Der Markt für Computerkomponenten steht vor einer neuen Welle der Krise. Nach dem globalen Mangel an Speicher und Prozessoren, der in den letzten Jahren zur Norm wurde, sind nun Festplatten (HDD) betroffen. Die Situation, die stabil schien, hat sich drastisch geändert: Die Produktion ist Jahre im Voraus ausverkauft, und die Preise für Endverbraucher sind um 50% gestiegen. Dahinter steht nicht nur ein logistischer Fehler, sondern ein fundamentaler Wandel in der Nachfragestruktur, ausgelöst durch den Boom der künstlichen Intelligenz.
Der verborgene Krisenpunkt: Kapazitäten bis 2028 ausverkauft
Laut Quellen in der Lieferkette aus Taiwan, die das Magazin DigiTimes zitiert, hat sich die Verfügbarkeit von HDD auf dem Markt im zweiten Quartal 2026 drastisch verschlechtert. Die Handelspreise stiegen im Quartal um 10 %, doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Hauptakteure der Branche – Seagate und Western Digital – haben ihre Produktionskapazitäten für das aktuelle Jahr und in einigen Fällen sogar für die nächsten zwei Jahre faktisch geschlossen.
Schon im Februar 2026 bestätigten die Führungskräfte der Unternehmen während der Ergebnispräsentationen den Mangel an freien Kapazitäten. Tianjiang Tan, der CEO von Western Digital, erklärte, dass das Unternehmen bis Ende 2026 vollständig mit Aufträgen versorgt sei. Darüber hinaus wurden bereits langfristige Verträge für 2027 und 2028 abgeschlossen. Der CEO von Seagate, Dave Mosley, fügte hinzu, dass der Unternehmen für die nächsten zwei Jahre praktisch keine freien Kapazitäten mehr habe. Eine ähnliche Situation herrscht laut Branchenquellen auch beim dritten großen Hersteller, Toshiba.
Wer kauft alle Festplatten auf? Hyperscaler und KI
Der Grund für den Ansturm ist der rapide wachsende Bedarf an Rechenzentren im Zusammenhang mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz. Die Hauptabnehmer aller verfügbaren Mengen sind Hyperscaler – die größten Betreiber von Rechenzentren und Cloud-Plattformen wie Amazon, Google, Microsoft, Meta und OpenAI.
Diesen Giganten werden enorme Speicherkapazitäten für das Speichern von Trainingsdaten, Logs, Sicherungskopien und Archiven benötigt. Laut Analysten ist fast die gesamte HDD-Produktion derzeit auf Kunden mit langfristigen Verträgen ausgerichtet. Für mittlere und kleine Auftraggeber bleiben kaum noch freie Kapazitäten übrig. Der Anteil des Cloud-Geschäfts am Umsatz von Western Digital belief sich auf 89 %, während der Consumer-Segment nur 5 % ausmachte.
Die Marktlogik ist einfach: Im Verhältnis von Preis zu Volumen bleibt die Festplatte die günstigste Methode zur Speicherung großer Datenmengen. Zum Vergleich: Solid-State-Laufwerke (SSD) sind pro Terabyte 16-mal teurer. Aus diesem Grund kaufen Rechenzentren trotz des technologischen Überlegenheit von SSD weiterhin massenhaft klassische HDD.
Folgen für den normalen Nutzer
Obwohl Festplatten aus persönlichen Computern und Laptops praktisch verschwunden sind, betreffen Mangel und Preisanstieg auch normale Nutzer. Der Mangel ist kein vorübergehender Ausfall, sondern ein struktureller Wandel auf dem Markt, der sich über mehrere Jahre hinweg bemerkbar machen wird. Seagate plant beispielsweise keine Erweiterung der Produktion, sondern setzt lediglich auf eine Erhöhung der Kapazität der Festplatten selbst, nicht auf eine Steigerung ihrer Anzahl.
Die Einzelhandelspreise reagieren sofort auf die Situation. Laut deutschen Einzelhandelsdaten sind die Preise für HDD im Vergleich zur Mitte 2025 um etwa 20–50 % gestiegen. Russische Medien berichten über einen durchschnittlichen Preisanstieg von 46 % seit September 2025. Konkrete Beispiele zeigen das Ausmaß des Schlages auf die Geldbeutel:
- Das beliebte Modell Seagate BarraCuda mit 24 TB, das vor einem Jahr etwa 340 Dollar kostete, liegt jetzt über 500 Dollar.
- Das Modell WD Blue mit 4 TB, dessen Preis bei etwa 70–80 Dollar lag, überschreitet jetzt 140 Dollar.
Dominoeffekt: Preisanstieg bei SSD
Der Mangel an Festplatten übt auch Druck auf benachbarte Märkte aus. Hyperscaler, die auf den HDD-Mangel gestoßen sind, begannen, hochkapazitive SSD als Alternative zu kaufen. Dies führt zu einer Umverteilung der Produktionskapazitäten und einem weiteren Anstieg der Preise für Solid-State-Laufwerke.
Viele SSD-Modelle mit einer Kapazität von bis zu 2 TB sind seit dem Sommer 2025 um etwa 50 % teurer geworden, was durch Daten zu Samsung-Produkten bestätigt wird. Der Boom der künstlichen Intelligenz erzeugt somit eine Kettenreaktion: Vom Mangel in Rechenzentren bis hin zur Verteuerung von Komponenten für Heimanwender weltweit.