Ab dem 15. Juli treten in Kiew neue Fahrpreise für den öffentlichen Nahverkehr in Kraft. Diese Entscheidung ist das Ergebnis langwieriger Diskussionen und des Versuchs, einen Ausgleich zwischen wirtschaftlichen Realitäten und den Möglichkeiten der Bürger zu finden. Der Preis für ein Einzelticket im kommunalen Verkehr – U-Bahn, Busse, Straßenbahnen und Trolleybusse – beträgt nun 30 Hrywnja. In Minibus-Taxen (Marshrutkas) ist der Preis auf 25 Hrywnja gestiegen.

Progressives Rabattsystem: Je mehr, desto günstiger

Die Stadtverwaltung von Kiew hat nicht nur die Preise erhöht, sondern auch ein progressives Rabattsystem für Stammkunden eingeführt. Je mehr Fahrten Sie beim Aufladen Ihrer Verkehrskarte bezahlen, desto niedriger ist der Preis pro Fahrt. Beispielsweise sinkt der Preis pro Fahrt auf 25 Hrywnja, wenn Sie 50 Fahrten kaufen. Dies ermöglicht häufigen Nutzern des öffentlichen Verkehrs eine Ersparnis von bis zu 16,7 % pro Fahrt.

Für diejenigen, die eine feste Zahlung bevorzugen, ist ein unbegrenzter Monatsausweis für alle Arten von kommunalem Verkehr verfügbar – sein Preis beträgt 4875 Hrywnja. Diese Option kann für Personen vorteilhaft sein, die den Verkehr täglich mehr als 160 Mal im Monat nutzen.

Warum die Preiserhöhung unvermeidlich ist? Zahlen der Stadtverwaltung

Die Staatliche Stadtverwaltung von Kiew (KGGA) begründet die Notwendigkeit der Preiserhöhung mit steigenden Energiekosten und enormen jährlichen Subventionen, die derzeit etwa 12 Milliarden Hrywnja betragen. Nach Berechnungen der Experten sollte der wirtschaftlich gerechtfertigte Tarif für das Jahr 2026 64,60 Hrywnja pro U-Bahn-Fahrt und 44,14 Hrywnja für den Oberflächennahverkehr betragen. Die aktuelle Erhöhung ist nur der erste Schritt zu diesem Niveau.

Auch private Verkehrsbetriebe erhöhen die Preise

Igor Moiseenko, Leiter der „Assoziation der Verkehrsbetriebe von Kiew und der Region Kiew“, bestätigte, dass auch private Verkehrsbetriebe den Fahrpreis auf 25 Hrywnja erhöhen. Dies macht die Tarifpolitik für alle Akteure auf dem Markt des öffentlichen Nahverkehrs der Hauptstadt einheitlich.

Begünstigungen bleiben erhalten, aber Strafen steigen

Die KGGA versicherte, dass die Preiserhöhung die Beförderungsleistungen für berechtigte Personen nicht aufhebt. Wie zuvor werden die Kosten für kostenlose oder ermäßigte Beförderungen der entsprechenden Personengruppen aus dem städtischen Haushalt gedeckt. Allerdings steigt mit der Erhöhung der Tarife automatisch auch die Haftung für Schwarzfahrene. Gemäß den Regeln beträgt die Strafe das 20-fache des Preises einer einzelnen Fahrt. Das bedeutet, dass ab dem 15. Juli die offizielle Strafe für Schwarzfahrer im öffentlichen Verkehr auf 600 Hrywnja steigen wird.

Öffentliche Reaktion: Petitionen und Eingaben

Der Entwurf zur Tariferhöhung wurde der KGGA bereits am 18. Mai vorgelegt und stieß sofort auf Unmut bei den Kiewern. Eine Petition zur Aufhebung der neuen Tarife sammelte weniger als einen Tag lang die erforderlichen 6.000 Stimmen. Die Behörden lehnten diesen Antrag jedoch ab. Der Gewerkschaftsrat der Stadt Kiew wandte sich ebenfalls an die KGGA mit der Bitte, die Einführung der neuen Tarife um 6 Monate zu verschieben und die Preiserhöhung schrittweise vorzunehmen, indem zunächst der Preis auf 20 Hrywnja erhöht wird. Dies hatte jedoch keinen Einfluss auf die Entscheidung der Behörden.

Die neuen Tarife sind nicht nur eine digitale Änderung, sondern ein Signal für die Notwendigkeit der Anpassung des städtischen Transportsystems an moderne wirtschaftliche Bedingungen. Für die Passagiere bedeutet dies die Notwendigkeit, Gewohnheiten zu überdenken und die vorteilhaftesten Zahlungsoptionen zu wählen. Für die Stadt ist es eine Möglichkeit, die Belastung des Haushalts zu verringern und die Nachhaltigkeit der Verkehrsinfrastruktur langfristig zu gewährleisten.