Der Cyberspace durchläuft fundamentale Veränderungen. Laut Daten der Analysefirma Servicepipe hat sich der Traffic von KI-Bots auf russische Medienwebsites und E-Commerce-Plattformen innerhalb eines Jahres verdoppelt. Dieser Segment macht derzeit bereits 2 % des gesamten Besuchervolumens aus. Experten warnen: Während Bots früher nur Netzwerke gescannt haben, konsumieren sie nun aktiv Inhalte, was schwerwiegende Folgen für die Geschäftsmodelle von Verlagen und Einzelhändlern haben könnte.

Explosives Wachstum und neue Realitäten

Die Wachstumsdynamik ist beeindruckend. Im Juni dieses Jahres besuchten KI-Bots am häufigsten Medienressourcen und Marktplätze. Auf ihren Anteil entfielen 1 % des von Servicepipe verfolgten Gesamtverkehrs. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren diese Werte deutlich bescheidener – 0,5 % bei den Medien und lediglich 0,3 % im E-Commerce.

Doch die Durchschnittswerte verdecken Spitzenlasten. An Tagen mit brisanten Nachrichten steigt der Anteil des KI-Traffics auf Medienwebsites auf bis zu 3,5 %. Eine ähnliche Situation ist im Einzelhandel zu beobachten: Während großer Verkaufsfeste erreichen die Marktplätze einen Anteil von 3 %. Zum Ende des ersten Halbjahres 2025 haben Informationswebsites aufgrund der Aktivität von Algorithmen bereits etwa 30 % ihres organischen Traffics verloren.

Warum wählen Bots genau diese Websites?

Die Nachfrage nach Ressourcen bei der künstlichen Intelligenz hängt direkt vom Informationswert und der Aktualisierungshäufigkeit ab. Bots, die mit offenen Daten trainiert werden, suchen nach qualitativ hochwertigen und geprüften Materialien. Daher befinden sich folgende Bereiche an der Spitze der Besuche:

  • Medienressourcen, bei denen sich die Informationen stündlich aktualisieren.
  • Bildungswebsites mit hochwertigem Inhalt.
  • Marktplätze, auf denen das Sortiment ständig angepasst wird und neue Kundenbewertungen erscheinen.

Dieser Inhalt eignet sich ideal zum Training von neuronalen Netzen, birgt jedoch das Risiko einer direkten Kopie von Materialien und Sortimenten ohne Entschädigung der Rechteinhaber.

Reaktion des Marktes: Von Ozon bis Wildberries

Große Marktteilnehmer haben den Paradigmenwechsel bereits bemerkt. Ozon bestätigte den Trend und merkte an, dass dies zwar derzeit nur einen kleinen Anteil des Gesamtverkehrs ausmacht, die Dynamik jedoch eindeutig auf eine Veränderung der Interaktion der Nutzer mit Marktplätzen hindeutet. Wildberries und Russ gingen einen Schritt weiter und interpretierten das Wachstum des KI-Traffics als Signal dafür, dass Personalisierung und Chat-Formate zum neuen Standard des Kundenservices werden.

Die neuen Bedingungen könnten die Geschäftsmodelle von Unternehmen, die mit Werbung Geld verdienen, grundlegend beeinflussen. Möglicherweise müssen sie ihre Vertriebsstrategien überdenken, da traditionelle Methoden zur Aufmerksamkeitserzielung dem algorithmischen Interaktionsmodell weichen könnten.

Globaler Kontext und russische Besonderheiten

Russische KI-Dienste greifen seit langem auf offene Ressourcen zu, um Informationen zu suchen und Antworten vorzubereiten. Neuronale Netze erhöhen derzeit die technische Belastung der Websites nur geringfügig, stellen jedoch eine echte Bedrohung für das Kopieren von Inhalten dar.

In der Welt entwickelt sich die Situation nach einem anderen Szenario. In den USA haben KI-Entwickler bereits begonnen, Lizenzverträge mit Verlagen abzuschließen und für einzigartige Materialien zu zahlen. Dort haben offizielle und redaktionelle Veröffentlichungen, wie auch bei traditionellen Suchmaschinen, mehr Gewicht als Beiträge in Foren und Chats.

Russische Ressourcen müssen derzeit noch eigene Wege zur Lösung des Problems finden. Die Hauptmethode des Schutzes ist die Einschränkung des kostenlosen Zugriffs auf Materialien. Offene Nachdrucke landen leider häufiger in den Trainingsdatensätzen der Algorithmen und werden so unentgeltlich zu deren „Nahrung“.