Der moderne Krieg in der Ukraine hat sich in eine Schlacht der Algorithmen und neuronalen Netze verwandelt. Laut dem ukrainischen Verteidigungsministerium setzen die Verteidigungskräfte des Landes bereits aktiv mehr als 70 verschiedene Modelle von Systemen ein, die auf Technologien der künstlichen Intelligenz (KI) und maschinellen Bilderkennung basieren. Die Einführung dieser Technologien verändert die Prinzipien des Einsatzes unbemannter Systeme grundlegend, indem sie Algorithmen Aufgaben wie Navigation, Objektkennung und sogar die autonome Zielansteuerung überträgt.

Umfang der Produktion und Ökosystem der Entwicklung

In der Ukraine hat sich ein leistungsfähiges Ökosystem der Rüstungsproduktion etabliert, das auf hochtechnologische Lösungen ausgerichtet ist. Gegenwärtig beschäftigen sich mehr als 200 Unternehmen mit der Herstellung von Drohnen mit KI-Funktionen. Zur Koordination und Verbreitung der Entwicklungen wurde eine spezialisierte Marktplattform namens Brave1 Market geschaffen. Auf dieser Plattform stehen den Verteidigern bereits 46 verschiedene Lösungen im Bereich der künstlichen Intelligenz zur Verfügung. Dazu gehören Module zur Zielerkennung, Systeme zur optischen Stabilisierung und Algorithmen zur automatischen Zielansteuerung, die es Drohnen ermöglichen, auch unter schwierigen Bedingungen elektronischer Gegenmaßnahmen effektiv zu agieren.

Autonomie unter Bedingungen elektronischer Kampfführung

Ein entscheidender Vorteil der Einführung neuronaler Netze ist die Fähigkeit von unbemannten Fluggeräten, ohne ständigen Kontakt zum Operator zu agieren. Algorithmen der maschinellen Bilderkennung analysieren das Gelände und Orientierungspunkte unter dem Flugzeug und vergleichen diese mit geladenen Karten. Dies gewährleistet eine präzise Positionsbestimmung ohne GPS-Signal, sowohl tagsüber als auch nachts. Wenn sich die Drohne dem Ziel nähert, ermöglicht die computergestützte Bilderkennung das Erfassen des Objekts und die autonome Fortsetzung der Bewegung darauf zu. Dies ist von kritischer Bedeutung für die Bekämpfung von Zielen, wenn die Verbindung zum Operator aufgrund der aktiven Arbeit feindlicher Systeme der elektronischen Kampfführung (RЭB) unterbrochen wird.

Der Mensch bleibt im Entscheidungsprozess

Trotz des hohen Automatisierungsgrades bleibt die endgültige Entscheidung über die Auswahl und Bekämpfung eines Ziels beim Menschen. Algorithmen fungieren als fortschrittliches Werkzeug, das visuelle Informationen verarbeitet, feindliche Technik und Truppen erkennt, aber die ethische und taktische Kontrolle verbleibt beim Operator. Für den effektiven Betrieb dieser Algorithmen sind große Mengen verifizierter Daten erforderlich. In der Ukraine wurde eine geschützte Umgebung, der Brave1 Dataroom, geschaffen, in der Entwickler Zugang zu strukturierten Datensätzen für die Validierung, das Training und die Feinabstimmung (Fine-Tuning) von KI-Lösungen im militärischen Bereich erhalten.

Internationale Anerkennung und neue Modelle

Die Erfolge des ukrainischen Ingenieurwesens im Bereich der Drohnen erhalten internationale Anerkennung. Ein amerikanischer Hersteller hat die Veröffentlichung von See-Drohnen des Typs Magura angekündigt, die direkt im Verlauf der Kampfhandlungen in der Ukraine entwickelt und erprobt wurden. Darüber hinaus wurde der ukrainische Kampfdrohne „Februar“ zu einem Raketenträger modifiziert und erstmals auf einer internationalen Ausstellung in Großbritannien vorgestellt, was auf ein wachsendes Interesse westlicher Partner an ukrainischen Technologien hindeutet.