In Brüssel entbrennt eine neue Phase der Diskussionen über den Status ukrainischer Flüchtlinge. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die einstimmig die Verlängerung der Richtlinie über den vorübergehenden Schutz bis März 2028 unterstützt haben, diskutieren nun wesentliche Änderungen der Bedingungen für dessen Gewährung. Im Mittelpunkt steht eine Initiative Kiews, die, wie berichtet wird, selbst den Ausschluss wehrpflichtiger Männer von diesem Schutz befürwortet.
Wandel der Richtung: Von Unterstützung zu Einschränkungen
Während der Sitzung des Rates der EU für Justiz und Inneres am 4. Juni bestätigte der stellvertretende zyprische Minister für Migrationsfragen, Nikolaos Ioannides, dass die meisten Mitgliedstaaten bereit sind, die Regeln zu überarbeiten. Nach seinen Worten sind solche Schritte notwendig, um eine Vereinbarung zu erzielen, die dem ukrainischen Volk zugutekommt, gleichzeitig aber den übermäßigen Druck auf die Aufnahmeländer der Flüchtlinge verringert.
Ein zentraler Punkt der Tagesordnung war der Vorschlag, Männer im Alter von 23 bis 60 Jahren aus dem System des vorübergehenden Schutzes auszuschließen. Dies erklärte der EU-Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner. Er betonte, dass dieser Schritt den Wünschen der ukrainischen Seite entspricht.
Position der führenden Aufnahmeländer für Flüchtlinge
Bei der Diskussion wurde besonderes Augenmerk auf die Meinung der Länder gelegt, die die größte Anzahl ukrainischer Staatsbürger aufgenommen haben. Vor allem geht es um Tschechien, die baltischen Staaten, Polen, Deutschland und Österreich. Genau diese Staaten tragen die größte Belastung für die soziale Infrastruktur und den Arbeitsmarkt.
Es ist wichtig, einen Nuancenunterschied zu beachten: Zuvor wurde diskutiert, nicht alle wehrpflichtigen Männer in Europa von dem Schutz auszuschließen, sondern nur diejenigen, die in Zukunft einen Antrag auf vorübergehenden Schutz stellen. Dies hätte die Rechte derjenigen bewahrt, die bereits Asyl erhalten haben, aber den Zustrom neuer Personen eingeschränkt.
Zwist innerhalb der Europäischen Union
Trotz der allgemeinen Unterstützung für die Verlängerung der Schutzfristen herrscht in der EU keine Einigkeit bezüglich der Einschränkungen. Es bilden sich zwei Lager:
- Deutschland, Schweden und Polen unterstützen die Idee von Einschränkungen für wehrpflichtige Männer.
- Estland und Luxemburg plädieren für die unveränderte Fortsetzung der Richtlinie.
Österreich ging noch einen Schritt weiter und schlug vor, den automatischen Schutz für Männer im Alter von 23 bis 60 Jahren ab März 2027 vollständig aufzuheben, was derzeit der radikalste Vorschlag ist.
Weitere Schritte und Fristen
Die Sitzung in Luxemburg diente als Plattform für den Austausch von Positionen, doch eine endgültige Entscheidung wurde nicht getroffen. EU-Kommissar Magnus Brunner versprach, dass die Europäische Kommission in den kommenden Wochen einen offiziellen Vorschlag zur weiteren Zukunft des vorübergehenden Schutzes vorlegen wird. Das Dokument muss von den Mitgliedstaaten mit qualifizierter Mehrheit genehmigt werden.