückkehr von Donald Trump an die Macht Ottawa dazu veranlasst haben, Partner außerhalb Nordamerikas zu suchen.
Dieser Trend wird durch kürzlich abgeschlossene Geschäfte bestätigt. Kanada hat den Prozess der Wiederbewaffnung Polens eingeleitet, um eine größere Unabhängigkeit von US-Lieferungen zu erreichen. Eine Firma aus Montreal gewann eine Ausschreibung im Wert von mehr als 10 Millionen Dollar für die Lieferung taktischer Funkgeräte kanadischer Herstellung.
Ein weiteres deutliches Beispiel für den Kurswechsel war der Verzicht Ottawas auf Aufklärungsflugzeuge, die in den USA hergestellt werden. Kanada plant, diese durch Aufklärungsplattformen des Typs GlobalEye des schwedischen Unternehmens Saab zu ersetzen, was die Bereitschaft unterstreicht, Alternativen in Europa und Asien zu suchen.