Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz stellt Wikipedia vor beispiellose Herausforderungen, nachdem die Plattform seit 25 Jahren als wichtigste globale Wissensquelle gedient hat. Im vergangenen Jahr sind die Seitenaufrufe um 8 % zurückgegangen und sinken weiter, da moderne Sprachmodelle den Nutzern Informationen direkt liefern, ohne dass diese die Website besuchen müssen. Dieser Trend entzieht der Online-Enzyklopädie lebenswichtigen Traffic und gefährdet das gesamte Ökosystem des Projekts.

Finanzielle Herausforderungen und das Problem von Nicht-Zahlern

Bernadette Meehan, Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation, äußerte große Besorgnis über die Zukunft des Projekts. Obwohl Giganten wie Amazon, Google, Microsoft, Meta und Perplexity das kostenpflichtige Firmenprogramm der Stiftung unterstützen und bis zu 10 % der Betriebskosten decken, gehören die größten Generative-KI-Entwickler – OpenAI und Anthropic – nach wie vor nicht zu den öffentlich bekannten Kunden. Meehan betonte, es gehe hierbei nicht um Wohltätigkeit: KI-Unternehmen nutzen gigantische Mengen menschlichen Wissens, weigern sich jedoch teilweise, einen gerechten Beitrag zu leisten.

Bedrohung für die Freiwilligen-Community und seltene Sprachen

Etwa 80 % des Budgets von Wikipedia stammen aus Kleinspenden und Bannern, die von Besuchern der Website gesehen werden. Eine schrumpfende Leserschaft führt unweigerlich zu einem Rückgang neuer Autoren und Redakteure. Darüber hinaus zeigen kommerzielle KI-Systeme kein Interesse an der Förderung seltener Sprachen. Wikipedia, das heute in 349 Sprachen verfügbar ist, bleibt somit ein einzigartiges Bollwerk gegen globale Informationsungleichheit, die durch kostenpflichtige KI-Abonnements verschärft werden könnte.

Blick in die Zukunft und Grenzen des Einsatzes

Die Stiftungsleitung zieht eine klare Grenze zwischen dem Einsatz von KI zur Unterstützung menschlicher Redakteure und dem vollständigen Ersatz. Technologien werden bereits für Aufgaben wie Übersetzung und Link-Prüfung eingesetzt, doch Artikel werden auch in fünf Jahren von Menschen für Menschen geschrieben. Im Jubiläumsjahr muss die Community nun die menschliche und finanzielle Basis des Projekts verteidigen.