In Kiew entbrennt eine neue Runde der öffentlichen Debatte über die Sicherheit im städtischen Raum. Auf der offiziellen Website der Staatlichen Stadtverwaltung von Kiew (KGGА) erschien eine Petition mit der Forderung, die Tätigkeit von E-Tretroller-Verleihservices in der Hauptstadt vollständig zu verbieten. Die Initiative, deren Urheber Dmytro Kowalskyj ist, hat bereits fast 600 Stimmen gesammelt und strebt das Schwellenwert von 6000 Unterschriften an, die für eine obligatorische Prüfung durch die Behörden erforderlich sind.

Sicherheit von Fußgängern: Von Beschwerden zum Verbot

Der Verfasser der Petition begründet seinen Vorschlag mit ernsthaften Bedrohungen, die seiner Meinung nach durch Mikromobilitätsfahrzeuge entstehen. Im Text des Schreibens werden Vorfälle detailliert beschrieben, die den Auslöser für die Unterschriftensammlung bildeten: Überfahren von Fußgängern, einschließlich Kindern und älteren Menschen, sowie Verletzungen von Passagieren, die bei der Beförderung mehrerer Personen auf einem einzigen Roller erlitten wurden. Kowalskyj behauptet, dass die bestehenden Vereinbarungen zwischen der Stadt und den Verleihservice-Betreibern ineffektiv waren und das Problem der chaotischen Nutzung der Gehwege nicht lösen.

„Mikromobilität auf Gehwegen ist zu einer echten Bedrohung für die Gesundheit und das Leben der Stadtbewohner geworden', heißt es in der Petition. Besonderes Augenmerk wird auf die Blockierung der Fußgängerinfrastruktur gelegt, wenn Roller an unzulässigen Stellen abgestellt werden und die Gehwege zu gefährlichen Labyrinthen für die Fortbewegung verwandeln.

Das Präzedenzfall von Tscherniwzi: Ein Vorbild für die Hauptstadt

Als erfolgreiches Beispiel zur Lösung des Problems führt der Verfasser der Petition die Situation in Tscherniwzi an. Im August 2026 fassten die Behörden dieser Stadt den radikalen Beschluss, den Verleih von E-Tretrollern vollständig zu verbieten. Dieser Schritt wurde nach massiven Beschwerden der Einwohner über chaotisches Parken und die tatsächliche Gefahr für Fußgänger unternommen. Den Betreibern wurden nur zwei Wochen gegeben, um ihre Fahrzeuge von den Straßen der Stadt zu entfernen, was faktisch die Auflösung der Kooperationsmemoranden bedeutete.

Anhänger der kiewischen Initiative fordern den Bürgermeister der Hauptstadt auf, dem Beispiel von Tscherniwzi zu folgen, und behaupten, dass Kompromisse nicht mehr funktionieren und der einzige Ausweg ein vollständiges Verbot der Tätigkeit der Betreiber ist.

Fristen und Prüfungsmechanismus

Die Petition muss innerhalb von 54 Tagen die erforderlichen 6000 Unterschriften sammeln. Derzeit unterstützen 582 Personen die Initiative. Wenn die Schwelle überschritten wird, sind die kiewischen Behörden verpflichtet, das Schreiben offiziell zu prüfen und innerhalb der gesetzlich festgelegten Frist zu antworten. Dies könnte der erste Schritt zur Überarbeitung des gesamten Mikromobilitätssystems in der ukrainischen Hauptstadt sein.

Widersprüchliche Daten

Obwohl die Initiatoren der Petition auf die vollständige Ineffektivität der aktuellen Regulierung bestehen, kann die Position der Stadtbehörden und der Verleihservice-Betreiber abweichen. Befürworter der Entwicklung der Mikromobilität argumentieren, dass E-Tretroller ein wichtiger Bestandteil des umweltfreundlichen Verkehrs sind, der das Problem der „letzten Meile' löst. Sie behaupten, dass das Problem nicht in den Geräten selbst liegt, sondern in der Fahrkultur und der unzureichenden Kontrolle durch die Polizei, und nicht in der Notwendigkeit eines vollständigen Verbots. Darüber hinaus weisen einige Experten darauf hin, dass das Verbot in Tscherniwzi zu steigenden Taxipreisen und einer verringerten Mobilität in der Stadt geführt hat, was ein starkes Argument für die Gegner eines vollständigen Verbots in Kiew sein könnte.