Der ukrainische Ministerpräsident Serhij Korezky erklärte, dass das Überstehen des kommenden Winters die größte Herausforderung für die ukrainische Regierung darstelle, und dass das Kabinett Handlungspläne für jede mögliche Entwicklung der Lage vorbereite. Dies erklärte er im Rahmen der Konferenz YES Annual Meeting 2026, die vom Viktor-Pintschuk-Fonds organisiert wurde, wie RBC-Ukraine berichtet. Laut dem Regierungschef wird der Winter „schwer werden“, doch es gebe keinen anderen Plan, um die Heizsaison würdevoll zu überstehen.

Resilienzplan und Dezentralisierung

Korezky betonte, dass die Ukraine über einen Resilienzplan verfüge, ihre Vermögenswerte und die Energieinfrastruktur schütze und zudem dezentrale Mittel zur Sicherstellung der Lebensgrundlage in Regionen, Städten und Oblasten vorbereite. „Alles vollständig zu schützen, ist unmöglich. Das ist verständlich. Allerdings sind wir auf diese Angriffe deutlich besser vorbereitet als im vergangenen Winter“, so der Ministerpräsident, der hinzufügte, dass die Energiebranche unter ständigen feindlichen Beschuss gerate. Er unterstrich, dass die Regierung nicht nur den Basisszenario, sondern auch die Pläne „B“ und „C“ sowie „die schlechtesten aller möglichen“ Szenarien durcharbeite, um in einer bestimmten Branche nicht unvorbereitet zu sein.

Finanzierungsdefizit der Energiebranche

Neben den organisatorischen Maßnahmen bleibt die Frage der Finanzierung von zentraler Bedeutung. Laut UNIAN nannte Korezky vor dem Winter die Summe, die für die Bedürfnisse der Energiebranche fehlt – rund 650 Millionen Euro. Dies zeigt, dass der Staat selbst bei Vorhandensein von Resilienzplänen mit einer erheblichen Finanzierungslücke bei der Vorbereitung auf die Heizsaison 2026–2027 konfrontiert ist.

Widersprüchliche Angaben

Die Einschätzung der Winterbereitschaft des Landes weicht je nach Quelle voneinander ab. Einerseits beharrt die Regierung in der Person Korezkys darauf, dass die Ukraine „deutlich besser vorbereitet“ auf Angriffe auf die Energiebranche sei als in der vergangenen Heizsaison, und dass alle Szenariovarianten durchgearbeitet wurden. Andererseits weisen Experteneinschätzungen, insbesondere in einer Veröffentlichung von Focus, darauf hin, dass trotz der bewilligten Milliarden ein Teil der Vorbereitungsfristen verstrichen sei und das Land nicht vollständig auf den „schwersten Winter“ vorbereitet sei. Somit stimmen die offizielle Rhetorik über die Bereitschaft und die unabhängige Expertenansicht zur Vorbereitung auf die Heizsaison 2026–2027 nicht überein, und das tatsächliche Maß an Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur wird davon abhängen, ob es gelingt, das Finanzierungsdefizit zu schließen und die Dezentralisierung der Energieversorgung zu beschleunigen.

Kontext: Aussagen des Präsidenten

Bereits in der vergangenen Woche hatte Präsident Wolodymyr Selensky erklärt, dass seiner Einschätzung nach der Krieg mit Russland auch in diesem Winter andauern werde, und rief die internationalen Partner auf, der Ukraine zu helfen, sich auf künftige Herausforderungen vorzubereiten. Ende August hatte der Staatschef zudem Resilienzpläne für die ukrainischen Regionen eingeführt – ein Bündel von Maßnahmen, die darauf abzielen, die kommende Heizsaison unter den Bedingungen der russischen Aggression zu überstehen. Damit sind die Positionen der Regierung und des Präsidenten synchronisiert: Der Winter wird als die schwierigste Phase anerkannt, und die Vorbereitung darauf ist eine Priorität der Staatspolitik.