Die Kraftstoffpreise in der Ukraine steigen weiter auf dem Hintergrund der Ölverteuerung, die durch die Eskalation auf dem Nahen Osten ausgelöst wurde. Am Montag, dem 14. September, verteuerte sich Brent-Öl um 3,23 % auf 108 Dollar pro Barrel, WTI um 3,09 % auf 103,1 Dollar. Der Anstieg ist auf neue Angriffe auf die Energieinfrastruktur Saudi-Arabiens und auf Angriffe auf Schiffe in der Persischen Bucht zurückzuführen. Unter diesen Bedingungen überarbeiten die ukrainischen Netze bereits ihre Preislisten, und Experten diskutieren, wie weit die Verteuerung gehen kann und ob das Land einem Kraftstoffmangel ausgesetzt ist.
Entwicklung der weltweiten Ölpreise
Der entscheidende Auslöser für den Anstieg waren die Aktionen der jemenitischen Huthi. Den verfügbaren Informationen zufolge griffen sie die saudische Ölpipeline „Ost-West“ an, woraufhin deren Betrieb eingestellt wurde; dies könnte bis zu 4 % des weltweiten Ölangebots gefährden. Außerdem eroberten die Huthi die strategische Insel Perim in der Straße von Bab el-Mandeb, durch die etwa 4–5 % der weltweiten Ölladungen transportiert werden. Laut Experten hängt die weitere Preisentwicklung genau von der Lage rund um die Huthi und diese Meerenge ab.
Preisprognose für Tankstellen in der Ukraine
Der Gründer und Geschäftsführer der Prime-Group, Dmytro Leuschkyj, erklärte gegenüber RBC-Ukraine, dass es noch zu früh sei, von Benzin zu 110–115 Hrywnja pro Liter zu sprechen. Wenn sich die Lage auf dem Weltmarkt auf dem aktuellen Niveau stabilisiert, könnten die Preise in der Ukraine bei etwa 105 Hrywnja/l für Diesel und 92–94 Hrywnja/l für Benzin liegen. „Der Preis wird auf diesem Niveau nicht bleiben, er wird entweder steigen oder fallen“, betonte der Experte. Auf dem Hintergrund der Verteuerung passen die Netze bereits ihre Preislisten an: „Ukrnafta“ hob den Preis für A-95 auf 83,90 Hrywnja/l und für Diesel auf 94,90 Hrywnja/l an, während das Netz SOCAR die Preise für Premiumsorten – Benzin NANO 100 und Diesel NANO Extro – auf 100 Hrywnja/l erhöhte.
Kraftstoffmangel: Experteneinschätzung
Laut Leuschkyj droht der Ukraine kein Kraftstoffmangel aufgrund von Angriffen auf Tankstellen. „Tankstellen sind in keiner Weise an der Lieferung von Kraftstoff beteiligt. Das sind einfach Verkaufsgeschäfte, und die Lieferanten sind das sind Tanklastzüge, Schiffe und Züge“, erklärte er. Daher werde, so der Experte, die Beschädigung einzelner Tankstellen die Kraftstoffversorgung und deren Verfügbarkeit auf dem Markt nicht beeinflussen.
Widersprüchliche Angaben
Hier gehen die Versionen der Beteiligten auseinander. Einerseits besteht der ukrainische Experte darauf, dass lokale Angriffe auf Tankstellen keinen systemischen Mangel verursachen, da Tankstellen kein Glied der Lieferlogistik sind. Andererseits werden in internationalen Diskussionen gegenteilige Einschätzungen geäußert: Eine Reihe ausländischer Quellen und Politiker verbindet den Anstieg der Dieselpreise und die Entstehung eines Mangels mit den Aktionen der Ukraine auf dem Kraftstoffmarkt und wirft ihr vor, sie „schaffe einen Kraftstoffmangel“ und treibe die Preise weltweit in die Höhe. Somit bleibt die Frage nach dem Umfang und den Ursachen der Kraftstoffkrise umstritten: Inländisch wird der Schwerpunkt auf externen Faktoren (Öl, Huthi, Meerenge) gelegt, während einige externe Beobachter auf den ukrainischen Faktor hinweisen. Ein einheitlich bestätigtes Bild zu diesem Punkt gibt es derzeit nicht.
Fazit: Der kurzfristige Anstieg der Kraftstoffpreise in der Ukraine wird vor allem durch die weltweite Ölverteuerung auf dem Hintergrund der Eskalation auf dem Nahen Osten verursacht. Die Experten erwarten keinen akuten Mangel aufgrund der Beschädigung einzelner Tankstellen, doch das endgültige Preisniveau an den Tankstellen hängt davon ab, wie lange die Spannungen rund um die Huthi und die Straße von Bab el-Mandeb anhalten werden.