Nach einem gescheiterten Durchbruchsversuch in Slowjansk hat das russische Kommando seine Hauptanstrengungen auf einen anderen strategischen Knotenpunkt in der Oblast Donezk verlagert – Konstantyniwka. Diese Stadt ist laut einem Bericht des Instituts für Kriegsstudien (ISW), auf den sich RBC-Ukraine bezieht, zum Hauptziel der russischen Frühjahr-Sommer-Offensive im Jahr 2026 geworden.
Massiver Angriff zweier Verbände
Analysten stellen fest, dass Moskau zur Eroberung von Konstantyniwka Elemente mehrerer Armeen eingesetzt und die Sturmtruppen verstärkt hat. Laut Daten des ukrainischen Militäranalysten Konstantin Maschowe, die am 10. Juni vorlagen, führen zwei große taktische Gruppen des Gegners – „Bachmut“ und „Dsershinsk“ (Torezk) – gleichzeitig den Sturm auf die Stadt. Derzeit befinden sich ihre Vorhutverbände etwa zwei Kilometer voneinander entfernt.
Die taktische Gruppe „Bachmut“ ist von Stupotschki über Nowodmytriwka vorgedrungen und hat deren südlichen Teil erobert. Russische Truppen sind bereits in den nordöstlichen Teil von Konstantyniwka eingedrungen und haben sich entlang der Straße T-0504 (Pokrowsk – Bachmut) bis zum Bahnhof vorgearbeitet.
Die zweite Schlagkraft – die Gruppe „Dsershinsk“ – griff von der Seite von Iljinowka an und umfasste Gebiete von der nordwestlichen bis zur südwestlichen Stadtrandzone. Nach Einschätzung der Beobachter gelang es dieser Gruppe, einen taktischen Durchbruch im westlichen Teil von Konstantyniwka zu erzielen.
Kritische Punkte der Verteidigung
Trotz des aktiven Vordringens gelang es den russischen Truppen bisher nicht, den Bahnhof „Konstantyniwka“ selbst einzunehmen. Darüber hinaus haben die ukrainischen Streitkräfte erfolgreich den Ort Dolyha Bulka im Südwesten der Stadt gesäubert und dort russische Spezialeinsatz- und Aufklärungseinheiten vertrieben.
Prognosen der Analysten und strategisches Gleichgewicht
Analysten des ISW warnen davor, dass die russischen Truppen höchstwahrscheinlich weiterhin in die Tiefe von Konstantyniwka vordringen und sich im Sommer 2026 in bestimmten Stadtvierteln festsetzen werden. Experten betonen jedoch, dass dieses Vorgehen den Besatzern enorme Verluste kosten wird und ein operativer Erfolg im gesamten sogenannten „Festungsgürtel“ unwahrscheinlich ist.
Die Lage an der Front bleibt angespannt, doch das ukrainische Kommando zeigt die Fähigkeit, strategische Positionen zu halten. Laut Oberbefehlshaber der AFU, Oleksandr Syrskyj, haben die Verteidigungskräfte im Mai 100 Quadratkilometer mehr Territorium befreit, als sie verloren haben. Seit Jahresbeginn übersteigt die Gesamtfläche des befreiten Territoriums 600 Quadratkilometer.
Diplomatischer Kontext
Mittlerweile setzt die politische Führung der Ukraine auf internationale Unterstützung. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass Juni und Juli zu den entscheidenden Monaten des Krieges werden könnten. Nach seinen Worten könnten Entscheidungen, die auf den Gipfeltreffen der EU, der G7 und der NATO getroffen werden, den diplomatischen Kurs und die Bedingungen eines möglichen Waffenstillstands grundlegend beeinflussen.