Kiew lebt bereits den siebten Tag in Folge im Zustand praktisch ununterbrochener Luftalarme, und das trifft alle Bereiche des städtischen Lebens, einschließlich der Einkaufs- und Unterhaltungszentren. Lavina Mall, Blockbuster Mall und Mandarin Plaza – die drei größten Objekte der Mandarin Plaza Group – schließen während jedes Alarms, was eine enorme operative Belastung für Mieter, Personal und Sicherheitskräfte erzeugt. Der Vorstandsvorsitzende der Mandarin Plaza Group, Alexander Tsernizkyj, beschrieb im Interview mit RBC-Ukraine das reale Bild des Betriebs der Einkaufszentren in der Hauptstadt unter Bedingungen, in denen die Sirene bis zu 11-mal täglich ertönen und jeder Alarm 20–30 Minuten dauern kann.
Jeder Alarm – ein vollständiger Stillstand
Laut Tsernizkyj lässt sich der Schaden durch den erzwungenen Stillstand derzeit nicht beziffern: „Bei uns funktioniert es nicht so, nicht von Tag zu Tag.' Die operativen Kosten sind jedoch offensichtlich. Bei jedem Signal schließen die Einkaufszentren vollständig: Mieter mit großen Schaufenstern beginnen, diese zu verschließen, manche lassen offene Kassenbelege liegen, manche hinterlassen Gegenstände. Die Sicherheitskräfte müssen sicherstellen, dass im Chaos keine Vorfälle auftreten. Die Foodcourts verwandeln sich in eine Notevakuierungszone – Besucher, die gerade erst zum Essen Platz genommen haben, müssen das Gelände unverzüglich verlassen. Tsernizkyj räumt ein, dass es manchmal Widerstand seitens der Kunden gibt, die um „noch zu Ende essen' oder „den Einkauf abschließen' bitten, aber die Sicherheit sei, so seine Worte, wichtiger als jedes kommerzielle Interesse.
Kundenstrom: unterschiedliches Muster – unterschiedliches Ergebnis
Das Verhalten der Besucher an Tagen mit anhaltenden Angriffen variiert nach Einschätzung des Leiters der Mandarin Plaza Group stark, je nach Lage des jeweiligen Einkaufszentrums und der Verkehrsanbindung. In Objekten in der Nähe der Metro ist die Logik des Wartens im Schutzraum verbreiteter; dorthin, wo die Menschen mit dem Auto anreisen, verlässt ein erheblicher Teil der Besucher sofort die Stadt. „Mancher kann es sich nicht leisten, einfach abzuhauen, und wartet im Schutzraum. Ein anderer steigt sofort in sein Auto und fährt nach Hause', beschreibt Tsernizkyj. Nach jedem Alarm kehrt ein Teil der Kunden nicht mehr zurück – sie verteilen sich bereits auf ihre Häuser, was den Tagesverkehr und die Erlöse der Mieter zusätzlich senkt.
Schutzräume: von unterirdischen Lagern bis zu speziellen Bauwerken
Die Frage der Sicherheitsinfrastruktur in den Einkaufszentren sei, so Tsernizkyj, gelöst. Dort, wo die Architektur des Gebäudes die Nutzung von unterirdischen Lagern mit massiven Platten erlaubte, waren die Schutzräume von Anfang an bereit. In den übrigen Fällen führte das Unternehmen zusätzliche Arbeiten zur Verstärkung und zum Bau spezieller Schutzbauwerke durch, die das Verfahren der Annahme und Anerkennung als Schutzräume durchlaufen haben. Das sei, so seine Worte, „bestimmte besondere Maßnahmen', ohne die der Betrieb unter den aktuellen Bedingungen unmöglich wäre.
Differenzierung der Alarme: Pro und Contra
Eine der am meisten in der Geschäftswelt diskutierten Fragen ist die Idee, die Alarme auf ein „gelbes' Niveau (Drohnenangriff) und ein „rotes' (Raketenbedrohung) zu trennen, wobei das Unternehmen das Recht erhalten würde, selbst zu entscheiden, ob es weiterarbeitet. Tsernizkyj verhielt sich dieser Initiative gegenüber vorsichtig: „Wie es uns gesetzlich vorgeschlagen wird, so werden wir es tun.' Gleichzeitig betonte er, dass das Kernproblem nicht in der Übertragung der Verantwortung liege, sondern im Fehlen eines klaren Mechanismus zur Bedrohungsbeurteilung. „Wer wird sagen: Da fliegen die Drohnen nicht in eure Richtung, und dann kommt es doch?', fragt er. Der Leiter der Mandarin Plaza Group betont, dass er für einen wissenschaftlichen Ansatz zur Differenzierung sei, aber vom Regulierer Präzision verlange: Wenn nachgewiesen sei, dass die Bedrohung beispielsweise auf Browary gerichtet ist, könne das Stadtzentrum arbeiten. Solange es jedoch an solcher Klarheit fehle, werde jede Entscheidung über die Fortsetzung des Betriebs zu einem Risiko, das das Unternehmen nicht auf sich nehmen wolle.
Widersprüchliche Daten
In den bereitgestellten Quellen wurden keine direkten faktischen Widersprüche festgestellt. Allerdings ist anzumerken, dass die Einschätzung „siebter Tag ununterbrochener Alarme' eine redaktionelle Framing-Aussage im einleitenden Teil des RBC-Ukraine-Materials ist und im Text des Interviews nicht durch konkrete chronologische Daten seitens Tsernizkyj gestützt wird. Der Leiter der Mandarin Plaza Group bestätigt oder widerlegt die genaue Anzahl der Tage nicht, sondern operiert mit der Kategorie „11-mal am Tag' als typischem Szenario. Außerdem bleibt die Frage nach dem Schaden offen: Das Unternehmen erklärt ausdrücklich, dass keine Berechnungen durchgeführt wurden, und jegliche Zahlenangaben in diesem Kontext wären spekulativ. Die zweite Quelle (retailers.ua) betrifft die Finanzfrage – die Aufnahme eines Kredits durch Mandarin Plaza mit Lavina Mall als Sicherheit – und überschneidet sich nicht mit dem operativen Thema des Interviews, bestätigt aber indirekt, dass die Gruppe trotz der aktuellen Einschränkungen eine aktive Finanzaktivität fortsetzt.