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title: "Zagreb gegen Staatsbegräbnis für Mladić: Kroatien droht Serbien mit der Schließung der EU-Türen"
description: "Kroatien hat sich gegen eine Beisetzung Ratko Mladićs mit staatlichen Ehren in Serbien ausgesprochen. Ministerpräsident Plenković erklärte, ein solcher Schritt könnte Belgrad die Türen zur EU schließen, und erinnerte an die kroatischen Anklagen gegen den General."
date: 2026-09-01T00:20:00.000Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/kroatien-gegen-staatsbegrabnis-fuer-mladic-de
tags: [ratko-mladic, croatia, serbia, eu-enlargement, war-crimes, icty, balkans, plenkovic]
publisher: "XAB.info"
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# Zagreb gegen Staatsbegräbnis für Mladić: Kroatien droht Serbien mit der Schließung der EU-Türen

![Kroatischer Politiker im Anzug mit roter Krawatte zeigt ein Daumen-hoch-Zeichen vor einer Sportarena im Kontext der Position von Zagreb gegen die Staatsbestattung von Mladić](https://xab.info/media/2026/09/01/hrvatska-protiv-pohoron-mladica-s-pochestjami/hrvatska-protiv-pohoron-mladica-s-pochestjami-1.webp)

## 🎯 Key Points

- Kroatien hat sich offiziell gegen die Beisetzung Mladićs mit staatlichen Ehren ausgesprochen und Serbien mit einem Einfrieren der EU-Integration gedroht
- Der Haager Gerichtshof verurteilte Mladić nicht für Verbrechen in Kroatien, doch ein kroatisches Gericht in Šibenik sprach ihn 1992 in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft wegen der Beschuss von Kijevo, Sine und anderen Episoden
- Die serbische Gesellschaft ist gespalten: Rechtsextreme halten Mladić für einen Helden, Rechtschützer für einen Kriegsverbrecher; die Behörden Vučićs nehmen eine zurückhaltende Position ein
- Russland hat der Familie Mladićs sein Beileid ausgesprochen, ohne das Urteil des IJG anzuerkennen

Kroatien hat sich offiziell gegen die geplante Beisetzung des ehemaligen Oberbefehlshabers der bosnisch-serbischen Armee Ratko Mladić mit staatlichen Ehren ausgesprochen. Der General, der als „bosnischer Schlächter“ bekannt wurde, starb im Gefängnis des Internationalen Gerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag, wo er eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verbüßte. Serbien hatte durch seinen Justizminister bereits erklärt, die Beerdigung mit militärischen Ehren abhalten zu wollen, und seine Bereitschaft signalisiert, den Leichnam unverzüglich aus den Niederlanden abzuholen. Genau diese Entscheidung wurde zum Anlass für die harte Reaktion Zagrebs.

### Position Zagrebs: „Sie schließen sich die Türen zur EU selbst“

Der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenković erklärte im Live-Fernsehen, dass die Beisetzung Mladićs mit staatlichen Ehren sich negativ auf die europäischen Aussichten Serbiens auswirken könnte. „Das wäre so, als würden sie sich selbst die Türen zur Europäischen Union zuschlagen“, betonte der kroatische Regierungschef. Seiner Auffassung nach geht es um einen Menschen, der an schweren Verbrechen während der Kriege auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien beteiligt war, und Zagreb erinnert daran, dass Mladić nicht nur mit den Verbrechen in Verbindung steht, wegen derer ihn der Haager Gerichtshof verurteilte, sondern auch mit Episoden, die von der kroatischen Justiz dokumentiert wurden.

### Kroatische Anklagen: von Kijevo bis zum Damm von Peruča

Es ist wichtig zu beachten, dass der Haager Gerichtshof Mladić nicht für Verbrechen verurteilt hat, die genau auf dem Gebiet Kroatiens begangen wurden. Im Juli 1992 verurteilte jedoch ein Gericht in der kroatischen Stadt Šibenik ihn in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft wegen Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung. Laut kroatischer Staatsanwaltschaft hatte Mladić, damals Chef des Stabes des 9. Knin-Korps, am 26. August 1991 den Angriff auf das Dorf Kijevo befohlen, auf das rund 1600 Artilleriegranaten abgefeuert und Streumunition eingesetzt wurden. Die Ortschaft wurde praktisch vollständig zerstört. In derselben Sache wurden auch Angriffe auf Sine, Vrliče, Maljkove, Potravlj, Šaštrić und Dabar sowie Angriffe auf zivile Objekte in Šibenik behandelt.

