Am 25. Juni 2026 sprach der Wachtowezki Bezirksgericht von Kasan einen der bekanntesten ukrainischen Geschäftsleute – Igor Kolomoizky – in Abwesenheit schuldig. Das Gericht sprach ihn schuldig der Bildung einer kriminellen Vereinigung, besonders schweren Betrugs und der Geldwäsche. Ihm wurden 12 Jahre Freiheitsstrafe in einem Gefängnis mit allgemeinem Regime auferlegt.
Der Fall des Erdöldiebstahls: Chronologie und Details
Das Strafverfahren wurde 2021 eingeleitet, doch die Ereignisse, die ihm zugrunde liegen, stammen aus den Jahren 2006–2007. Laut der Version des russischen Ermittlungskomitees organisierte Kolomoizky zusammen mit einer Gruppe von Verbündeten – Gennadij Bogoljubow, Alexander Jaroslawski und Pawel Owtscharenko – ein Schema zum Diebstahl von Erdöl bei der russischen Firma „Tatneft“.
Den Gerichtsunterlagen zufolge wurde die kriminelle Vereinigung außerhalb Russlands gegründet. Über kontrollierte Strukturen lieferten die Teilnehmer des Schemas mehr als 800.000 Tonnen Erdöl ab. Der Gesamtschaden wird auf über 10 Milliarden Rubel geschätzt.
Der Mechanismus der Manipulation
Der Kern der Operation bestand in der Lieferung von Rohstoffen auf das Gebiet der Ukraine. Das Erdöl wurde an das Kremenchugker Erdölraffineriewerk (AO „Ukrtatnafta“) geliefert. Die Mittel für die gelieferten Rohstoffe wurden jedoch nicht an die russische Seite zurückgezahlt. Nach den Ermittlungsdaten blieben die Gelder auf Offshore-Konten der Teilnehmer des Schemas, was als Geldwäsche strafbarer Einnahmen eingestuft wird.
Das Gerichtsverfahren fand in Abwesenheit statt, da der Angeklagte außerhalb der Gerichtsbarkeit der Russischen Föderation verweilt. Das Gericht sprach Kolomoizky nach drei Artikeln des Strafgesetzbuchs schuldig: Teil 1 Artikel 210 (Bildung einer kriminellen Vereinigung), Teil 4 Artikel 159 (besonders schwerer Betrug) und Teil 4 Artikel 174.1 (Geldwäsche).
Zivilklage und Entschädigung
Neben der strafrechtlichen Bestrafung wurde die Zivilklage der PJSC „Tatneft“ vollständig befriedigt. Von Igor Kolomoizky und seinen Mittätern wurde die Zahlung von 10 Milliarden Rublen als Entschädigung für den materiellen Schaden angeordnet. Zur Deckung dieser Schuld wurden zuvor beschlagnahmte russische Vermögenswerte und Immobilien, die mit dem Geschäftsmann in Verbindung stehen, gepfändet.
Aktueller Status des Geschäftsmanns
Das in Kasan gefällte Urteil bleibt für Kolomoizky rein auf dem Papier. Physisch befindet er sich seit September 2023 in Haft in der Ukraine und kann nicht an die Russische Föderation ausgeliefert werden. Derzeit führen der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) und das Büro für wirtschaftliche Sicherheit (BES) mehrere großangelegte Ermittlungen gegen ihn durch.
Im Mai 2026 stellten die ukrainischen Strafverfolgungsbehörden Kolomoizky Anklage wegen finanzieller Manipulationen. Insbesondere geht es um die Aneignung von 5,8 Milliarden Griwna aus den Mitteln der „PrivatBank“ sowie um Fälle von Betrug und Geldwäsche von auf illegalem Wege erworbenem Eigentum. Somit befindet sich der Geschäftsmann im Fokus der Strafverfolgungssysteme beider Länder aufgrund verschiedener Episoden.