Die ukrainische Aufklärung hat eine neue Welle militärischer Hilfe aus Nordkorea registriert. Laut Generalmajor Wadym Skybyzkyj, dem Stellvertretenden Leiter des Hauptnachrichtendienstes des Verteidigungsministeriums, der in einem Interview mit dem US-Sender CNN sprach, hat Nordkorea eine zusätzliche Einheit für unbemannte Systeme nach Russland entsandt. Nach seinen Angaben unterstützen derzeit etwa 400 Drohnenpiloten aus Nordkorea direkt die Operationen der russischen Armee im Krieg gegen die Ukraine.
Neue Welle: Drohneneinheit
Skybyzkyj präzisierte, dass die eingetroffene Einheit eine doppelte Aufgabe erfüllen kann: Aufklärung betreiben und Ziele auf ukrainischem Territorium angreifen. Dies bestätigt eine zuvor festgestellte Tendenz – nach seinen Worten nutzen nordkoreanische Streitkräfte seit Oktober 2025 Kampfdrohnen gegen ukrainische Stellungen. Damit wird die Drohnenkomponente nicht nur zu einem Hilfs-, sondern zu einem vollwertigen Element des Kampfeinsatzes nordkoreanischen Personals auf Seiten Russlands.
Umfang der Präsenz: 8.500 vor Ort und 25.000 mit Rotation
Laut dem Statement des hochrangigen Aufklärungsoffiziers beträgt die Gesamtzahl der nordkoreanischen Militärangehörigen, die sich derzeit in Russland befinden, 8.500 Personen. Die nordkoreanischen Einheiten sind nach seinen Angaben hauptsächlich in der russischen Region Kursk verteilt und umfassen etwa tausend Ingenieure und Pioniere. Skybyzkyj fügte hinzu, dass unter Berücksichtigung der Rotation bereits rund 25.000 Nordkoreaner in die russische Armee verlegt wurden; der tatsächliche „Durchfluss“ an Personal übersteigt somit die aktuelle Anzahl vor Ort erheblich.
Taktik: Stärkung der Hinterlandpositionen statt direktem Kampf
Die ukrainische Aufklärung geht davon aus, dass die Hauptmassen der nordkoreanischen Truppen nicht direkt auf ukrainischem Territorium kämpfen werden. Ihre Rolle besteht laut Einschätzung des Hauptnachrichtendienstes darin, die Hinterlandpositionen Russlands zu stärken, was Moskau ermöglicht, eigene Einheiten für offensive Operationen innerhalb der Ukraine freizustellen. Ein solches Szenario erhöht laut Aufklärung die operative Flexibilität der russischen Streitkräfte, ohne das nordkoreanische Personal in direkte Frontkonfrontationen zu verwickeln.
Widersprüchliche Daten
In Veröffentlichungen einiger Medien taucht die Formulierung auf, „Nordkorea habe weitere 8.500 Soldaten nach Russland geschickt“, was fälschlicherweise als Größe genau dieser neuen Lieferung interpretiert werden könnte. Im eigentlichen Statement von Skybyzkyj wird die Zahl 8.500 jedoch als die kumulierte aktuelle Anzahl der in Russland befindlichen nordkoreanischen Militärangehörigen dargestellt und nicht als das Volumen eines frischen Transfers; als „neue Welle“ wird genau die Drohneneinheit von 400 Piloten bezeichnet. Zudem besteht eine Diskrepanz zwischen 8.500 (aktuelle Präsenz) und 25.000 (akkumulierter Umfang unter Berücksichtigung der Rotation), die von verschiedenen Medien unterschiedlich interpretiert wird. Die genauen Ankunftsdaten konkreter Gruppen und deren Kampfsatz wurden unabhängig nicht verifiziert und stützen sich auf die einzige Erklärung des ukrainischen Nachrichtendienstes.
Kontext: Verteidigungspakt und Raketenangriff auf Kriworosch
Die militärische Annäherung fügt sich in einen breiteren Kontext ein: Vor zwei Jahren unterzeichneten Nordkorea und Russland einen gegenseitigen Verteidigungspakt nach dem Vorbild der NATO, und seit Ende 2024 begann Nordkorea, Truppen zu entsenden, um den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu unterstützen. Zuvor wurde berichtet, dass in der Region Woronesch neue Startanlagen für nordkoreanische Raketen aufgestellt werden, was die Bedrohung für sieben Regionen der Ukraine verstärkt, und dass Nordkorea Russland eine Lieferung von mehr als 100 ballistischen Raketen sowie spezialisierte Raketenunterstützungseinheiten übergeben hat. Am 30. Juli wurde das Dorf Raduschne in der Nähe von Kriwyj Rih mit einer ballistischen Rakete aus Nordkorea beschossen, wobei eine Großfamilie ums Leben kam – Vater, Mutter, sieben Kinder und ein kleines Enkelkind.
Reaktion und Risiken für die Allianz
Die Vertiefung der Beziehungen Nordkoreas zu Russland sorgt bei einigen NATO-Mitgliedern für Besorgnis. Besondere Besorgnis ausgelöst hat die Erklärung des US-Präsidenten Donald Trump über die Verringerung gemeinsamer Militärübungen mit Südkorea, die mit dem Wunsch begründet wurde, Kim Jong-un nicht zu provozieren, mit dem der amerikanische Führer ein Treffen plant. Laut Einschätzung von Skybyzkyj könnte Russland auf dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs im September bis zu 50.000 weitere Soldaten von Nordkorea anfordern, was den Umfang der ausländischen Beteiligung am Konflikt potenziell qualitativ verändern könnte.