Die russische Luftfahrtbranche steht vor beispiellosen Schwierigkeiten. Die Kraftstoffkrise, die mit Unterbrechungen an Autobenzinstationen begann, hat sich rasch auf den Himmel ausgeweitet. Die größten Flughäfen des Landes sind gezwungen, strenge Einschränkungen für das Betanken von Flugzeugen einzuführen, was die Ununterbrochenheit des Flugverkehrs gefährdet.

Einsparungsmodus: Wie viel Kerosin für den Flug erlaubt ist

Die Lage auf dem Markt für Flugkraftstoff hat einen kritischen Punkt erreicht. Die Flughäfen von Machatschkala, Mineralnyje Wody, Krasnodar, Astrachan und Nischni Nowgorod haben die Piloten offiziell über die Einführung von Obergrenzen informiert. Das Betanken erfolgt nun ausschließlich in dem Volumen, das für die Durchführung eines bestimmten Fluges erforderlich ist, ohne Reserve für unvorhergesehene Umstände.

Am Flughafen Machatschkala wurden strenge Quoten eingeführt: Für Flüge nach Dubai darf nicht mehr als 8 Tonnen Kraftstoff an Bord genommen werden, und für die Richtung Minsk liegt das Limit bei 3,5 Tonnen. Dies bedeutet, dass die Fluggesellschaften ihre Routen und die Planung überarbeiten müssen, um Situationen mit Kraftstoffmangel in der Luft zu vermeiden.

Börsenkollaps und Rekordpreise

Die wirtschaftlichen Kennzahlen des Marktes bestätigen die Tiefe der Krise. Der Börsenhandel mit Flugkerosin ist faktisch zum Erliegen gekommen. Seit dem 4. Mai wurde an der St. Petersburger Waren- und Rohstoffbörse kein einziger Vertrag abgeschlossen. Laut Quellen wurden am 1. Juni im ganzen Land nur drei Tanks mit Kraftstoff verkauft.

Auf dem Großhandelsmarkt sind die Preise auf Rekordwerte gestiegen – 113.000 Rubel pro Tonne. Das ist 52 % höher als der Stand von Anfang März. Ende Mai begannen Fluggesellschaften bereits Briefe von Lieferanten zu erhalten, in denen die Unmöglichkeit des Betankens von Flugzeugen gemäß abgeschlossenen Verträgen an den Flughäfen von Sankt Petersburg, Jekaterinburg, Ufa und anderen Städten mitgeteilt wurde.

Ursache der Krise: Angriffe auf die Infrastruktur

Die Wurzel des Problems liegt in einem physischen Ressourcenmangel. Die systemische Ursache ist der Druck auf die Ölindustrie infolge einer Serie von Angriffen auf Raffinerien und logistische Ketten. Im Mai wurden 16 Werke getroffen, was zu einem fast vollständigen Stillstand der Ölverarbeitung im Zentrum Russlands führte.

Russland ist gezwungen, Rohstoffe vom Export auf den Binnenmarkt umzuleiten, doch diese Maßnahmen erweisen sich als unzureichend, um die Nachfrage zu decken. Als Reaktion auf die entstandene Situation hat die Regierung nach einem dringenden Treffen im Energieministerium den Export von Flugkerosin vom 1. Juni bis zum 30. November verboten. Das Ziel ist die Stabilisierung des Binnenmarktes, doch der Mangel wird bereits vor Ort spürbar.

Ausbreitung des Mangels im ganzen Land

Das Problem beschränkt sich nicht nur auf die Luftfahrt. Vor einigen Tagen wurde im Krasnodar-Krai der Verkauf von Kraftstoff an Tankstellen vorübergehend ausgesetzt, bedingt durch die hohe Nachfrage und Lieferunterbrechungen. Die Kraftstoffkrise, die im Süden begann, hat sich bereits auf Sibirien ausgebreitet. Benzinbeschränkungen wurden in Regionen eingeführt, die sich 5000 Kilometer von der Ukraine entfernt befinden, was auf einen massiven systemischen Ausfall bei der Energieversorgung des Landes hinweist.