Der nordkoreanische Staatsführer Kim Jong-un hat persönlich eine neue Industrieanlage inspiziert, die mit der Produktion von Kernmaterialien in Verbindung steht. Während der Inspektion erteilte er den direkten Befehl, das nukleare Potenzial des Landes „exponentiell“ auszubauen. Diese Erklärung erfolgte vor dem Hintergrund einer Verschärfung der regionalen Spannungen und eines zunehmenden außenpolitischen Drucks auf Pjöngjang.

Inspektion einer geheimen Anlage

Das staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichte Fotos des Besuchs von Kim Jong-un. Auf den Bildern ist der Führer dabei zu sehen, wie er Ausrüstung begutachtet, die Experten zufolge eine Urananreicherungsanlage darstellt. Analysten gehen davon aus, dass die Anlage Teil des berühmten Komplexes Yongbyon ist, dem Zentrum der nuklearen Programms des Landes.

Während des Besuchs nannte Kim Jong-un beeindruckende Zahlen: In den letzten fünf Jahren haben sich die Produktionskapazitäten Nordkoreas für militärische Materialien im Vergleich zum vorherigen Niveau mehr als verdoppelt. Der Staatschef betonte, dass die derzeitige Erweiterung ein „lebensnotwendiger“ Schritt sei, um einen mächtigen Arsenalkomplex zu schaffen, der der „feindlichen Politik der USA“ und anderen Sicherheitsbedrohungen standhalten kann.

Strategie der „doppelten Spur“ und Reaktion des Westens

Der Befehl zur weiteren Steigerung der Produktionsmengen zielt darauf ab, die langfristigen strategischen Ziele Pjöngjangs zu erreichen. Diese Entscheidung fügt sich in eine Politik ein, die der Führer bereits im September des vergangenen Jahres verkündet hat und die eine gleichzeitige Entwicklung der nuklearen Streitkräfte und der konventionellen Streitkräfte vorsieht. Die Ständige Vertretung Nordkoreos bei den Vereinten Nationen hatte zuvor bereits erklärt, dass der Status des Landes als Atomstaat irreversibel ist.

Analysten von Bloomberg stellen fest, dass die Erklärung von Kim Jong-un zu einem kritischen Zeitpunkt erfolgte. In den letzten Monaten hat Nordkorea die Tests von ballistischen Raketen verschiedener Typen intensiviert und die militärisch-technische Zusammenarbeit mit Russland vertieft, was im Westen ernste Besorgnis auslöst. Zuvor hatte auch die IAEA gewarnt, dass Pjöngjang seine Fähigkeiten zur Herstellung von Atomwaffen wahrscheinlich erheblich ausgebaut hat.

Trotz des Drucks seitens der UNO baut Nordkorea seinen Atomwaffenarsenal weiter aus. Nach vorliegenden Angaben reichen die derzeitigen Kapazitäten des Landes für die Herstellung von etwa 20 neuen Sprengköpfen pro Jahr.