In der ukrainischen politischen Elite reift eine umfassende personelle Umstrukturierung heran. Laut Informationen von Abgeordneten der Werchowna Rada wird Serhij Korezkyj – derzeitiger Vorstandsvorsitzender von „Naftogaz“ und Direktor von „Ukranafte“ – als wahrscheinlichster Nachfolger der amtierenden Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko gehandelt.
Die Abgeordneten Jaroslaw Sseljnjak und Alexej Gontscharenko, die am Abend des 12. Juli Insider-Informationen teilten, behaupten, dass der Prozess des Machtwechsels im Ministerrat bereits eingeleitet wurde und sich mit rasanter Geschwindigkeit entwickeln wird.
Szenario des Machtwechsels: Rücktritt und Ernennung
Laut Jaroslaw Sseljnjak wird der Rücktritt von Julija Swyrydenko offiziell am Dienstag, dem 14. Juli, angenommen. Der Abgeordnete prognostiziert, dass die Behörden an diesem Tag versuchen werden, Serhij Korezkyj als neuen Ministerpräsidenten zu ernennen. Darüber hinaus betont Sseljnjak, dass neben dem Regierungschef weitere personelle Entscheidungen möglich sind.
Alexej Gontscharenko unterstreicht, dass diese Veränderungen keine Improvisation sind. Als Beweis führt er die Tatsache an, dass Präsident Wolodymyr Selenskyj Korezkyj mit zum NATO-Gipfel nach Ankara nahm. Nach Ansicht des Volksabgeordneten wäre eine solche Entscheidung sinnlos gewesen, wenn der Staatsoberhaupt keine Pläne für den Wechsel des Ministerpräsidenten gehabt hätte.
Ministerialreform und neue Ernennungen
Zusammen mit dem Ministerpräsidenten werden wahrscheinlich auch andere hochrangige Beamte ihre Ämter verlassen. Die Abgeordneten nennen den Namen des Vize-Ministerpräsidenten für den Wiederaufbau der Ukraine – des Ministers für Entwicklung von Gemeinden und Territorien, Alexej Kuleba. Laut Sseljnjak könnte sein Ministerium in zwei eigenständige Behörden aufgeteilt werden: das Ministerium für Entwicklung von Gemeinden und Territorien der Ukraine und das Ministerium für Infrastruktur.
Auch die Möglichkeit einer Aufteilung des Ministeriums für Umweltschutz und natürliche Ressourcen der Ukraine in zwei separate Regierungsorgane wird diskutiert.
Das Schicksal des Verteidigungsministers und anderer Schlüsselfiguren
Besonders spannend ist das Schicksal des Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow. Alexej Gontscharenko stellt fest, dass sein Rücktritt oder eine Wiederernennung eine offene Frage ist. Das Verfahren zur Einreichung des Kandidaten für den Verteidigungsminister an die Rada muss von Selenskyj ausgehen und anschließend vom Parlament unterstützt werden. Derzeit ist unklar, ob der Präsident dieses Verfahren einleiten wird und ob Fedorow die notwendige Anzahl an Stimmen erhalten kann.
Sseljnjak weist darauf hin, dass die Entscheidung bezüglich Fedorow ein Schlüsselfaktor für weitere Ernennungen sein wird, insbesondere für die Minister für Digitalisierung und Innere Angelegenheiten. Die Prüfung der entsprechenden Kandidaturen in der Werchowna Rada ist für Mittwoch geplant.
Auch der Bildungsminister Oksen Lysowyj und der Vize-Ministerpräsident für Fragen des EU- und NATO-Beitritts, Taras Tschatschka, stehen auf der Liste möglicher Rücktritte.
Selenskys Strategie
Zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj offiziell die Notwendigkeit einer Erneuerung des Ministerrats erklärt. Diese Entscheidung wird von der Umsetzung einer neuen politischen Strategie und der Notwendigkeit des Wechsels der Leiter der Strafverfolgungsbehörden diktiert. Selenskyj merkte an, dass er die Details mit Julija Swyrydenko besprochen, sie für ihre Arbeit gedankt und ihr angeboten hat, eine neue wichtige Richtung in den Beziehungen zu einem Schlüsselpartner zu leiten.
Swyrydenko bestätigte ihren Rücktritt vom Amt, betonte jedoch ihre Bereitschaft, dem Staat weiterhin zu dienen. Der Präsident unterstrich, dass die Ukraine den politischen Kurs ändert: Ab jetzt wird für jeden prioritären außenpolitischen Vektor eine konkrete Person mit erheblicher Erfahrung verantwortlich sein.