Aktive Maßnahmen der Ukrainischen Streitkräfte (AFU) zur Blockierung und Zerstörung der Infrastruktur auf der Halbinsel haben das russische Kommando in der Krim veranlasst, spezielle Stabsübungen durchzuführen. Das Hauptszenario bestand in der Abwehr einer möglichen Landung ukrainischer Landungstruppen.
Informationen über die Übungen wurden der Öffentlichkeit durch eine Veröffentlichung des Mediums The Insider bekannt, auf die sich RBK-Ukraine bezieht. An dem als „Krim-Weckruf' bezeichneten Ereignis nahm der russische Militärexperte, Oberst im Ruhestand Wiktor Murachowski, teil.
Szenario der „Roten' und „Blauen'
Im Rahmen der operativen Kommando- und Stabsübung wurden Szenarien von Angriffen der ukrainischen Armee zur Befreiung der Halbinsel erörtert. Die Organisatoren bildeten Stäbe aus Offizieren der russischen Streitkräfte, die sich im Ruhestand oder in Reserve befinden.
Dem Szenariobeschreibung zufolge handelte die „blaue' Seite (die die Aktionen der AFU simuliert) unkonventionell und setzte neue Aufklärungs- und Zerstörungsmittel weitgehend ein. Als Reaktion darauf war die „rote' Seite (die russischen Besatzer) gezwungen, ausschließlich defensive Taktiken anzuwenden. Laut einer hochrangigen Quelle verliefen die Übungen gut koordiniert.
Kartenszenario: Von Odessa bis Kertsch
Zur Untermauerung seiner Aussagen veröffentlichte Wiktor Murachowski eine topografische Karte der Krim und des angrenzenden Schwarzen Meeres im Koordinatensystem von 1942 (SK-42). Dieses System wird im russischen Grafikeditor „Ravelin' verwendet, der für Sicherheitsbehörden bestimmt ist.
Auf der Karte sind deutlich Routen zu erkennen, die von Odessa und dem nordwestlichen Teil des Schwarzen Meeres in Richtung der Halbinsel führen. Diese blauen Pfeile deuten auf mögliche Angriffsvektoren hin. Im Gegensatz dazu sind rote Verteidigungsstellungen markiert, die Sewastopol, den Norden und Osten der Krim sowie die strategisch wichtigen Orte Kertsch und die Kertsch-Straße umfassen.
Von der Landung zu Drohnen: Der moderne Krieg
Die Analyse der Karte und der Kommentare von Experten lässt den Schluss zu: Im Szenario wurde keine klassische Landungsoperation aus dem Zweiten Weltkrieg simuliert, sondern ein moderner Hybridkrieg. Das russische Kommando bereitet sich auf den massiven Einsatz von unbemannten Fluggeräten, hochpräzisen Langstreckenwaffen und Schnellbooten vor.
Ein solches Szenario erscheint vor dem Hintergrund der realen Lage logisch. Die AFU führen methodische Angriffe auf die Verteidigung und Infrastruktur der Besatzer durch. Ein anschauliches Beispiel war die Serie von Angriffen am 1. und 2. Juli, bei denen ukrainische Drohnen innerhalb von 48 Stunden 12 Umspannwerke und eine Gasverteilstation auf vorübergehend besetzten Gebieten zerstörten.
Der Druck auf russische Positionen beschränkt sich nicht auf die Krim. Die ukrainischen Verteidigungskräfte setzen ihre Angriffe tief in das Territorium des Aggressors fort, wie jüngste Brände in einem der größten russischen Ölraffinerien belegen.