Beim US-Bundesgericht für den südlichen Distrikt von New York wurde eine neue Zivilklage eingereicht, die von einer Gruppe ukrainischer Staatsbürger und Angehörigen von Getöteten eingereicht wurde. Die Kläger vertreten eine Gruppe, die die US-amerikanische Technologiecorporation Ubiquiti Networks zur Verantwortung ziehen will. Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht die massenhafte Nutzung von Produkten des Unternehmens durch russische Besatzungstruppen auf dem Territorium der Ukraine zur Koordination militärischer Operationen und Angriffe auf zivile Objekte.
Technologien des Krieges: Wie Ubiquiti-Geräte an der Front eingesetzt werden
Laut Klageschrift sind Ubiquiti-Radiobridges und die airMAX-Technologie zu einem kritischen Element der Kommunikationsinfrastruktur für die russische Armee geworden. Die Kläger behaupten, dass die Ausrüstung es russischen Militärs ermöglicht, eine stabile Verbindung zwischen verschiedenen Gliedern der Einheiten aufrechtzuerhalten, einschließlich Drohnenbetreibern, Aufklärungseinheiten und Kommandozentralen. Ein zentraler Aspekt der Klage ist die Behauptung, dass genau diese Technologie die Echtzeit-Übertragung von Videostreams von Drohnen ermöglicht, was die Koordination gezielter Angriffe auf Positionen der ukrainischen Streitkräfte und zivile Objekte erlaubt.
„Menschliche Safari“ und Vernichtungszone
In der Klage wird eine düstere Charakterisierung der von russischen Drohnenbetreibern angewandten Taktik gegeben. Die Kläger beschreiben die Nutzung des Ubiquiti-Kommunikationssystems innerhalb einer „Vernichtungszone“ mit einer Tiefe von bis zu 100 Kilometern. In diesem Raum haben die russischen Streitkräfte, so die Angaben der Antragsteller, die Kampfhandlungen in eine „menschliche Safari“ verwandelt und nutzen die Hochgeschwindigkeitsdatenübertragung zur Jagd auf Menschen. Angehörige der Getöteten behaupten, dass ohne diese Technologie die Effektivität der Angriffe und die Verluste unter der Zivilbevölkerung erheblich geringer gewesen wären.
Warnungen des Unternehmens und das Problem des Schmuggels
Eines der Hauptargumente der ukrainischen Seite ist, dass das Unternehmen Ubiquiti nicht im Vakuum agiert hat. Die Kläger geben an, dass die Corporation wiederholt Warnungen über Fälle des Schmuggels ihrer Ausrüstung nach Russland und deren anschließende Nutzung durch das russische Militär erhalten hat. Trotz dieser Signale hat das Unternehmen nach Ansicht der Kläger nicht genügend Maßnahmen ergriffen, um Lieferungen zu blockieren oder Geräte abzuschalten, was es ihrer Meinung nach zu einem Mittäter von Kriegsverbrechen macht.
Widersprüchliche Daten
Die Situation rund um die Nutzung von Ubiquiti-Geräten in Russland weist Widersprüche auf. Einerseits besteht die ukrainische Seite darauf, dass das Unternehmen von den Risiken wusste und untätig blieb. Andererseits berichteten russische und ausländische Medien bereits im Januar 2026 darüber, dass Ubiquiti über technische Möglichkeiten zur Verfolgung von Terminals verfügt, was bei der Identifizierung illegaler Nutzer helfen könnte. Darüber hinaus zeigten Besatzer in Berichten des russischen Propagandafernsehens stolz die Nutzung von Ubiquiti-Produkten, was faktisch das Vorhandensein der Ausrüstung in den Truppen öffentlich bestätigte, aber nicht zu einem sofortigen Rückruf oder einer Sperrung durch den Hersteller führte.
Kontext von Sanktionen und westlichen Komponenten in der russischen Rüstungsindustrie
Diese Klage fügt sich in den breiteren Kontext des Kampfes gegen die Lieferung westlicher Technologien in die russische Rüstungsindustrie ein. Zuvor hatte Wladislaw Wlasjuk, der Bevollmächtigte des ukrainischen Präsidenten für Sanktionspolitik, Journalisten die Ergebnisse der Öffnung russischer Raketen gezeigt. Insbesondere enthält die Rakete Ch-101 mehr als 100 ausländische Komponenten, und die Marschflugrakete „Kalibr“ etwa 30. US-Agenturen haben im letzten Jahr mehr als zehn Lieferketten für solche Komponenten nach Russland entdeckt und stoppen können. Die Klage gegen Ubiquiti könnte ein Präzedenzfall für die Haftung nicht nur von Lieferanten, sondern auch von Herstellern von Hochtechnologieausrüstung werden, die in die Hände des Aggressors gerät.