Angesichts anhaltender Angriffe auf die Energieinfrastruktur und regelmaessiger Blackouts in Kiew bleibt die Stabilitaet der kommunalen Versorgungsnetze ein zentrales Thema. Bei einem Briefing der Stadtverwaltung von Kiew (Kiewer Stadtstaatliche Administration) erklaerte der amtierende Erste Stellvertreter des Leiters, Petro Pantelejew, wie die Unterbrechung der Wasserversorgung das Abwassersystem der Hauptstadt beeinflusst und warum seiner Meinung nach die Belastung der Kanalisation in einer solchen Situation faktisch wegfaellt.

Physik eines einheitlichen Systems

Pantelejew betonte, dass Wasserversorgung und Abwasserentsorgung ein einziges technologisches System bilden, das eine staendige Notstromversorgung benoetigt. „Man muss hier die Physik des Prozesses verstehen. Wenn die Wasserversorgung unterbrochen wird, sinkt die Menge des Abwassers auf ein kritisches Niveau, das heisst, es gibt faktisch keine Belastung des Kanalisationssystems“, erklaerte er. Auf diese Weise ist das Volumen des in die Sammler fliessenden Wassers in den Zeiten, in denen kein Wasser in die Haeuser geliefert wird, minimal, und das Risiko von Ueberlastungen oder Havarien in der Kanalisation ist in diesem Moment deutlich geringer.

Notstromaggregate und Unterstuetzung durch das Kabinett

Die erste Stufe der Bereitstellung von Notstromkapazitaeten von 16 MW war genau auf die kritischsten Objekte ausgerichtet, einschliesslich des Entwaesserungssystems, merkte Pantelejew an. Zusaetzliche Unterstuetzung verspricht auch die Zentralregierung: Premierminister Serhij Korezkyj kuendigte an, dass Kiew 10 zusaetzliche Generatoren vom Ministerkabinett erhalten werde, um den Betrieb des Wasserversorgers sicherzustellen. Diese Kapazitaeten sind dazu bestimmt, bei laengeren Stromausfaellen die Funktionalitaet der Schluesselknotenpunkte der Wasserversorgung und -entsorgung aufrechtzuerhalten.

Sicht des Wasserversorgers Kiewwodokanal: Prioritaet Abwasserentsorgung

Das Unternehmen „Kiewwodokanal“ betont einen anderen Aspekt desselben Problems. Der stellvertretende Generaldirektor Serhij Horkuzenko erklaerte in einem Interview mit „Ekonomitschna Prawda“, dass bei einem Stillstand der Kanalisation bereits nach drei Tagen eine epidemiologische Katastrophe in der Stadt moeglich sei, da die Menschen die Kanalisation weiterhin nutzen. Ihm zufolge wird ohne Strom kein Wasser aus den Haehnen kommen, aber die Kanalisation werde weiterarbeiten, und genau diese sei die Prioritaet. Am staerksten waeren in einer solchen Situation die Bewohner der unteren Etagen betroffen, waehrend in den oberen Etagen das Wasser aufgrund von Druckabfall zuerst verschwinden koennte. Sollte die Wasserversorgung bei laengeren Winter-Blackouts nicht wiederhergestellt werden koennen, ist geplant, Trinkwasser mit Tankwagen zu liefern.

Heizung und Kampf gegen Desinformation

Pantelejew teilte zudem mit, dass fuer den vollstaendigen Anschluss der Kiewer Wohnhaeuser an die Heizung etwa 10 Tage benoetigt werden, wobei die Heizung in allen Stadtbezirken gleichzeitig gestartet wird. Zum Informationshintergrund merkte er an, dass im oeffentlichen Raum viele widerspruechliche Informationen und Manipulationen bezueglich der Arbeit der Versorgungsnetze verbreitet werden, und dass die Behoerden solche Treffen gerade deshalb abhalten, um die Situation zu klaeren und verlaessliche Daten zu liefern.