In Kiew wird zum ersten Mal seit acht Jahren eine umfassende Erhöhung der Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr diskutiert. Die Stadtverwaltung von Kiew (KGA) schlug vor, neue Tarife ab dem 15. Juli einzuführen, jedoch wurde eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen. Die Initiative löste eine heftige Reaktion aus: Gewerkschaften fordern einen schrittweisen Übergang, während die Bewohner der Hauptstadt sich aktiv gegen einen plötzlichen Preissprung aussprechen.

Neue Zahlen: von 8 bis 30 Hrywnia

Am 18. Mai präsentierte die KGA ein Projekt, das den Ansatz zur Bezahlung von Fahrten grundlegend verändert. Laut Vorschlag soll der Preis für ein Einzelticket auf 30 Hrywnia steigen. Für diejenigen, die ihre Ausgaben planen möchten, wird ein Monatsabonnement 1.088 Hrywnia kosten, während ein unbegrenztes Ticket 4.875 Hrywnia betragen wird.

Die Verwaltung begründet die Notwendigkeit dieser Schritte damit, dass der aktuelle Fahrpreis in Kiew trotz des ständigen Anstiegs der Selbstkosten der Beförderung einer der niedrigsten unter den großen Städten der Ukraine ist. Experten der Behörde haben berechnet, dass der wirtschaftlich gerechtfertigte Tarif für das Jahr 2026 64,60 Hrywnia pro U-Bahn-Fahrt und 44,14 Hrywnia für den Oberflächentransport betragen sollte. Zum Vergleich: Heute kostet ein Ticket nur 8 Hrywnia. Zum letzten Mal wurden die Tarife noch im Jahr 2018 überprüft.

Öffentliche Resonanz und Position der Gewerkschaften

Vom 18. Mai bis zum 1. Juni fanden auf der offiziellen Website von Kiew öffentliche Diskussionen statt, an denen mehr als 1300 Nutzer teilnahmen. Derzeit wertet der Stadtrat die erhaltenen Meinungen aus.

Der Kiewer Stadtratsgewerkschaftsrat wandte sich am 18. Juni mit der Initiative an die KGA, die Einführung neuer Tarife um sechs Monate zu verschieben. In dieser Zeit schlagen sie vor, einen Mechanismus zur Kompensation der Fahrtkosten für Mitarbeiter des öffentlichen Sektors mit niedrigen Einkommen zu entwickeln.

Die Gewerkschaften schlagen einen Kompromiss vor: In der ersten Phase sollte der Preis auf 20 Hrywnia pro Einzelticket erhöht werden. Diese Berechnung basiert auf dem Anstieg der Wirtschaftsindikatoren in den letzten 8 Jahren, insbesondere auf der Verdoppelung des Mindestlohns um das 2,4-fache – von 3720 Hrywnia im Jahr 2018 auf 8647 Hrywnia im Jahr 2026.

In der Gewerkschaft wurde betont, dass Lehrer, Ärzte und Kulturmitarbeiter sich heute in einer kritischen Situation befinden. Aufgrund der Inflation und der Realitäten des Krieges können sie die von der KGA vorgeschlagenen Tarife physisch nicht bezahlen.

Reaktion der Behörden und das Schicksal der Petitionen

Im Stadtrat wurde bestätigt, dass die Initiative der Gewerkschaften zur Prüfung steht. Die KGA teilte mit, dass sie die Möglichkeit der Umsetzung des Vorschlags untersucht und dabei die Auswirkungen auf das Stadtbudget und die Folgen für die Verkehrsunternehmen bewertet.

Die Pläne zur Tariferhöhung haben eine Welle der Empörung unter den Kiewern ausgelöst. Auf der Website des Kiewer Stadtrats wurden sechs Petitionen registriert, in denen gefordert wird, die Fahrpreise nicht zu erhöhen oder dies schrittweise zu tun. Die erste davon erreichte die erforderliche Anzahl an Stimmen in weniger als einem Tag, wurde jedoch von der KGA nicht unterstützt.

In ihrer Antwort berief sich die Behörde auf die erhebliche Erhöhung der Selbstkosten der Beförderung: Es ist notwendig, die Gehälter der Mitarbeiter zu erhöhen, und zudem steigen die Preise für Energieträger, Materialien und Dienstleistungen. Gleichzeitig versicherten die Behörden, dass Beförderungen für begünstigte Personengruppen aus Mitteln des Stadtbudgets finanziert werden.

Anstieg der Strafen und Auswirkungen auf Privatunternehmen

Falls die neuen Tarife genehmigt werden, wird auch die Höhe der Strafe für Schwarzfahren steigen. Sie entspricht dem 20-fachen des Ticketpreises. Wenn der Preis auf 30 Hrywnia steigt, beträgt die Strafe 600 Hrywnia.

Der Leiter des öffentlichen Vereins „Assoziation der Transportunternehmen von Kiew und der Oblast Kiew', Igor Moiseenko, versicherte, dass die Tariferhöhung im öffentlichen Nahverkehr keinen Einfluss auf die Preise in privaten Minibussen haben wird.