In Ostsibirien entwickelt sich eine weitreichende Krise in der Energie-Logistik. Die Region Irkutsk und die Region Transbaikalien sehen sich mit einem kritischen Mangel an Kraftstoffen für Kraftfahrzeuge konfrontiert. Die Situation hat sich von einer Phase marktbedingter Schwankungen zu einer Phase der administrativen Regulierung entwickelt: Die Behörden haben den Zustand erhöhter Bereitschaft ausgerufen, und Tankstellen sind auf ein Gutschein-System umgestellt worden.

Ursachen des Mangels: von europäischen Raffinerien bis zu sibirischen Tankstellen

Laut Branchenexperten und internationalen Analyseagenturen, darunter Reuters, liegt die Wurzel des Problems im europäischen Teil Russlands. Ungeplante Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten an großen Erdölraffinerien führten zu einem drastischen Rückgang der Primärverarbeitungskapazitäten. Bis Mitte Juni 2026 sanken die Produktionsmengen von Benzin um 25 % im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Dieses Ungleichgewicht erforderte das Eingreifen des russischen Energieministeriums, das die manuelle Verteilung der Warenströme übernahm. Infolgedessen entstand in abgelegenen Regionen wie Irkutsk und Transbaikalien ein akuter Mangel an Kraftstoffen und Schmiermitteln, was die lokalen Behörden und Unternehmen zwang, zu strengen Beschränkungsmaßnahmen überzugehen.

Zustand erhöhter Bereitschaft und Benzingutscheine

Am 28. Juni 2026 erklärte der Gouverneur der Region Irkutsk, Igor Kobzew, offiziell den Zustand erhöhter Bereitschaft. Gemäß dem Bundesgesetz Nr. 68-FZ ermöglicht dieser Status den regionalen Behörden, verbindliche Verhaltensregeln einzuführen und den Handel mit lebensnotwendigen Gütern einzuschränken, um technische Notfälle zu verhindern.

Im Einzelhandel wurden die Beschränkungen total. An den Tankstellen von „Rosneft“ in der Region Irkutsk wurde ein Tageslimit von nicht mehr als 50 Litern pro Fahrzeug festgelegt. Das Befüllen von Kanistern mit Kraftstoff ist strengstens untersagt. Den Behörden wurde das Recht eingeräumt, die Abgabemengen eigenständig zu senken, wenn die Vorräte in den Tankschächten abnehmen.

In der Region Transbaikalien verschärfte sich die Situation durch den Übergang zu einem geschlossenen Handelsmodus:

  • Netzwerk „Naftmarket“ (Tschita): Der Verkauf von Benzin AI-92 und AI-95 ist ausschließlich mit Papiergutscheinen möglich. Die Betreiber berichten von Störungen bei den Eisenbahnlieferungen.
  • Netzwerk BRK: Der Verkauf von AI-100 und AI-92 an Privatpersonen wurde eingestellt. Ab dem 1. Juli 2026 wird ein vollständiges Verbot des freien Verkaufs von AI-95 eingeführt. Grund ist die Nichterfüllung der Lieferverpflichtungen durch die Raffinerien.

Der Baikalsee kommt zum Stillstand: Reduzierung der Schifffahrt und Preisanstieg

Die Kraftstoffkrise hat den Wassertransport getroffen, der als Lebensader für viele isolierte Gebiete der Region dient. Das Staatliche Aktiengesellschaft „Ostsibirische Flussreederei“ (WSRP), die 17 Strecken bedient und jährlich etwa 600.000 Passagiere befördert, hat eine erzwungene Reduzierung der Fahrten angekündigt.

Die Unternehmensleitung hat beschlossen, die Verteilung der Kraftstoffreserven zu priorisieren. Energie Ressourcen werden für sozial bedeutsame Richtungen und kritisch wichtige Fährüberfahrten bereitgestellt. Ein stabiler Verkehr soll nur auf den wichtigsten Strecken aufrechterhalten werden:

  • Insel Olchon;
  • Hafen Baikalsk;
  • Liwstjanka;
  • Welikije Koty;
  • Baikalische Dünen.

Die Passagiere müssen sich zudem mit steigenden Fahrpreisen auseinandersetzen. Die Leitung der WSRP hat eine Tariferhöhung angekündigt, die durch den Preissprung bei schiffstauglichem dünnflüssigem Kraftstoff (SMT) und Dieselgruppen auf dem Großhandelsmarkt bedingt ist.

Verstärkung der Rechtsordnung vor dem Hintergrund des Mangels

Die Beschränkungen bei Kraftstoffen haben unvermeidlich zu einer Zunahme der sozialen Spannungen geführt. Um Konflikte in den Warteschlangen an den Tankstellen zu verhindern und die öffentliche Ordnung zu wahren, wurden Einheiten des Innenministeriums und der Nationalgarde (Rosgvardija) eingesetzt. Die regionalen Behörden betonen, dass die Einführung des Zustands erhöhter Bereitschaft darauf abzielt, die Risiken technischer Unfälle zu minimieren und die Sicherheit der Bevölkerung unter den Bedingungen eines logistischen Kollapses zu gewährleisten.