Russland, traditionell einer der weltweit führenden Akteure bei der Förderung und dem Export von Kohlenwasserstoffen, sieht sich mit einem beispiellosen Krisen auf dem inländischen Markt für Erdölprodukte konfrontiert. Der akute Mangel an Benzin und Diesel hat die Behörden gezwungen, nach unkonventionellen Lösungen zu suchen, darunter den Import von Kraftstoffen aus dem Ausland und die Einführung von Subventionen zur Dämpfung der Preise.

Sitzung bei Nowak: Diskussion über Importe

Ein Schlüsselereignis, das das Ausmaß des Problems verdeutlichte, war eine Sitzung zur Kraftstoffversorgung unter dem Vorsitz des stellvertretenden Ministerpräsidenten Alexander Nowak. Wie die Zeitung „Wedomosti“ berichtet, wurde genau bei diesem Treffen die Notwendigkeit des Imports von Erdölprodukten angesprochen. Für ein Land, das jahrzehntelang Öl exportiert, klingt eine solche Maßnahme wie ein Eingeständnis eines schwerwiegenden Systemfehlers.

Quellen in der Branche, die von der Agentur Reuters befragt wurden, präzisierten, dass nicht nur direkte Lieferungen, sondern auch ein Mechanismus zur Subventionierung von importiertem Kraftstoff diskutiert werden. Ziel dieser Maßnahmen ist es, einen explosionsartigen Preisanstieg an den Tankstellen zu verhindern, den Verbraucher in verschiedenen Regionen bereits spüren.

Produktionsrückgang und Angriffe auf die Infrastruktur

Die Hauptursache für den Mangel waren Angriffe auf Erdölraffinerien (NPP). Ungeplante Wartungsarbeiten, die nach Angriffen mit Drohnen notwendig wurden, führten zu einem starken Rückgang der Verarbeitungsvolumen. Laut Branchenexperten ist die Benzinerzeugung in Russland in der vergangenen Woche im Vergleich zum Tagesdurchschnitt im Juni 2025 um etwa 25 % eingebrochen.

In absoluten Zahlen sanken die Produktionsvolumen auf kritische Werte – auf etwa 90.000 Tonnen pro Tag. Dieser Rückgang gefährdete die Lieferstabilität sowohl für die Bevölkerung als auch für Logistikunternehmen.

Exportbeschränkungen und Marktauswirkungen

In einem Versuch, die inländische Lage zu stabilisieren, sahen sich die russischen Behörden zuvor gezwungen, strenge Exportbeschränkungen für Benzin und Flugkraftstoff einzuführen. Doch selbst diese Maßnahmen konnten den Rückgang der Förderung nicht vollständig kompensieren.

Auch der Seehandel mit russischen Erdölprodukten zeigt einen deutlichen Rückgang. Laut Daten von LSEG und Marktteilnehmern sank der Export in der ersten Junihälfte im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum im Mai um 15 % und belief sich auf etwa 3,3 Millionen Tonnen.

Die Realität an den Tankstellen

Für den durchschnittlichen Verbraucher schlägt sich die Statistik in Warteschlangen an Tankstellen und Beschränkungen beim Kraftstoffverkauf nieder. In mehreren Regionen werden Lieferengpässe verzeichnet, und die Preise steigen weiter. Die Agentur Reuters hatte bereits berichtet, dass Russland im Juni den Seetransport von Kraftstoff plant, um den Benzinmangel auf dem inländischen Markt zumindest teilweise auszugleichen.