Die russischen Regionen sind von einer massiven Kraftstoffkrise erfasst, die sich schnell zu einem systemischen Problem entwickelt. An Tankstellen im ganzen Land bilden sich riesige Warteschlangen, und an vielen Tankstellen ist Kraftstoff vollständig vom Markt verschwunden. Die Situation verschärft sich vor dem Hintergrund von Drohnenangriffen der Ukraine auf Objekte der Erdölraffinerie-Infrastruktur.

Kritische Lage in den Regionen

Besonders akut ist das Problem in der Oblast Lipizk. In der Stadt Jelz ist Benzin an keiner einzigen Tankstelle verfügbar. An den wenigen funktionierenden Stationen, insbesondere solchen, die zu „Rosneft“ gehören, haben sich kilometerlange Staus aus Autos gebildet. Der Gouverneur der Oblast Lipizk, Igor Artamonow, bestätigte Unterbrechungen bei einzelnen Kraftstoffmarken. In seiner Ansprache forderte er die Einwohner auf, keinen Benzin auf Vorrat zu kaufen, und verglich die aktuelle Hektik mit den panischen Einkäufen von Hirse.

In der Oblast Twer waren die Behörden gezwungen, radikale Maßnahmen zu ergreifen. An den Tankstellen von „Surgutneftegas“ und „Tatneft“ wurden vorübergehende Verkaufsbeschränkungen für Kraftstoff an Privatpersonen eingeführt. Dies wurde getan, um Reserven für den Einsatz von Rettungsdiensten und öffentlichen Verkehrsmitteln zu erhalten.

Moskau und Krim: Versteckter Kollaps

Die Kraftstoffprobleme haben auch die russische Hauptstadt erreicht. Vor dem Hintergrund von Berichten über Benzinmangel in Moskau versuchten große pro-regierungstreue Kanäle, eine Informationskampagne zur Widerlegung der Fakten zu starten. Als Beweis veröffentlichten sie Videos der bekannten Autobloggerin Jelena Lisowskaja, die behauptete, es gäbe keine Warteschlangen.

Aber aufmerksame Nutzer sozialer Medien bemerkten schnell den Haken. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, dass fast alle Zapfsäulen mit Kegeln blockiert sind und auf den elektronischen Anzeigetafeln statt der Preise Nullen leuchten. Dies ist ein unbestreitbarer Beweis dafür, dass die Station nicht funktioniert und keine Kraftstoffvorräte in den Tanks vorhanden sind.

Die Situation wurde auch auf der besetzten Krim kritisch. Am 21. Juni wurde der Verkauf von Kraftstoff an Tankstellen sowohl für Privatpersonen als auch für juristische Personen vollständig eingestellt. Kraftstoff wird nun ausschließlich an staatliche Sicherheits- und Lebenserhaltungsdienste abgegeben. Neben dem Kraftstoffkollaps wurde auf der Halbinsel auch der Strom abgeschaltet und der Fährverkehr eingestellt.

Strenge Limits und Versuche, die Wahrheit zu verbergen

In ganz Russland wurden strenge Limits für das Betanken eingeführt. An den Stationen des Unternehmens „Tatneft“ wurde der Verkauf von Benzin und Diesel „an eine Hand“ begrenzt. Für Personenkraftwagen wurde ein Limit von bis zu 30 Litern pro Tankvorgang festgelegt.

Analytiker des Instituts für Kriegsstudien (ISW) stellen fest, dass der Benzinmangel in Russland zunimmt, aber der Kreml versucht, das wahre Ausmaß des Unglücks zu verbergen und die Bevölkerung zu beruhigen. Dennoch wurden Kraftstoffprobleme und steigende Preise nicht nur in Grenzregionen, sondern auch in Großstädten wie Sankt Petersburg, Woronesch und Tula registriert.