Nach dem massiven Beschuss am 3. November 2026, infolge dessen drei Wärmekraftwerke die Stromerzeugung einstellten, befand sich Kiew in der schwierigsten Situation bei der Stromversorgung unter allen ukrainischen Städten außerhalb der Frontzone. Der Direktor des Zentrums für Energieforschung, Oleksandr Chartschenko, bewertete im Interview mit RBC-Ukraine den aktuellen Zustand des Energiesystems als "schwierig, aber absolut kontrollierbar", betonte jedoch, dass gerade die Hochspannungsnetze der Hauptstadt derzeit dem größten Druck durch russische Schläge ausgesetzt seien.

Die Erzeugung hielt stand, aber die Netze stehen unter ständigem Feuer

Laut Chartschenko bleibt die gesamte Erzeugungskapazität des Energiesystems trotz der Schäden an drei Wärmekraftwerken ausreichend. "Was die allgemeine Erzeugungskapazität betrifft, ist die Lage besser als bei den Hochspannungsnetzen, die leider derzeit erheblich leiden und unter ständigem Beschuss stehen", bemerkte der Experte. Gerade die von "Ukrenergo" verwalteten Hochspannungsleitungen, die Strom nach Kiew transportieren, sind zum Hauptziel des russischen Drucks geworden. Das bedeutet, dass das Problem nicht im Mangel an erzeugtem Strom liegt, sondern in der Unmöglichkeit, ihn ungehindert zu den Verbrauchern in der Hauptstadt zu liefern.

Die größte Herausforderung: Reparaturen im Fadenkreuz von Drohnen

Als Schlüsselfaktor, der die Wiederherstellung erschwert, nannte Chartschenko die systematischen Angriffe auf Reparaturteams. "Sie blockieren im Grunde die Reparaturarbeiten, indem sie wichtige Hochspannungsnetze ständig unter Beschuss halten... Die Teams können einfach nicht mit der Arbeit beginnen, weil ständig Drohnen über den Objekten hängen, sie kreisen dort demonstrativ, und es ist klar, dass niemand Mitarbeiter einem Angriff aussetzen wird", erklärte der Experte. Seiner Einschätzung nach ist die Luftverteidigung das einzige Instrument, das Reparaturen freigeben kann: Wenn die Luftverteidigung die Sicherheit der Reparaturteams zwischen den massiven Beschüssen gewährleistet, "werden die Kiewer buchstäblich innerhalb einer Woche eine sehr deutliche Verbesserung der Situation spüren". Gleichzeitig räumt Chartschenko ein, dass es unmöglich sei, ballistische Raketen mit bestehenden Mitteln zu stoppen, aber die Drohnen, die eine ständige Bedrohung für das Personal darstellen, müssten neutralisiert werden.

Worst-Case-Szenario: vier bis zwölf Stunden ohne Licht

Auf die Frage nach den maximalen Einschränkungen räumte der Experte ein, dass im schlimmsten Fall die Stromversorgungspläne für Kiew Zeiträume von 4–6–8 Stunden pro Tag vorsehen könnten, er selbst halte eine solche Variante jedoch für unwahrscheinlich. "Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es so kommen wird", erklärte Chartschenko. Er erläuterte den Mechanismus der Planerstellung: Nach einem Schlag und einem Notabschalten nehmen vorrangige Reparaturen und die Organisation von Reserveversorgungsrouten 6–8 Stunden in Anspruch. Danach treten planmäßige Einschränkungen in Kraft, die laut Einschätzung des Experten "nicht schlechter als 12 Stunden Einschränkung pro Tag sein werden, selbst in den traurigsten Varianten". Eine vollständige Abschaltung der Hauptstadt vom verbundenen Energiesystem für anderthalb Tage oder länger sei seiner Meinung nach ausgeschlossen.

Kiew ist nicht die einzige, aber die am stärksten gefährdete Großstadt

Chartschenko stellte klar, dass die Situation in der Frontzone objektiv immer schwieriger sei und Kiew dort keine "Konkurrenten" habe. Unter den Städten im Hinterland hat jedoch gerade die Hauptstadt die größten Schwierigkeiten, was durch ihre Größe zu erklären ist: "Kiew ist größer, das bedeutet mehr Verbrauch, mehr Herausforderungen". Der Experte merkte separat an, dass die Situation in Dnipro, Krywyj Rih, Odessa und Charkiw ebenfalls schwierig sei, aber nicht das Niveau der Anspannung in der Hauptstadt erreiche. Russland, so Chartschenko, "habe sich darauf konzentriert" – das heißt, es schränkt gezielt den Stromfluss nach Kiew ein, und dieses Szenario sei bei der Vorbereitung des Energiesystems auf die Übergangszeit bereits vorhergesehen worden.

Risiko kaskadierender Ausfälle: Strom, Wasser, Wärme

Zum Abschluss des Gesprächs ging der Journalist zur Frage eines möglichen gleichzeitigen Ausfalls der Versorgung mit Strom, Wasser und Wärme über. Die Quelle bricht an dieser Stelle ab, aus dem Kontext des Interviews geht jedoch hervor, dass Chartschenko diese Systeme als miteinander verbunden betrachtet: Einschränkungen bei Erzeugung und Transportkapazitäten betreffen zwangsläufig Pumpstationen der Wasserversorgung und Heizwerke. Der Experte wies zuvor darauf hin, dass bei der Wiederherstellung der Hochspannungsnetze innerhalb einer Woche die Einschränkungen "jeden Tag" abnehmen würden, was indirekt die Wahrscheinlichkeit einer lang anhaltenden gleichzeitigen Abschaltung aller drei Versorgungssysteme verringert.