Die Lage an der Kinburner Sandbank bleibt angespannt: Die ukrainischen Streitkräfte setzen ihre Angriffe auf die Logistikrouten des Gegners fort, doch es ist derzeit verfrüht, von einem vollständigen Abzug russischer Truppen aus diesem strategischen Gebiet zu sprechen. Dies erklärte der Sprecher der Verteidigungskräfte Süd, Wladislaw Woloschin, in einem Kommentar an RBC-Ukraine.
Logistischer Druck und Feuerüberwachung
Laut Angaben der ukrainischen Streitkräfte wird die Landverbindung zur Sandbank über zwei Hauptstraßen sichergestellt: eine asphaltierte und eine unbefestigte Straße. Letztere wird bei schlechtem Wetter unpassierbar, was die Manövrierfähigkeit des Gegners erheblich einschränkt. Derzeit versuchen ukrainische Einheiten, diese Arterien vollständig unter Feuerüberwachung zu stellen, einschließlich derjenigen, die durch den vorübergehend besetzten Teil der Oblast Cherson führen.
Als Ergebnis dieser Aktionen wurde die Bewegung von Militärfahrzeugen erschwert. Russische Einheiten sind gezwungen, sich vor Drohnenangriffen zu verstecken und ihre Positionen zu tarnen, doch dies hat nicht zu einer Evakuierung der Kräfte vom Gebiet der Sandbank geführt.
Rotation statt Rückzug
Statt des erwarteten Rückzugs findet an der Kinburner Sandbank eine aktive Rotation des Personals statt. Laut Woloschin trifft im Einsatzgebiet das 78. separate motorisierte Schützenregiment der 58. Armee der Russischen Föderation ein. Es soll das 137. Luftlanderegiment der 106. Luftlandedivision ablösen.
„Ich würde mich nicht beeilen zu sagen, dass der Gegner die Sandbank verlässt. Dort finden derzeit Rotationsmaßnahmen feindlicher Einheiten statt, die dort stationiert sind und ihre Aufgaben erfüllen“, betonte der Sprecher.
Widerlegung von Gerüchten über die Evakuierung
Zuvor berichtete das Institut für das Studium des Krieges (ISW) über einen möglichen Abzug russischer Soldaten aus dem nördlichen und westlichen Teil der Kinburner Sandbank. Die Analysten bezogen sich auf Daten der Partisanenbewegung Atesch und behaupteten, dies sei nach dem Durchschneiden der Versorgungsrouten durch ukrainische Kräfte geschehen. Die offizielle Position der ukrainischen Streitkräfte widerlegt jedoch die Version eines vollständigen Abzugs des Gegners.
Wladislaw Woloschin stellte fest, dass die russischen Truppen nicht einmal beabsichtigen, die Position freiwillig zu verlassen. „Natürlich wäre es sehr gut, wenn sie dort herauskämen. Aber sie haben nicht einmal vor, dort herauszukommen. Daher müssen Anstrengungen unternommen werden, um sie zu vernichten und von der Kinburner Sandbank zu vertreiben“, erklärte er.