Eine der schwerwiegendsten Episoden des kroatischen Verfahrens war die Untersuchung der Planung der Zerstörung des Dammes von Peruča an der Cetina. Den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge beabsichtigten Mladić und andere Kommandeure, den Damm zu sprengen, um die Ortschaften flussabwärts – Sinj, Trilj und Omiš – zu überfluten, in denen mehr als 50.000 Menschen lebten. In die Konstruktion wurden rund 30 Tonnen Sprengstoff gelegt; die Explosion verursachte erhebliche Schäden am Bauwerk, doch den Damm vollständig zu zerstören gelang nicht. Plenković erwähnte in seiner Erklärung außerdem Škabrnja: Am 18. November 1991, am Tag des Falls von Vukovar, eroberten serbische Truppen das Dorf, in dem Zivilisten und Verteidiger getötet wurden. Die kroatische Staatsanwaltschaft führte zudem ein Verfahren wegen Raketenangriffen auf Požega und Gebiete der Slavonien 1995, bei denen ein Zivilist getötet und drei weitere verwundet wurden.

### Urteil Den Haags und Tod im Gefängnis

2017 verurteilte der Internationale Gerichtshof für das ehemalige Jugoslawien Mladić zu lebenslanger Haft. Das Gericht sprach ihn des Völkermordes, von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und von Verstößen gegen die Gesetze und Gewohnheiten des Krieges schuldig, die während des Krieges in Bosnien und Herzegowina begangen wurden. Zu den festgestellten Verbrechen zählen der Völkermord in Srebrenica, Verfolgung, Vernichtung, Tötungen, Deportation und erzwungene Umsiedlung bosnischer Muslime, die jahrelange Kampagne des Artillerieterrors gegen die Zivilbevölkerung von Sarajevo sowie die Geiselnahme von UN-Mitarbeitern. Mladić starb in der Justizvollzugsanstalt des Gerichtshofs in Den Haag, bevor ein möglicher Revisionsprozess stattfinden konnte.

### Widersprüchliche Angaben

Rund um die Person Mladićs und seine Beerdigung gibt es eine Reihe von Widersprüchen in den Positionen der verschiedenen Seiten. Einerseits hat der serbische Justizminister öffentlich eine Beerdigung mit staatlichen Ehren angekündigt, und ein Teil der serbischen Politiker und rechtsextremen Kreise bezeichnet den General offen als Nationalhelden. Andererseits erkennt der fortschrittliche, liberale und rechtschützende Teil der serbischen Gesellschaft Mladić als Kriegsverbrecher an und verurteilt sein Handeln. Die serbischen Behörden unter Alexander Vučić nehmen den vorliegenden Informationen zufolge eine zurückhaltende und unbestimmte Position ein und geben kein eindeutiges öffentliches Signal, weder für noch gegen die Ehrenbezeugungen.

Einen zusätzlichen Widerspruch schafft die Position Russlands: Der Kreml hat der Familie des Verstorbenen sein Beileid ausgesprochen, ohne dabei die Zuständigkeit und das Urteil des Haager Gerichtshofs offiziell anzuerkennen. Somit koexistieren im öffentlichen Raum gleichzeitig drei unvereinbare Bewertungen: die völkerrechtliche (Kriegsverbrecher, zu lebenslanger Haft verurteilt), die nationalistiche (Nationalheld) und die politisch-diplomatische (eine Figur, deren Ehrenbeisetzung die EU-Integration Serbiens blockieren könnte). Die kroatische Seite betont ihrerseits, dass Den Haag die Episoden auf dem kroatischen Gebiet nicht geprüft habe, und beharrt auf der eigenen Zuständigkeit für diese Fälle, was die Frage der Beerdigung nicht nur moralisch, sondern auch juristisch für die bilateralen Beziehungen sensibel macht.

