Es gibt Spiele, die nicht einfach nur unterhalten, sondern Teil des Erwachwerdens einer ganzen Gamer-Generation werden. Rennspiel-Arcades aus den frühen und mittleren 2000er-Jahren sind genau solche Projekte: Sie sorgten dafür, dass man stundenlang vor dem Monitor saß, um Konkurrenten zu überholen, vor der Polizei zu fliehen oder neue Rekorde aufzustellen. Die einen unvergesslich durch unglaubliche Geschwindigkeit und Adrenalin, die anderen durch Autos, Musik und die Möglichkeit, auf virtuellen Straßen echtes Chaos zu veranstalten. Styler-Redakteurin Julia Ljuschnewa hat eine Auswahl von fünf kultigen Rennspielen zusammengestellt, die Gamer weltweit in ihren Bann zogen und bis heute starke Nostalgie bei all jenen auslösen, die einst über digitale Pisten rasten.
Need for Speed: Most Wanted: Eine Verfolgungsjagd, die zur Legende wurde
Die Rennspiel-Arcade von EA Black Box verband illegale Straßenrennen, eine offene Welt und polizeiliche Verfolgungen zu einem packenden Erlebnis vom ersten Rennen an. Die Handlung spielt in der fiktiven Stadt Rockport, wo der Protagonist seinen gestohlenen BMW M3 GTR zurückgewinnen und zum besten Straßenrennfahrer werden will. Der Weg nach oben führt über aufeinanderfolgende Siege gegen 15 Konkurrenten der sogenannten „Blacklist“, an deren Spitze Razor steht. Dem Spieler stehen verschiedene Fahrzeuge zur Verfügung, die durch Änderungen an Optik und Technik aufgewertet werden können. Die größte Spannung entsteht jedoch bei Polizeijagden: Die Ordnungshüter sperren Straßen ab, setzen Nagelbänder ein, rufen Verstärkung und versuchen das Auto um jeden Preis zu stoppen. Je höher das Fahndungslevel, desto schwerer fällt es, dem Verfolger zu entkommen, und manchmal endet selbst ein erfolgreiches Rennen in einer langen Flucht durch die gesamte Stadt. Die besondere Atmosphäre von Most Wanted entsteht durch gelbliche Herbstlandschaften, die Industriebezirke von Rockports und einen Soundtrack, der auch Jahre später noch sofort wiedererkennbar ist. Die Geschichte um den gestohlenen BMW macht den normalen Kampf um den ersten Platz zu einer persönlichen Konfrontation und verleiht den Rennen emotionale Tiefe.
FlatOut 2: Die Kunst der Zerstörung und des automobilen Chaos
Der Arcade-Racer des finnischen Studios Bugbear Entertainment machte Kollisionen und Zerstörungen zu einem untrennbaren Bestandteil des Wettbewerbs. Im Gegensatz zu traditionellen Rennspielen muss man hier keineswegs versuchen, eine Strecke ohne Kratzer zu absolvieren. Im Gegenteil: beschädigte Autos, zertrümmerte Zäune und von der Straße fliegende Konkurrenten erzeugen eine ganz eigene Atmosphäre automobilen Durcheinanders. Spieler können an normalen Rennen, Derbys und ungewöhnlichen Minispielen teilnehmen. Letztere wurden zu einem der unvergesslichsten Merkmale von FlatOut 2: Der Fahrer fliegt durch die Windschutzscheibe, wonach man ihn auf ein Ziel lenken muss — zum Beispiel in einen Basketballkorb oder so weit wie möglich durch die Luft. Untermalt wird das Ganze von übertriebener Physik, spektakulären Unfällen und harter Musik. Die Rennen finden auf abwechslungsreichen Strecken statt, auf denen die Umgebung zu zusätzlichen Hindernissen werden kann. Das Interessanteste an FlatOut 2 ist, dass eine Niederlage nicht zwangsläufig bedeutet, dass der Spaß ausbleibt: Selbst eine missglückte Kurve kann in einem so spektakulären Crash enden, dass er besser in Erinnerung bleibt als ein Sieg. Genau diese Balance zwischen Wettbewerb und Chaos machte das Spiel besonders.
Test Drive Unlimited: Eine hawaiianische Hochgeschwindigkeitsreise
Das Open-World-Rennspiel des französischen Studios Eden Games erschien 2006 erstmals für die Xbox 360 und fand später den Weg auf andere Plattformen. Statt einer erfundenen Stadt boten die Entwickler den Spielern die Möglichkeit, die hawaiianische Insel Oahu zu erkunden: auf tropischen Straßen zu fahren, den Ozean zu bewundern, Autohäuser zu besuchen und neue Routen zu entdecken, ohne ständig an Wettkämpfen teilnehmen zu müssen. Auf der Insel sind Autos und Motorräder bekannter Hersteller wie Ferrari, Lamborghini, Aston Martin und Ducati vertreten. Das im Rennen verdiente Geld kann für neue Fahrzeuge, deren Tuning, Kleidung und Immobilien ausgegeben werden. Häuser erfüllen dabei nicht nur einen dekorativen Zweck: Sie ermöglichen es, die eigene Autosammlung in Garagen unterzubringen. Neben Solorennen bot das Originalspiel Online-Wettkämpfe und Treffen mit anderen Fahrern auf den Straßen der Insel. Laut der Autorin der Auswahl bestand das Hauptmerkmal von Test Drive Unlimited darin, dass es erlaubte, die Fahrt selbst zu genießen und nicht nur das Rennergebnis. Man konnte sich das erträumte Auto kaufen, auf die Küstenstraße fahren und die Insel einfach ohne konkretes Ziel erkunden. Für das Jahr 2006 wirkte dieser Ansatz besonders ambitioniert. Gemäß der Originalbeschreibung des Spiels haben die Entwickler über 1.000 Meilen hawaiianischer Straßen nachgebildet, wodurch Test Drive Unlimited weniger an ein gewöhnliches Rennen als vielmehr an einen virtuellen Autourlaub erinnerte.
Burnout Paradise und der krönende Abschluss der Auswahl
Burnout Paradise ist ein Arcade-Rennspiel des britischen Studios Criterion Games, das spektakuläre Fahrzeugkollisionen in eine offene Welt übertrug und das Gefühl von Geschwindigkeit und Zerstörung auf die Spitze trieb. Criterion Games, bekannt für seine markante Boost-Physik und Crash-Effekte, setzte bei Paradise auf freie Erkundung und spontane Rennen. Das fünfte Projekt in Julia Ljuschnewas Auswahl — Blur — schaffte es ebenfalls auf die Liste der kultigen Rennspiele, an die sich Spieler bis heute erinnern und die sie diskutieren. Alle fünf Spiele verbindet eines: Sie boten nicht nur Rennmechaniken, sondern erschufen ganze Welten, in denen Gamer Abend für Abend verbrachten und immer wieder zu ihnen zurückkehrten.
Stylers Auswahl erinnert daran, dass diese Arcade-Projekte schon Jahrzehnte vor modernen Simulatoren mit fotorealistischer Grafik den Maßstab für Spektakel, Entscheidungsfreiheit und emotionale Einbindung setzten. Für viele Spieler sind Most Wanted, FlatOut 2, Test Drive Unlimited, Burnout Paradise und Blur nicht nur einfache Einträge in der Bibliothek, sondern ein Teil ihrer persönlichen Gaming-Kindheit, zu der man gerne zurückkehrt.