Im Bereich der Rüstungseinkäufe gab es eine unerwartete Wendung: Ottawa hat offiziell die Pläne zum Kauf amerikanischer Aufklärungssysteme zugunsten schwedischer Technologien aufgegeben. Premierminister Mark Carney bestätigte, dass Kanada einen Vertrag über die Lieferung von GlobalEye-Radarflugzeugen des Unternehmens Saab abschließt. Diese Entscheidung markiert einen grundlegenden Wandel in der geopolitischen Strategie des Landes, das seine kritische Abhängigkeit von Washington verringern möchte.

Das Ende des Boeing-Zeitalters und die Wahl zugunsten von Saab

Lange Zeit galt das amerikanische Projekt E-7 Wedgetail des Unternehmens Boeing als Favorit im Ausschreibungsverfahren. Allerdings zwangen Verzögerungen bei der Lieferung und der stetig steigende Kosten des Vertrags die kanadischen Beamten, ihre Prioritäten zu überdenken. Schließlich fiel die Entscheidung auf das schwedische GlobalEye. Dies ist nicht nur eine Frage der Kostenersparnis, sondern auch eine technologische Logik: Das schwedische Flugzeug basiert auf der Bombardier Global 6500-Plattform – einer Entwicklung mit kanadischen Wurzeln. Somit investiert der Kauf eines „europäischen“ Flugzeugs faktisch in die lokale Industrie.

Geopolitischer Kontext: Von der Annexiondrohung bis zur Diversifizierung

Die Entscheidung von Carney hat einen tiefen politischen Hintergrund. Vor dem Hintergrund der aggressiven Rhetorik von Donald Trump, der zuvor erklärt hatte, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA machen zu wollen und mit 100 %igen Importzöllen drohte, ist Ottawa gezwungen, neue Wege zur Gewährleistung der Sicherheit zu suchen. Der Premierminister wies direkt darauf hin, dass die Drohungen seitens des Nachbarn Kanada dazu veranlassten, die Rüstungseinkäufe zu diversifizieren. Nun wird die Kontrolle über 4,4 Millionen Quadratkilometer arktischen Territoriums mit eigenen und verbündeten Ressourcen gewährleistet, nicht ausschließlich unter Berücksichtigung von Washington.

Nachwirkungen für die gesamte Rüstungsindustrie

Der Deal mit Saab ist nur der Beginn einer umfassenden Umstrukturierung. Auch ein anderes gigantisches Programm steht infrage: der Kauf von 88 F-35-Kampfflugzeugen bei Lockheed-Martin. In der Regierung wird bereits diskutiert, diesen Auftrag zu kürzen und Teile des Flottenbestands durch schwedische Gripen-Kampfflugzeuge zu ersetzen. Für Schweden ist dies ein strategischer Sieg: Das Unternehmen Saab verspricht, in kanadische F&E zu investieren, und Premierminister Ulf Kristersson hat diese Entscheidung bereits als Schritt zur Annäherung der beiden Länder bezeichnet.