In den Beziehungen zwischen Warschau und Kiew reift eine ernste Krise heran, die durch historische Meinungsverschiedenheiten ausgelöst wird. Der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz hat die Position seines Landes in der Frage der Benennung einer ukrainischen Militäreinheit nach den »Helden der UPA« (Ukrainische Aufstandsarmee) scharf formuliert. Laut dem Chef des polnischen Verteidigungsressorts hat das historische Gedächtnis »rote Linien«, die nicht überschritten werden dürfen.

»Wir müssen einander die Wahrheit sagen«

In einer Mitteilung im sozialen Netzwerk X (ehemals Twitter) unterstrich Kosiniak-Kamysz die Ambivalenz der aktuellen Beziehungen. Einerseits sind Warschau und Kiew strategische Partner im Bereich der Sicherheit. Andererseits erfordern historische Fragen Ehrlichkeit, ohne die keine gemeinsame Zukunft aufgebaut werden kann.

»Polen und die Ukraine sind Partner in Sicherheitsfragen. Aber wenn es um historische Fragen geht, müssen wir einander die Wahrheit sagen, denn nur dann können wir die Zukunft gestalten«, schrieb der Vizepremier.

Ein besonderes Augenmerk legte der Minister auf das persönliche Treffen mit dem Leiter des Präsidentenamtes der Ukraine, Kyrylo Budanow. Genau in diesem Dialog umriss Kosiniak-Kamysz klar die Erwartungen Warschaus bezüglich der Entscheidung Kiews zur Umbenennung der Einheit.

Die Tragödie von Wolhynien als Grenze

Die Reaktion der polnischen Seite war eine Antwort auf das Dekret des Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vom 26. Mai, mit dem dem »Separaten Zentrum für Spezialoperationen »Nord«« die Bezeichnung »zu Ehren der Helden der UPA« verliehen wurde. Für die ukrainische Seite war diese Entscheidung ein Symbol des Kampfes gegen die russische imperialistische Politik und Besatzung, was vom ukrainischen Außenministerium bestätigt wurde.

In Polen wurde dieser Schritt jedoch schmerzhaft aufgenommen. Das polnische Außenministerium lud den ukrainischen Botschafter Wasylii Bodnar ein, um Protest zu registrieren. Im polnischen politischen Establishment wurde über mögliche Sanktionen gesprochen, einschließlich der Entziehung des Ordens des Weißen Adlers an Selenskyj.

Władysław Kosiniak-Kamysz trat trotz der Kritik im eigenen Land gegen die Entziehung des Ordens ein, forderte Kiew jedoch auf, das Umbenennungsdekret zurückzunehmen. In einem offenen Brief an das ukrainische Volk versuchte er, die Position Warschaus zu erklären und betonte, dass Polen von Kiew nicht verlangt, sich von seiner eigenen Geschichte zu distanzieren, aber auf die Achtung der Erinnerung an die Opfer besteht.

»Die Erinnerung an die Opfer von Wolhynien ist nicht verhandelbar. Es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen«, betonte der Chef des polnischen Verteidigungsministeriums und wies auf die Hauptursache der diplomatischen Spannungen hin.