### Auswirkungen auf die EU-Integration Serbiens

Die Erklärung Plenkovićs erfolgte vor dem Hintergrund des laufenden Prozesses der EU-Integration Serbiens, in dem die Frage des Umgangs mit dem Erbe der Kriege der 1990er Jahre und der Anerkennung der Zuständigkeit des IJG einer der Schlüsselkriterien bleibt. Zagreb, das selbst seit 2013 Mitglied der EU ist, nutzt das Thema der Verantwortung für Kriegsverbrechen konsequent als Druckmittel gegen Belgrad. Wenn Serbien die Beerdigung Mladićs mit staatlichen Ehren durchführt, wird dies nach Logik des kroatischen Ministerpräsidenten von Brüssel als Signal gewertet, dass Belgrad nicht bereit ist, sich endgültig vom militärischen Erbe zu distanzieren, was den Verhandlungsprozess über den Beitritt zur Union verlangsamen oder sogar stoppen könnte.

## 🔍 Fact-Check Verification

- [Wegen des „bosnischen Schlächters“ könnte Serbien nicht in die EU gelassen werden](https://www.rbc.ua/ukr/news/cherez-bosniyskogo-m-yasnika-serbiyu-mozhut-1788221747.html) - Подтверждает контекст давления Загреба на Белград в связи с фигурой Младича и возможными последствиями для евроинтеграции Сербии.
- [Die Verteidigung Ratko Mladićs, der in Den Haag zu lebenslanger Haft wegen Völkermordes verurteilt wurde, bat ...](https://www.bbc.com/russian/articles/ckgp7lwg9p0o) - Подтверждает факт пожизненного приговора МТБЮ за геноцид и наличие активной защиты на этапе отбывания наказания.
- [Der wegen Völkermordes verurteilte serbische General Mladić ist „zwischen Leben und Tod“](https://news.mail.ru/society/70623299/) - Подтверждает тяжёлое состояние здоровья Младича в тюрьме Гааги, что логически предшествует описанному в основном тексте факту смерти. Прямое подтверждение даты смерти в данном источнике отсутствует.
- [Der Verteidigung Ratko Mladićs wurde in der Klage gegen die Ärzte des IJG abgelehnt](https://tass.ru/mezhdunarodnaya-panorama/5419973) - Подтверждает юридический контекст: МТБЮ, условия содержания, попытки защиты оспорить действия медиков. Не противоречит основному тексту.

## ❓ FAQ

### Q: Wegen welcher Verbrechen genau hat der Haager Gerichtshof Mladić verurteilt?
**A:** 2017 sprach das IJG Mladić des Völkermordes (einschließlich Srebrenica), von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und von Verstößen gegen die Kriegsgesetze schuldig: Verfolgung, Vernichtung, Tötungen, Deportation bosnischer Muslime, die Kampagne des Artillerieterrors gegen Sarajevo und die Geiselnahme von UN-Mitarbeitern. Das Urteil: lebenslange Haft.

### Q: Hat das IJG Mladić für Verbrechen auf dem Gebiet Kroatiens verurteilt?
**A:** Nein. Der Haager Gerichtshof hat die Episoden auf dem kroatischen Gebiet nicht geprüft. Allerdings sprach ein kroatisches Gericht in Šibenik Mladić 1992 in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft wegen der Beschuss von Kijevo, Sine, Vrliče und anderer Ortschaften sowie wegen der Planung der Zerstörung des Dammes von Peruča.

### Q: Warum verknüpft Kroatien die Beerdigung Mladićs mit der EU-Integration Serbiens?
**A:** Ministerpräsident Plenković erklärte, dass die Ehrenbeisetzung eines wegen Völkermordes verurteilten Generals als Unbereitschaft Serbiens gewertet werden würde, sich vom militärischen Erbe zu distanzieren, was für Brüssel einen Grund darstellen könnte, den Verhandlungsprozess über den Beitritt Belgrads zur EU zu verlangsamen oder zu blockieren.

### Q: Wie ist die Position der russischen Führung im Zusammenhang mit dem Tod Mladićs?
**A:** Der Kreml hat der Familie Mladićs sein Beileid ausgesprochen. Gleichzeitig erkennt Russland die Zuständigkeit des IJG und seine Urteile offiziell nicht an, was die russische Reaktion zu einer zusätzlichen Quelle widersprüchlicher Bewertungen im internationalen Diskurs um die Person des Generals macht.