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title: "Wenn der Fluss den Reaktor nicht mehr kühlt: Der Sommer 2026 offenbarte die klimatische Verwundbarkeit der Kernenergie"
description: "Der Sommer 2026 offenbarte die Verwundbarkeit der Kernstromerzeugung: Dürre und die Vertiefung der Donau zwangen die Kernkraftwerke Ungarns, Rumäniens und Bulgariens, ihre Leistung zu drosseln. Für die Ukraine, in der die Kernenergie mehr als 60 % des Stroms liefert, ist dies ein direktes Klimarisiko."
date: 2026-09-14T08:40:00.000Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/klimarisiko-kernenergie-2026
tags: [nuclear-energy, climate-change, water-shortage, ukraine-energy, danube]
publisher: "XAB.info"
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# Wenn der Fluss den Reaktor nicht mehr kühlt: Der Sommer 2026 offenbarte die klimatische Verwundbarkeit der Kernenergie

![Когда река перестала охлаждать реактор: лето 2026-го обнажило климатическую уязвимость атомной энергетики](https://xab.info/media/2026/09/14/klimat-ugroza-atomnoj-energetike/klimat-ugroza-atomnoj-energetike-1.webp)

Die Kernenergie wird traditionell als zuverlässige, günstige und kohlenstoffarme Stromquelle präsentiert. Doch der Sommer 2026 zeigte eine andere Seite dieser Technologie und stellte die Frage, wie resilient die Kernstromerzeugung unter den Bedingungen eines sich wandelnden Klimas ist und ob man die Abhängigkeit davon ohne Diversifizierung des Energiesystems ausbauen sollte. Dies erklärte Anastasia Jachnjuk, Projektkoordinatorin der NGO „Ekoklub', in einer Kolumne für RBC-Ukraine. Ihren Worten zufolge mussten die Kernkraftwerke in Frankreich, der Schweiz, Ungarn, Rumänien und Bulgarien in diesem Jahr ihre Stromerzeugung drosseln: Einige Blöcke wurden auf reduzierte Leistung umgestellt, einzelne Reaktoren vollständig stillgelegt. Ursache war eine extreme Dürre und ein rekordniedriger Wasserstand, vor allem in der Donau — einem der größten Flüsse Europas, entlang dessen die Kernkraftwerke „Paks' (Ungarn), „Cernavodă' (Rumänien) und „Kozloduy' (Bulgarien) liegen.

### Warum Wasser eine kritische Ressource einer Kernkraftanlage ist

Die Verwundbarkeit der Kernenergie gegenüber solchen Bedingungen erklärt sich durch die Physik des Prozesses selbst. Der Reaktor erzeugt nicht nur Strom, sondern auch eine enorme Menge an Wärme, von der etwa zwei Drittel kontinuierlich an die Umgebung abgeführt werden müssen. Deshalb wird Wasser zu einer der Schlüsselressourcen für den Betrieb eines Kernkraftwerks. Laut Daten des Instituts für Kernenergie benötigt ein Reaktor zwischen 1.514 und 2.725 Litern Wasser pro erzeugtem MWh — das sind Hunderte von Milliarden Litern im Jahr. Unter den Bedingungen des Klimawandels können langanhaltende Dürren, sinkende Wasserstände und steigende Wassertemperaturen die Möglichkeiten der Kühlsysteme einschränken und ein direktes Risiko für die Stromerzeugung darstellen.

### Paks, Cernavodă, Kozloduy und Beznau: Wie die Betreiber reagierten

Ein anschauliches Beispiel war das einzige ungarische Kernkraftwerk — „Paks'. Im August bereitete es sich aufgrund ungünstiger Kühlbedingungen auf eine Drosselung der Blockleistung vor; laut Reuters traten während der 44-jährigen Betriebszeit der Anlage erstmals derart kritische Bedingungen für das Kühlsystem auf. Nach einem kurzzeitigen Anstieg des Wasserstands gelang es, die vollständige Stilllegung der Blöcke aufzuschieben. Um ein Wiederholen der Situation zu verhindern, beschlossen die ungarischen Behörden, einen Damm in der Donau zu bauen — für das Land ist dies ein besonders sensibles Thema, da die Kernstromerzeugung 42 % seines Stroms deckt. Der Eingriff in den Wasserregime der Donau kann jedoch auch für die Länder flussabwärts Folgen haben: Im rumänischen Kernkraftwerk „Cernavodă' wurden wegen des niedrigen Wasserstands bereits zwei Blöcke stillgelegt, und um den Wasserzufluss zur Anlage zu erhöhen, griffen die rumänischen Behörden sogar zu kontrollierten Sprengungen in einem Donauarm. Aufgrund der Flussvertiefung musste auch das bulgarische Kernkraftwerk „Kozloduy' erstmals seit 52 Jahren seine Erzeugung drosseln.

