Der Krieg ist kein statisches Phänomen. Je länger er andauert, desto radikaler verändern sich Technologien, Taktiken und die Landschaft des Kampfes selbst. Experten versuchen bereits jetzt, einen Blick in die Zukunft zu werfen und vorherzusagen, wie die Frontlinie in einigen Jahren aussehen wird. Eine solche Prognose hat Jaroslaw Hryschyn, Mitbegründer des ukrainischen Drohnenherstellers «General Chereschnja», aufgestellt.
Transformation der Frontlinie: Prognose für das Jahr 2028
In einem Interview mit der Zeitung RBK-Ukraine präsentierte Hryschyn ein Szenario für die weitere Entwicklung, falls der Konflikt noch zwei Jahre andauert. Nach seiner Meinung wird das Schlachtfeld bis 2028 kaum wiederzuerkennen sein im Vergleich zu dem, was wir heute beobachten. Die Schlüsselveränderung wird das Ausmaß der sogenannten «Kill-Zone» sein – eines Abschnitts, in dem die Konzentration von Feuer und Technik ein Verbleiben praktisch unmöglich macht.
«Es wird definitiv eine breitere Kill-Zone geben, sie könnte 50 km erreichen», betonte der Experte. Das bedeutet, dass die vordersten Positionen und Kontrollzonen verschoben werden und die Zone der direkten Gefährdung deutlich tiefer reichen wird.
Die «Mauer» aus Robotern und autonomen Systemen
Eines der Hauptelemente der neuen Verteidigung wird die Automatisierung sein. Hryschyn prognostiziert das Entstehen einer «Mauer» aus Drohnen und einer «Mauer» aus Robotern. Diese Systeme werden im Verbund arbeiten und eine unüberwindbare Barriere für den Gegner schaffen.
«Unsere Grenze wird zuverlässig geschützt sein, und niemand wird sie durchbrechen können», ist der Mitbegründer von «General Chereschnja» überzeugt. Grundlage dieses Schutzes sind nicht einfach nur Fernsteuerungen, sondern komplexe Algorithmen. Nach Hryschyns Prognose werden Drohnen der Zukunft hauptsächlich von künstlicher Intelligenz gesteuert werden. Dies wird es den Systemen ermöglichen, Aufgaben wie das Nachführen, Zielerfassung und Zielortung ohne Beteiligung eines Operators eigenständig zu erfüllen.
Drohnen-Schwärme und neue Möglichkeiten
Auch die Taktik des Einsatzes von unbemannten Fluggeräten wird sich verändern. An die Stelle einzelner Geräte werden massierte Angriffe von Drohnenschwärmen treten. Solche Gruppen können koordiniert agieren, den Luftraum blockieren und die Luftabwehrsysteme des Gegners unterdrücken.
Der technische Fortschritt wird es ermöglichen, Mittel zu entwickeln, die in der Lage sind, enorme Distanzen zu überwinden, eine schwerere Nutzlast zu tragen und eine hohe Autonomie zu besitzen. Dies wird sie zu einer universellen Waffe sowohl für die Aufklärung als auch für die Durchführung von Angriffen machen.
Technologische Souveränität und Vorsprung
Ein wichtiger Aspekt der Prognose ist die Frage der Unabhängigkeit. Zuvor hatte Jaroslaw Hryschyn über Bereiche berichtet, in denen die ukrainische Seite die russische überholt hat, sowie über Methoden zur Befreiung von der Abhängigkeit von chinesischen Komponenten. Dies ist entscheidend für die Aufrechterhaltung der Produktionsgeschwindigkeit und die Modernisierung der Bewaffnung.
Bereits jetzt werden erste Modelle vollständig autonomer Drohnen-Abfangsysteme, die in der Ukraine entwickelt wurden, in Dienst gestellt. Diese Systeme legen den Grundstein für genau diese «Mauer», die nach Ansicht der Experten in den nächsten Jahren Realität werden wird.