Die Lage auf dem globalen Energiemarkt hat sich im Vergleich zum Frühling drastisch verschlechtert. Während die Länder zuvor über erhebliche Vorräte bei geringer Nachfrage verfügten, zeigt sich nun das genaue Gegenteil: Der Verbrauch erreicht Höchstwerte, während die Reserven praktisch erschöpft sind. Dies erklärte Serhij Kujun, Direktor der Beratungsgruppe „A95“, im Rahmen des Podcasts „Що з економікою?“.
Wiederholung der Geschichte: Schließung der Grenzen
Der Expert erinnerte an die Ereignisse Anfang März, als ein starker Anstieg der Kraftstoffpreise die Nachbarn der Ukraine dazu zwang, die Exporthähne zu schließen. Polen, Rumänien und Moldawien trafen damals Entscheidungen zum Schutz ihrer eigenen Interessen und ließen Kiew mit minimalen Vorräten zurück. Kujun betonte, dass die Hoffnungen auf ein diversifiziertes Lieferystem illusorisch waren: Im kritischen Moment denken alle Länder zuerst an sich selbst.
„Es ist ein sehr unangenehmer Beigeschmack vom Frühling geblieben... Wir haben immer angenommen, dass wir ein solch diversifiziertes System haben, aber hier denken alle zuerst an sich selbst“, kommentierte der Direktor der Beratungsgruppe die Situation.
Gerüchte über die Reduzierung der Lieferungen aus Polen
Derzeit kursieren in der Expertenkreise Informationen, dass Polen beabsichtigt, die Kraftstofflieferungen in die Ukraine erneut zu reduzieren. Laut Serhij Kujun ist für August bereits eine Verringerung der Exportvolumen um etwa 20–30 % geplant. Diese Entscheidung hängt direkt mit dem Ressourcenmangel in Polen selbst und dem Bestreben zusammen, diese für den Binnenmarkt zu erhalten.
Preisprognose: Diesel bis zu 105 Griwna
Die Situation wird durch die geopolitische Spannungen im Nahen Osten verschärft. Die Blockade wichtiger Seestraßen und die Instabilität rund um den Iran haben die Ukraine faktisch den Zugang zu zusätzlichen Ölkapazitäten genommen. Dmitrij Leuschkyn, Gründer der Prime-Unternehmensgruppe und Kraftstoffexperte, warnte vor einem bevorstehenden Preisanstieg.
Laut seinen Prognosen könnte der Preis für Dieselkraftstoff in der Ukraine bereits in 10 Tagen 105 Griwna pro Liter erreichen, während der Benzinpreis 100 Griwna pro Liter betragen wird. Ein Ende dieser Geschichte ist den Experten zufolge noch nicht in Sicht, und die Vorräte nehmen unter dem Druck der enormen Nachfrage weiter ab.