### Wassertemperatur: die zweite, versteckte Grenze

Für den Betrieb eines Kernkraftwerks ist nicht nur das verfügbare Wasservolumen, sondern auch seine Temperatur wichtig. Technologische Vorschriften beschränken die Rückgabe von Prozesswasser durch die Anlagen, wenn sie zu einer erheblichen Erwärmung des Gewässers führt. Wenn das Wasser im Fluss zu warm wird, verliert es die Fähigkeit, Wärme effektiv vom Block abzuleiten, und selbst bei ausreichendem Wasserstand kann der Betreiber gezwungen sein, die Leistung zu drosseln oder den Betrieb vorübergehend einzustellen. Dieses Risiko hat sich bereits in Europa gezeigt: Anfang Juni wurde aufgrund der hohen Wassertemperatur in der Aare in der Schweiz das Kernkraftwerk „Beznau' stillgelegt.

### Ukraine: mehr als die Hälfte der Erzeugung und neue Klimarisiken

Für die Ukraine hat dieses Thema eine besondere Bedeutung. Vor dem vollumfänglichen Überfall deckte die Kernstromerzeugung mehr als die Hälfte der Stromerzeugung des Landes, und nach Beginn der Kampfhandlungen wurde ihre Rolle noch wichtiger, da ein Teil der Wärmekraft- und Wasserkraftproduktion beschädigt oder auf besetzten Gebieten lag. In bestimmten Perioden deckten die Kernkraftwerke mehr als 60 % der Erzeugung, dabei erklärt der Staat seine Absicht, den Anteil der Kernstromerzeugung auszubauen, auch durch den Bau neuer Blöcke. Alle vier bestehenden ukrainischen Kernkraftwerke gehören einem einzigen Betreiber — der PJSC NAEK „Energoatom' —, arbeiten jedoch in verschiedenen Flussbecken und haben eine unterschiedliche Abhängigkeit von Wasserressourcen. Besonders empfindlich gegenüber dem Klimawandel ist das Südukrainische Kernkraftwerk im Becken des Südbugs: Die Klimaprognosen sehen für es bereits jetzt ein gestiegenes Risiko von Wassermangel und längeren Sommer-Niedrigwasserperioden vor.

### Fazit: Diversifizierung oder Vertiefung der Abhängigkeit

Die Gesamtheit dieser Faktoren zeigt, dass die Klimaresilienz der Kernstromerzeugung nicht bedingungslos ist und direkt vom Wasserregime bestimmter Flüsse und Gewässer abhängt. Für ein Energiesystem, in dem die Kernstromerzeugung einen dominierenden Anteil einnimmt, bedeutet dies, dass die Planung der Entwicklung der Kernenergie künftige Klimawandlungen berücksichtigen muss — von der Bewertung der Wasserressourcen jedes Flussbeckens bis zur Notwendigkeit der Diversifizierung der Erzeugungsquellen, um eine Konzentration der Risiken in einem technologischen und natürlichen Kreislauf zu vermeiden.

## 🔍 Fact-Check Verification

- [Когда не хватает воды: климатический вызов для атомной энергетики](https://www.rbc.ua/ukr/news/koli-vistachae-vodi-klimatichniy-viklik-atomnoyi-1789375011.html) - Первичный источник: колонка А. Яхнюк с фактами о снижении мощности АЭС в Европе летом 2026, данными IAEA по расходу воды, случаями «Пакш», «Чернаводэ», «Козлодуй», «Бецнау» и контекстом по Украине.
- [Ученые нашли способ точнее рассчитывать охлаждение реакторов на жидком топливе](https://www.ferra.ru/news/v-rossii/uchenye-nashli-sposob-tochnee-rasschityvat-okhlazhdenie-reaktorov-na-zhidkom-toplive-09-07-2026.htm) - Техническая новость о расчетах охлаждения реакторов на жидком топливе; не связана с фактами колонки и в статью не включалась.
- [Климатические изменения угрожают сорвать план Европы по более широкому использованию атомной ...](https://rus.postimees.ee/8538278/klimaticheskie-izmeneniya-ugrozhayut-sorvat-plan-evropy-po-bolee-shirokomu-ispolzovaniyu-atomnoy-energii) - Коррелирует с общей тезой о климатической уязвимости европейского плана расширения атомной энергетики.