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title: "KI findet Tausende von Schwachstellen, doch Hacker nutzen sie nicht: Das Paradoxon der Cybersicherheit im Jahr 2026"
description: "KI findet Tausende von Schwachstellen, doch Hacker nutzen sie nicht: Das Paradoxon der Cybersicherheit im Jahr 2026. 🛡️🤖\n\nStatistiken zeigen: Die Anzahl der gefundenen Fehler hat sich vervielfacht, während der Anteil realer Angriffe auf 1,3 % gesunken ist. Entwickler schließen Lücken schneller, als Angreifer sie finden. Doch die Reaktionszeit auf Bedrohungen verkürzt sich – kritische Patches müssen nun innerhalb von 3 Tagen installiert werden."
date: 2026-07-31T20:55:08.000Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/ki-findet-tausende-von-schwachstellen-doch-hacker-nutzen-sie-nicht-das-paradoxon-der-cybersicherheit-im-jahr-2026
tags: [vulncheck, anthropic, cisa, cybersecurity, oracle]
publisher: "XAB.info"
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# KI findet Tausende von Schwachstellen, doch Hacker nutzen sie nicht: Das Paradoxon der Cybersicherheit im Jahr 2026

![KI-Assistent-Interface im Code-Editor mit der Option 'Find Problems', das die automatische Erkennung von Schwachstellen im Quellcode veranschaulicht — ein Schlüsselelement des Cybersicherheits-Paradoxons 2026](https://xab.info/media/2026/07/31/ii-nashel-tysyachi-uyazvimostey-no-hakery-ne-vospolzovalis-paradoks-kiberbezopasnosti-2026/ii-nashel-tysyachi-uyazvimostey-no-hakery-ne-vospolzovalis-paradoks-kiberbezopasnosti-2026-1.webp)

Die Erwartungen an die Einführung von künstlicher Intelligenz im Bereich der Cybersicherheit waren widersprüchlich: Manche fürchteten, KI würde zur Hauptwaffe von Hackern werden, andere hofften, sie würde zum Schild für Entwickler. Die Statistiken des ersten Halbjahres 2026 haben die Situation geklärt: Der Boom bei der Entdeckung von Fehlern durch neuronale Netze führte nicht zu der erwarteten Welle von Angriffen. Im Gegenteil: Entwickler haben gelernt, Lücken schneller zu finden und zu schließen, als Angreifer sie ausnutzen können.

### Explosionsartiger Anstieg der Schwachstellen ohne Anstieg der Angriffe

Laut einer Analyse von VulnCheck hat die Nutzung von KI-Tools tatsächlich zu einem starken Anstieg der Anzahl der erkannten Probleme im Code geführt. Die nationale Datenbank für Schwachstellen der USA (NVD) registrierte im Zeitraum vom 1. Januar bis 27. Juli 2026 insgesamt 45.207 Software-Schwachstellen. Diese Zahl entspricht fast dem Wert des gesamten Rekordjahres 2025. Bei Beibehaltung des aktuellen Tempos könnte der jährliche Endwert im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt werden.

Dennoch wächst die Anzahl der tatsächlichen Cyberangriffe entgegen den Befürchtungen nicht proportional. Von den 1.061 mit Hilfe von KI entdeckten Schwachstellen wurden nur 14 Fälle von Angreifern tatsächlich ausgenutzt – das sind lediglich 1,3 %. Dieser Wert liegt auf dem Niveau des Durchschnitts für alle anderen Schwachstellen und nicht darüber.

### Unternehmenssprung: Oracle und Microsoft

Der Anstieg der Aktivität bei der Fehlersuche ist auch auf Ebene konkreter Technologie-Giganten spürbar. Im Juli-Update von Oracle wurden 1.449 Schwachstellen behoben, was fast fünfmal so viel ist wie die 309 Fehler im Vorjahr. Microsoft verzeichnete ebenfalls Rekordwerte und schloss 622 Probleme, wobei der Beitrag von KI-Tools zu deren Entdeckung besonders hervorgehoben wurde.

Insgesamt hat VulnCheck im ersten Halbjahr 2026 495 bekannte Fälle der Ausnutzung von Schwachstellen registriert. Während die Anzahl der veröffentlichten CVE-Einträge um 45 % gestiegen ist, hat sich die Anzahl der tatsächlich in Angriffen genutzten Schwachstellen nur um 10 % erhöht. Der Anteil der CVE, die Teil von Angriffen werden, ist auf 1,4 % gesunken, gegenüber einem Maximum von 2,7 % Ende 2023.

### Das Paradoxon des Glasswing-Projekts

Besonders interessant ist die Analyse des Projekts Glasswing von Anthropic, das zu einem der prominentesten Beispiele für den Einsatz von KI zur Fehlerfindung wurde. Im Mai gab Anthropic bekannt, dass das System Claude 23.019 potenzielle Probleme entdeckt habe. Die Daten von VulnCheck zeigen jedoch ein anderes Bild: Das öffentliche Protokoll des Projekts wuchs nach den ersten 1.611 Einträgen nicht weiter. Davon erhielten nur 126 offizielle CVE-Identifikatoren, und nur eine Schwachstelle wurde in realen Angriffen tatsächlich ausgenutzt.

Experten von VulnCheck gehen davon aus, dass der Haupteffekt von KI darin besteht, dass Entwickler effizienter Fehler in ihrer eigenen Software finden. Viele Korrekturen, beispielsweise im Browser Chrome, basieren auf internen Prüfungen von Google und nicht auf externen Meldungen. Eine Schwachstelle, die vom Hersteller vor der Veröffentlichung gefunden und behoben wird, steht Angreifern nicht zur Verfügung.

### Beschleunigung der Bedrohungen und neue Ziele

Trotz positiver Trends bleibt die Bedrohung relevant. Die durchschnittliche Zeit zwischen der Veröffentlichung einer Schwachstelle und ihrer ersten Ausnutzung hat sich verkürzt: Der Median sank von 120 Tagen im Jahr 2025 auf 80 Tage im ersten Halbjahr 2026. Das US-Agentur für Cybersicherheit und Infrastrukturschutz (CISA) empfiehlt Organisationen bereits, kritische Schwachstellen mit bestätigter Ausnutzung innerhalb von 3 Tagen zu beheben.

Zudem wird KI selbst zum neuen Ziel für Angriffe. VulnCheck hat 28 bekannte ausgenutzte Schwachstellen in KI-Systemen entdeckt, von denen 10 bereits von Angreifern genutzt wurden. Zu den Beispielen gehören Angriffe auf die Plattform LangFlow, bei denen durch eine Reihe von Fehlern Zugriff auf Daten, einschließlich Zugangsdaten für Dienste wie OpenAI und Claude, erlangt wurde. Anschließend starteten die Angreifer Miner und versuchten, sich innerhalb der Infrastruktur auszubreiten.

Bisher zeigen die Daten, dass KI die Geschwindigkeit der Suche nach Softwarefehlern deutlich erhöht hat, aber keinen bestätigten Vorteil für Angreifer geschaffen hat. Der Haupteffekt solcher Tools besteht derzeit darin, dass Entwickler die Möglichkeit erhalten, Schwachstellen schneller zu finden und zu schließen, bevor sie ausgenutzt werden können.